Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1898)
- Date
- 1898-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. M 49. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodore Iudenlhum Begründet von Dr. ife&mstmt in HDtainf. Donnerstag, de« 23. Juni 5658 (1898). Da mit dem 1. Juli 1898 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1898 eingetragen unter Nr. 3684. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende März gratis. Leitender Artikel. Wr Utatl. KrlWWkskWist «i» »n Wirstaid »rr TMsgki»tl»dk-Mi>tz. von einem Mitglieds der Züricher Cuttusgemeinde. Zürich, im Juni. Die Vorgänge in der hiesigen Cuttusgemeinde und das Verhältniß der isr. Religionsgesellschaft zu ihr sind in jüngster Zeit so oft und so dreist in tendenziöser Weife entstellt worden, daß eine wahrheitsgemäße Darstellung der ganzen Sachlage kaum einer Rechtfertigung bedarf. — Die hiesige ca. 266 Mitglieder zählende Gemeinde hat in vielen wesentlichen Punkten das von den Vätern überkommene Judenthum verlassen und ist nach der offiziellen Erklärung ihres eigenen Vorstandes eine liberal-reformjüdische, das Gros der Mitglieder entweiht öffentlich Sabbat und Feiertag, und setzt sich über die fundamentalsten sonstigen Satzungen der Thora und des rabbinischen Judenthums hinweg. Die Gemeindeinstitutionen entsprechen der religiösen resp. unreligiösen Richtung der Mitglieder. Die Synagoge und ihr Gottesdienst haben durch ein christliches Kircheninstrument, durch den religionsgesetzlich verbotenen gemischten Chor ihren jüdischen Charakter eingebüßt. Der Jugendunterricht ist von den maßgebenden Faktoren selber wiederholt als ungenügend bezeichnet worden, und die Beaufstchtigung des Koscherfleischverkaufs ist eine so unzulängliche, daß von Zeit zu Zeit die unglaublichsten Dinge an die Oeffentlichkeit gelangen. Eine Mikve hat die Gemeinde bis auf den heutigen Tag nicht und ebenso wenig besaß sie bis vor zwei Jahren die Einrichtung, daß jemand, der an den Werktagen sein „Fahrzeit" begehen sollte, in der Orgelsynagoge ein Minjan vorfand, um Kaddisch sagen zu können. Wir heben diese Mißstäude nicht hervor, um daraus eine Klage über die Gemeinde und ihre Leiter zu konstruiren; vielmehr lediglich deßhalb um zu konstatiren, wie die wenigen orthodoxen Mitglieder im Laufe der Jahre in der Gemeindeversammlung um Besserung dieser Zustände und um eine auch noch so bescheidene Berücksichtigung petitionirten und wiederholt mit lautem Hohn und Spott von der Majorität abgewiesen wurden. Länger als 10 Jahre war Herr Leopold Weill der einzige, der wenigstenam Sabbat und Festtag ein Minjan unterhielt, um auf den unjüdischen Gottesdienst in der Synagoge nicht angewiesen zu sein. Die Verspottung und Verdächtigung, welchen diejenigen ausgesetzt waren, die an diesem Minjan theilnahmen, hielt manche gleichgesinnte, achtungswerthe Gemeindemitglieder lange Zeit zurück, bis sich nunmehr vor drei Jahren einige Herren fanden, die zu einer Gesellschaft zusammentraten, um sich die Möglichkeit zu schaffen, nach der Weise der Väter zu beten, dem Religionsgesetz gemäß leben und ihre Kinder dafür gewinnen und erhalten zu können. Diese Herren sind — bis auf eine einzige Ausnahme — Mitglieder der Cultutzgemeinde. Sie tha»