Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1898)
- Date
- 1898-06-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWWWMSMWWMW Wt.' yu’J 1».L.|»| JK*|pa^!j|$fe3pr-c: 865 wissen, woran man ist. Da öffnet sich irgend eine Tapetenthür, und husch ist ein Gegenstand im Cabinet. — Ew. Eminenz verstehen mich?" „Du bist ein unverschämter Schurke, Jerome! —" „Ew. Eminenz, das weiß ich, das muß man aber heut zu tage sein, um etwas Gescheites werden 511 können." — „Ich brauche Deine Lebensphitosophie nicht, sondern bloß Deine Augen, geh' in die bewußte Gallerie und sieh zu, ob er allein ist!" Mit einer Verbeugung entfernte sich der Diener. Bald kam er zurück. „Mäuschenseelenallein, Eminenz; nicht einmal sein treuester Freund, der Affe, ist bei ihm. Demnach hat Ew. Eminenz reines Feld." „Du nimmst Dir viel heraus, Jerome, ich rathe Dir, Deine Zunge zu wahren; sonst giebts gewisse Mittel. —" „Nun, es war nicht böse gemeint, und Eminenz wiffen, was Sie an mir haben." „Ich weiß es." — Und mit sarkastischem Lächeln schritt der Geistliche die Treppen hinauf, und gelangte du> ch viele Corridors und Säle an das Cabinet des Regenten, Philipp Orleans, der als zeitweilige höchste Reichsautorität seinen Wohnsitz im Louvre ausgeschlagen hatte. Das Cabinet war klein, doch mit ausgesuchter Ueppigkeit möblirt. In einem behaglichen Lehnstuhl saß der Regent vor einem Tischchen, das mit Consitüren beladen war; ein größerer, mit Papieren bedeckt, war in die Ecke gerückt. Der Regent war ein schöner Mann, dessen edle Züge aber durch ein Gepräge überragender Sinnlichkeit alle Würde eingebüßt hatte. Es sprach sich zwar keine positive Bosheit, aber doch große Schwäche und leichte Erregbarkeit auf seinem Gesichte aus, und dieses war ein treuer Abdruck jenes gaukelnden, unstäten, vorwiegend epikuräischen Charakters, den das frivole achtzehnte Jahrhundert unter der Bedeutung eines Galanthomme, eines Mannes, wie die Zeit ihn wollte, zusammenfaßte. Langsam erhob sich die dicke, unbehülflich gewordene Gestalt etwas aus dem Lehnstuhl hervor. „Ah guten Abend, Papa Dubois." „Der Herr segne dich, mein würdiger Sohn und Bruder." Der Regent verfiel in ein baucherschütterndes Lachen. „Vortrefflich, heiliger Dubois, — saneta Duboisie ora pro nobis!" Und das Gelächter erschallte von beiden Seiten gleich lebhaft. „Aber wir haben wahrhaftig keine Zeit zum Lachen, die verdammte Actiengeschichte kommt uns über den Hals." „Wenn sie uns nur nicht an den Hals kommt, königliche Hoheit!" „Ja, Du hast gut reden. Nachdem Du und Dein sauberer College Law mich bis über die Ohren in den Koth geschoben habt, laßt Ihr mich darin sitzen und denkt: Weit vor'm Schuß ist gut. — Was soll ich machen? Frankreich flucht, Ihr Pfaffen heult über die sündige Zeit, das Parlament will sich zu Nichts verstehen, und ich — ich habe kein Geld. Nein, auf Ehre, ich habe Nichts, und woher sollt' ich's haben?" Der Regent sprang heftig auf und wandelte mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. Dubois stellte sich ans Camin und summte die Melodie von Malborough s'en vat en guerre mit der allergrößten Gemüt hlichkeit von der Welt. „Dubois, laßt Euer verwettertes Summen, gebt einen Rath — um aller Heiligen Willen, einen Rath!" „Mit Wonne will ich's thun, wenn mir Ew. Königliche Hoheit erlauben, die Sache in dürren Worten, ohne Schmeicheleien zu entwickeln, damit wir beide uns klar werden. „Nur zu. damit man endlich den Rath bekömmt, nur zu." „Die Sache ist ganz einfach also: Ew. Königliche Hoheit, Law und meine geringe Person haben mit unermüdlichem Eifer gearbeitet im Weinberge des Herrn, d. h. wir haben Banknoten nach Banknoten fabricirt, im Vertrauen auf den Allmächtigen und unbekümmert um das Geld, welches in Wirklichkeit da war. Hatte einer von uns dreien Geld nöthig — Fabrikation von Banknoten. Hatte irgend ein Parlament sich nur durch Bestechung gewinnen lassen wollen, — Fabrikation von Banknoten. Und die Sache ging anfangs sehr gut, denn einestheils gab es Kolonieen am Missisipi — wenn auch nur auf dem Papier, — als Garantie, und andererseits hat der Herr dem dummen Volke ein so unerschütterliches Vertrauen, zu seinen Lenkern eingeprägt, daß es erst mit dem Kopf vor's Brett stoßen muß, damit ihm die Augen ausgehen. Als aber durch den Prinzen von Soubise, der drei Wagen voll Geldes von der Bank abholen ließ, das Vertrauen erschüttert worden, da entstand ein allgemeines Geschrei, so noch anhält, und Alles will schlechtes Papier in gute Münzen Umtauschen, da selbst der dumme Unterthanenverstand begreift, daß Papier Nichts werth, wenn kein Geld in der Bank. Wir haben in Umlauf gesetzt für circa zweihundert Millionen, und für drei Millionen ist in Caffe. So hat es sich begeben, und wollen Ew. Königliche Hoheit die einzelnen Posten revidiren, so ist hier ein Papierchen, wo alles deutlich geschrieben und zu lesen. Amen."