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Der Israelit · 1898-06-13 · Heft 46 (13.6.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 46 (13.6.1898)
Date
1898-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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85‘2 ließe. Vielmehr habe sein Vater H’t den Chorgesang stets als ein vorzügliches Mittel zur Verherrlichung des Gottesdienstes erkannt und zum Beispiel in seinem früheren Wirkungskreis die Gemeinde zur Gründung eines Chors veranlaßt, ja sogar oft die Gesänge selbst mit diesem eingeübt. Nur bei denjenigen Stellen, wo die n^vri oder die n^2 durch Chorgesang nicht beeinträchtigt würde, wie beim Einheben und Ausheben nn roS und Aehnlichem, sei der Chorgesang am Platz. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung übergehend, gibt Herr E h r m a n n—Friedberg eine kritische Beleuchtung über „Die neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Schulliteratur". Besonders sind es die Schulbücher: Goldschmidt „Urbilo und Ebenbild", sowie deffen Txp", ferner „die Sprüche der Väter" von Dr. Bamberg er—Schrimm, die r6un Übersetzung von Wiesen, die „Biblische Geschichte" von Plaut, sowie diejenige von S. Müller, Hauptlehrer in Müllheim (Baden), welche vom Referenten ausführlich besprochen werden. Die Methode eines jeden Buches wird erörtert, und die Frage der Brauchbarkeit untersucht. Gold sch »id t's njnn i'Lp ist nach der sogenannten Conversationsmethode geschrieben, besitzt jedoch von derselben nur das äußerliche Moment. Neu ist nur die hebräische Fragestellung. Doch vermag das Kind die Antwort nur schwer zu finden, dazu muß es eben sicher hebräisch können, und dies verstehen die Kleinen erst recht nicht. Doch gibt da- Buch dein Lehrer wenigstens Anregung zur gründlichen Durcharbeitung des Lehrstoffes. Dagegen ist deffen Einführung, wie Referent eingehend nachweist, aus pädagogischen und religiösen Gründen nicht zu empfehlen. Plauts biblische Geschichte wird ihrer Aufgabe mehr gerecht. Methode und Darstellung sind dem Kinde angemeffen. Doch weicht dieselbe auch oft vom Bibiltext ab und wird außerdem durch den frühen Tod de- VerfafferS leider nur Fragment bleiben. Dagegen vereinigt die „Biblische Geschichte" von S. M ü l l e r alle Vorzüge der bisherigen Schulbücher und bietet sogar manche neu. Sowohl zum Vortrag des Lehrers, als auch für den Gebrauch des Schülers ist dieselbe geeignet und enthält außerdem eine schöne Auswahl der poetischen Bibelstellen. Auch die Geographie von Palästina wird im Anhang eingehend behandelt. Deßhalb wünscht Referent dem Werke allgemeine Verbreitung. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für die fleißige Arbeit und eröffnet die Diskussion. Herr Rabbiner Dr. Bon di—Mainz hält die „Biblische Geschichte" von Müller, so gut das Werk von allgemein pädagogischem Standpunkt aus sei, durchaus für nicht empfehlen-werth. indem dasselbe in religiöser Beziehung schädlich wirken müsse.*) — Herr Rabb. Dr. Hirschfeld macht auf den hohen Werth des Religionsbuches von Dr. S. Auerbach (Halberstadt) aufmerksam. — Von vielen Seiten wird bemerkt, daß die eingehende Besprechung und methodische Zergliederung solcher Werke das beste Mittel seien, klärend und anregend auf den Lehrer zu wirken. Die Vorzüge resp. Nachtheile werden ins rechte Licht gesetzt, die Brauchbarkeit erwogen und schließlich das Geeignete eines jeden Werkes zur Kenntniß der Kollegen gebracht und der Schule zugeführt. So verwerthen wir nach dem Grundsatz „das Gute zu nehmen, woher es kommt" die Anregungen und Vorzüge auch unbrauchbarer Werke in der richtigen Weise für die jüdische Schule. Herr Direktor Dr. M. Hirsch spricht sodann seine hohe Befriedigung über den Verlauf der Versammlung aus, sowie seine Freude, den Verein in diesen Räumen begrüßen zu dürfen, wo jeder Stein von dem Geiste des Mannes künde, der für die Schule und ihre Interessen', für die Verbreitung von mw, Wahrheit und Erkenntniß sein ganzes Streben und Ringen eingesetzt habe. Des Himmels reichster Segen möge die Arbeit des Lehrervereins begleiten und deffen Bemühungen zur Sicherstellung auch der äußeren Lage der Lehrer krönen! Der Vorsitzende dankt Herrn Direktor Dr. Hirsch herzlich für deffen warme Gesinnung. Der Geist des großen Mannes, welcher hier waltet, werde auch uns stets begeistern zu freudigem Mitstreben für die hohen Ziele der Schule und unseres Standes. Desgleichen spricht oer Vorsitzende den verbindlichsten Dank aus für die freundliche Ueberlassung des herrlichen Saales, und erheben sich die Anwesenden als Zeichen des Dankes von ihren Sitzen. Für die im Herbst stattfindenden Provinzial- Konferenzen wird die Tagesordnung später festgestellt und den einzelnen Mitgliedern mitgetheilt werden. Mit der Bitte, des Eindrucks des heutigen Tages eingedenk zu bleiben, und die Interessen des Vereins in jeder Weise wacker zu vertreten, schließt der Vorsitzende die diesjährige Generalversammlung, deren anregender Verlauf alle Theilnehmer hoch befriedigte. Frankfurt a. M, 30. Mai 1898. I. A. des Vorstandes: I. Lebermann, Darmstadl, Schriftführer. *) Vergl. den Leitartikel an der Spitze unseres heutigen Blattes. Red.

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