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Der Israelit · 1898-06-08 · Heft 45 (8.6.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 45 (8.6.1898)
Date
1898-06-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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.'X.XXIX* Jahrgang, Zweite Beilage M M 45 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Rußland. J. Odessa Hier fand kürzlich eine Konferenz in Angelegenheiten der Handelsschiffahrt statt. Bei dieser Gelegenheit beantragte ein gewisser Bagorsky, daß man eine Petition bei der Negierung einreichen solle, dieselbe möge den Juden verbieten, die Marineschulen zu besuchen und möge sie auch nicht mehr als Kapitäne von See- oder Flußschiffen zulassen. Obwohl der Antragsteller ein weitläufiges Material beigebracht hatte, um die Gefährlichkeit der Juden nachzuweisen, wenn sie den Seemannsberuf überschwemmet! würden, wurde der Antrag rundweg abgelehnt. — Der Minister des Innern hat aus der jüdischen Fleischtaxe 15 000 Rubel dem Stadtrath von Berditscheff leihweise bewilligt, sowie aus demselben Fonds 4690 Rubel ausnahmsweise einmal für einen jüdischen Zweck, nämlich für die Reparaturen der Synagoge von Dalta. Griechenland. 8 Larissa, im Mai. In unserer Stadt stehen noch immer türkische Truppen, die aber schon in den nächsten Tagen von hier abmarschieren und dieselbe so den Griechen zurückstellen werden. Vor einigen Tagen ließ nun der Oberkommandant der türkischen Truppen, Marschall Edhem Pascha, unseren Cchacham Baschi und die sechs Vorsteher (D’cns) unserer Gemeinde zu sich bescheiden und theilte ihnen mit, er sei von seinem erlauchten Gebieter, dem Sultan Abdul Hamid m*, beauftragt, den Juden und den Mohamedanern zu erklären, daß wer von ihnen mit den türkischen Truppen zugleich das griechische Gebiet räumen und nach der Türkei auswandern will, der würde auf den von den türkischen Behörden zu diesem Zwecke gemietheten Dampfern freie Uebersahrt erhallen. Der Ehacham Baschi und die Vorsteher erklärten hierauf, daß sie den hochherzigen Antrag des Sultans zwar mit Dank annehmen, daß sie aber nicht gesonnen seien, von demselben Gebrauch zu machen, da sie Griechenland nun als ihr Vaterland betrachten und sich unter dem milden und toleranten Regime des Königs Georgios der vollsten Gleichberechtigung mit den anderen Bewohnern des Königsreichs erfreuen. Türkei. 8. Constantinopel, Ende Mai. Zum Vorsitzenden der aus Beamten des Bauten-Ministeriums und der hiesigen Stadtpräfektur zusammengesetzten Kommission, welche die Vorbereitungen zum Empfange Sr. Majestät des Deutschen Kaisers in Palästina zu treffen hat, soll unser Glaubensgenosse, Se. Exellenz Bechor Effendi Aschkenasi, Subpräfekt von Konstantinopel, ernannt worden sein. Die Thätigkeit der Konimission macht sich bereits vortheilhaft bemerkbar. Die Hafenstadt Jaffa ist bereits einer gründlichen Säuberung unterzogen worden und soll kaum wiederzuerkennen sein. Die Chaussee Jaffa-Jerusalem, welche seit Eröffnung der schmalspurigen Eisenbahn arg vernachlässigt wurde, wird einer durchgreifenden Verbefferung unterzogen. Unter den Hunderten von Arbeitern, welche dabei thätig sind, befinden sich auch zahlreiche Glaubensgenossen. Bulgarien. II. Aus Bulgarien. In einer Rümmer des „Mir" lesen wir Folgendes: Es ist bekannt, daß, wie in vielen anderen Ländern, sich auch bei uns unter der Menge die durch Ueberlieferungen hergebrachte Sage über gewisse barbarische religiöse Gebräuche der Juden an ihrem Osterfeste erhalten hat. Natürlich finden sich noch immer Leute, die, diesen Aberglauben benützend, zumeist aus geldgierigen Zwecken die fanatischen Mengen zu Gewaltthaten gegen die Juden aufhetzen, was gewöhnlich sehr traurige Resultate ergiebt. Gleich dem, was sich in anderen christlichen Staaten ereignet, wo die antisemitische Bewegung stark entwickelt ist, wollten sich auch einige unserer Ausbeuter mit dem Nahen der Osterfeiertage durch ihre Verfolgungen gegen die Juden auszeichnen und versuchten, die Leute zu Gewaltthaten gegen dieselben aufzuhetzen, was ihnen jedoch glücklicherweise nicht gelang, nachdem die Behörden noch rechtzeitig die Maßnahmen getroffen hatten. So verbreitete sich am 24. März in Jambol das Gerücht, ein Jude hätte auf der Gasse ein Mädchen an der Hand fassen wollen, und dies war für einige Persönlichkeiten Anlaß genug, um einige Schüler zu versammeln und die Synagoge zu überfallen, wo sie mehrere Fenster einwarfen. Dank der rasch von Seite der Polizei getroffenen Maßnahmen hatte dieser Vorfall keine weiteren Folgen, als die Verhaftung einiger Aufwiegler, die den Gerichtsbehörden übergeben wurden. Das Ereigniß in Jambol fand einen Wiederhall in dem in Sliven erscheinenden Oppositionsblatte „Trakia". In dieser Stadt kam ein Knabe, der nicht gerne die Schule besuchte und deßhalb öfter bestraft wurde, auf den Gedanken, seine Abwesenheit am Nachmittag des 30. März dadurch zu rechtfertigen, daß er seinen Kameraden erzählte,

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