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Der Israelit · 1898-06-06 · Heft 44 (6.6.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 44 (6.6.1898)
Date
1898-06-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang. M 44 Der Israelit. Genlrat-Hrgan für das orlhodore Zudenthum. Begründet von Vr. VeHmNrrn in Mscirrr Montagden 6. Juni 5658 (1898). Leitender Artikel. Die mündliche Lehre. Von Simon Frankfurter in Wesel. (Fortsetzung.) „Auf die Prämisse kommt alles an, läßt Brachvogel den Narciß im gleichnamigen Drama sagen. Die Prämisse aber, die Voraussetzung, daß die Thora von Gott auf dem Berg Sinai geoffenbart ist, wagen selbst die sogenannten Reform-Rabbinen, wenigstens nicht offen und unverblümt, zu leugnen, sonst würde ja ihre ganze Thätigkeit keinen Werth haben, oder deutlicher gesagt, sich nicht „verwerthen" lassen. Die Thora aber, das geschriebene Gesetz, sros» toi weist bei einigermaßen aufmerksamer Betrachtung scheinbar eine Menge Widersprüche, Unklarheiten und unvollkommen ausgevrückter Satzungen auf, welche in der vorliegenden Fassung als alleinige Gesetzesqaelle dem Volk nicht als genügenden Wegweiser und als erschöpfende Rechtslehre dienen konnte. Daher kommt es auch, daß ebenso eine große Anzahl unserer heutigen Glaubensgenossen, die unkundig geblieben und von dem mündlichen Gesetze nie etwas Anderes als durch Hörensagen erfahren haben, wie die Nichtjuden, welche jenes göttliche Buch nur aus mehr oderweniger mangelhaften Uebersetzungen ohne jeglichen Commentar kennen gelernt haben, demselben keinen Glauben beimessen und der Religion den Rücken gekehrt haben. Ein Hauptgebot der Thora selbst ist es daher, wenn sie ihren Anhängern zur Pflicht macht: orwisn „du sollst sie einschärfen deinen Söhnen" und in Jehoschuah 1, 8 heißt es : mm nb'bi OM' 12 „du sollst darüber nachsinnen Tag und Nacht/" Lägen aber Gesetze und ihre Handhabung so klar und offen, dann wäre ein sw ein Einschärfen und ein Forschen wohl nicht von nöthen. Betrachten wir beispielsweise gleich den Anfang der Thora, die Schöpfungsgeschichte, da heißt es. Und Gott sprach: „es werde Licht," und eS schließt dann dieser Theil mit den Worten: „Es ward Abend und es ward Morgen Ein Tag." Und doch kommt erst am vierten Tage die Schöpfung der Sonne, wodurch die Entstehung der Tage motivirt erscheint. Durch die Tradition aber erfahren wir, daß diesem Himmelskörper, der am ersten Tag geschaffen worden, am vierten Tage seine feste Stellung im Weltenraume angewiesen worden ist. Dem oberflächlichen Blicke erscheint gar der zweite mit p»m wrwn nrfan n*?K beginnende Schöpfungsbericht ein ganz anderer als der erste, oder mit diesem im Widerspruche zu stehen, wie auch Raschi sich dort ausdrückt: -tod ptwn b& ivis uw *m ntwo «sw „der es hört meint, es sei eine andere Geschichte, und doch ist es nur (wie aus den hermeneutischen Regeln, wonach die Thora erklärt wird, hervorgeht) eine eingehendere, speziellere Darstellung des ersten Berichtes. — Wenn — um ein weiteres Beispiel anzuführen — Gott dem Abraham sagt: nw u 'o 'iri -jini denn Fremdling wird deine Nachkommenschaft sein in einem Lande, das nicht ihnen gehört, und man wird sie dienstbar machen und drücken 400 Jahre, so nimmt der nicht eingeweihte Leser an, die 400 Jahre der Knechtschaft bezögen sich auf den Aufenthalt der Kinder Israel in Egypten. Dieser währte aber, wie die Berechnung ergibt, nur 210 Jahre, und beginnen, wie durch die Erläuterung ausgeführt wird, die besagten 400 Jahre bereits mit Jizchak, dem Sohne Abraham's. — Ferner heißt es im 10.

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