Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 43 (2.6.1898)
- Date
- 1898-06-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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804 Aus Stabt und Land. Dettingen (Schwaben), }V0 m Mai. . xtojnsp “dxb> nrcD^ rb ixi ijtud “dxp D^yb b *ix „Wehe der Gemeinde, die ihren Führer verloren, Wehe dem Schiffe, das seinen Steuermann verloren." Diese Worte unserer Weisen, die im Gemeindeleben nur allzuoft ihre Bestätigung finden, traten mir unwillkürlich in ihrem hohen Ernste vor die Seele, als ich die Mittheilung von dem plötzlichen Tode des Lehrers F. Strauß dahier, erhielt. So hat denn wieder einer der hochachtbarsten und doch so still bescheidenen Schulmänner, ein edler religiössittlicher Mann, eine Zierde seines Standes, sein treues Auge geschloffen. Ja, am 27. April *i«x *n, hat die kalte Hand des Todes einen schönen Lebenskranz zerriffen, ein treues Lehrerherz zum Stillstand gebracht. Einen treuen Gatten und liebevollen Vater, einen braven Kollegen und fleißigen, gewissenhaften Lehrer hat der Tod von hinnen genommen und nichts weiter von ihm zurückgelaffen als die Erinnerung, die in den Herzen seiner tieftrauernden Hinterbliebenen sowie seiner dankbaren Gemeindemitglieder fortleben wird. So dürfte es denn angebracht sein, dem Dahingeschiedenen eine Palme der Erinnerung zu weihen, ihm einen Ehrenkranz auf's Grab zu legen. Feist Strauß war der Sohn des rühmlichst bekannten Lehrers Wolf Strauß aus Kleinheubach, wo er im Jahre 1834 das Licht der Welt erblickte. Klein und bescheiden, wie die Räume des elterlichen Hauses, waren die Verhältnisse, unter denen der kleine Feist seine ersten Jugendjahre verlebte. Sehr frühzeitig offenbarte der Knabe eine hervorragende geistige Begabung und mit Freuden auf den Lieblingswunsch des Vaters eingehend, wurde F. Strauß Schullehrling und bezog mit einer gediegenen Vorbildung, nicht blos im profanen, sondern namentlich auch im talmudischen Wissensgebiete, ausgerüstet das Schullehrerseminar in Würzburg. F. Strauß studierte mit anhaltendem Fleiße und absolvierte im Jahre 1854 die genannte Anstalt mit sehr günstigem Erfolge. Die ersten Felder seiner Wirksamkeit waren Privatstellen in Eltville und Gedern und die Volksschulstelle in Obermoschel (Pfalz), woselbst er überall, ganz allein seinem Berufe sich hingebend, mit der ihm eigenen, zähen Ausdauer und Willenskraft an seiner Fortbildung arbeitete und eine solche Tätigkeit in seiner Schule entfaltete, daß sein Ruf weit über den Kreis hinausdrang, in welchem er zunächst Segen und Liebe verbreitete. Als im Jahre 1868 die Lehrer- und Cantorstelle dahier in Oettingen in Erledigung gekommen war, wurde ihm dieselbe einstimmig übertragen. Da jedoch in die Zeit seines Aufenthaltes in Obermoschel seine Verehelichung mit der Lehrerstochter Sophie Schwab aus Westheim (Unterfranken) fällt, so möge hier, ehe wir seinen weiteren Lebenslauf in Oettingen verfolgen, gleich etwas über das häusliche Leben des Dahingeschiedenen gesagt werden. Geziert mit den schönsten Tugenden der Häuslichkeit, Sparsamkeit, Fleiß und Umsicht, fand die Gattin, die in des Wortes umfassendsten Sinne eine ntrx ist, ihr Glück nur im stillen Frieden des Hauses, im bescheidenen Familienleben und in der treuen Sorge um ihren Gatten und ihre Kinder. Die Erziehung seiner Kinder war dem sel. Entschlafenen neben Schule und Privatstudien eine Hauptlebensaufgabe. Strauß war das Muster eines Erziehers. Mit seiner Strenge verband er eine aufrichtige Liebe, ein herzliches Wohlwollen, eine treue Fürsorge für Frau und Kinder, von denen ein noch lediger Sohn und drei verheirathete Töchter in glücklichen Verhältnissen leben. Was soll ich nach dem bisher Gesagten noch viel von seiner segensreichen Wirksamkeit in Oettingen sprechen? F. Strauß war ein Charakter im vollsten Sinne des Wortes, ein ganzer Mann, ein Lehrer wie er sein soll, darum auch allseitig geachtet und geliebt. Wie bisher, lebte er bis zum Ende seines Daseins mit voller Hingabe seinem Berufe, den er in seiner ganzen Tragweite und hohen Bedeutung erkannte und erfaßte. Er war stolz ein Lehrer zu sein. Auf eine musterhafte Ordnung, Ruhe und Anstand hielt er mit unerbittlicher Strenge bei seinen Schülern und besaß dabei deren höchste Liebe und Verehrung. Doch, was ich hier ganz besonders hervorheben möchte, ist, daß F. Strauß ein Vorbild für echte Gottesfurcht wvry nx*r war. Sein Thun und Lassen war immer von den edelsten, wohlmeinendsten und besten Absichten geleitet, sein Wandel war sittlich, rein und fleckenlos. Wie kindlich, faßlich und anschaulich konnte S. im Religionsunterrichte erzählen! Diese Unterrichtsstunden waren nicht, wie in vielen Schulen, den Kindern eine Plage, sondern eine Erbauungsftunde, ein Kindergottesdienst, ein onwn “prn. In gleicher Weise war er ein Meister in der Abhaltung der religiösen Vorträge in den hier bestehenden Jircn. In atemloser Spannung lauschte Alles seinen geistvollen Auslegungen des Midrasch und des 7:11, welch letzteres er in 30 jähriger Thätigkeit in der Gemeinde Oettingen einige Male durchwanderte. Es waren bv owTiDn n-cn „Worte, die den Eingang ins Herz fanden." Die Liebe und Verehrung, die ihm von Seiten seiner Gemeinde, Schüler, seiner Vorgesetzten und Kollegen entgegengebracht wurde, fanden ihren beredesten Ausdruck gelegentlich seines 25 jährigen Dienstjubiläums im Jahre 1893, an welchem Tage