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Der Israelit · 1898-06-02 · Heft 43 (2.6.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 43 (2.6.1898)
Date
1898-06-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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&IIIX. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 43 -es »Israelit". Räder und Sommerfrischen. Aus der westlichen Overpfalz. Für den orthod. Jehudi ist es sehr schwierig, aus der großen Zahl der angepriesenen Sommerfrischen ein geeignetes Plätzchen herauszufinden, wohin er sich mit Kind und Kegel zu begeben vermag, p» iro lebend, entfernt vom Jubel und Trubel der Stadt, nicht gebunden an die Etiquette und Eleganz der modernen Badeorte und doch durch gute Luft, anmuthige Wälder, Berge und Spaziergänge imstande, den angestrengten Nerven neue Spannkraft zu verleihen und in dem übermüdeten Organismus erneute Lust zur emsiger Berufsarbeit zu erzeugen. Einen solchen Ort recht angelegentlich zum Besuche zu empfehlen, soll der Zweck dieser Zeilen sein. Hast Du schon einmal, freundliche Leserin, geehrter Leser, von der „steinreichen" Oberpfalz, dem mit Unrecht verschrieenen Aschenbrödel der acht bayerischen Kreise, etwas vernommen, jener Gegend, die allerdings kein 7121 p« »an abn ist, wo der Bauer alturwüchsigen Schlages noch mit der ledernen Kniehose, den weißen, selbstgestrickten Wadenstrümpfen und den großen silbernen Westenknöpfen einherstolzirt und die Kartoffelpflanze an Stelle des Weinstockes üppig gedeiht? Nein? Und doch kennt man rrya dortselbst das „Rischus" nur dem Namen nach, und der Jehudi erfreut sich höchster Achtung und allgemeiner Beliebtheit, ein Vorzug, der diesen weniger fruchtbaren, aber durch den Segen der Toleranz und Humanität beglückten Landstrich weit über andere emporhebt, deren Boden köstlichere Früchte zeitigt. Aber auch an Naturschönheiten besteht keine Armuth, und durch solche besonders ausgezeichnet, ist der Marktflecken Sulzbürg, Eisenbahnstation, ab Nürnberg in zwei Stunden erreichbar, auf einem Bergkegel der Juraausläufer gelagert, romantisch im weitesten Sinne, umgeben von ausgedehnten Nadel- und Laubforsten, mit prachtvollen Aussichtspunkten geschmückt, von ca. 70 Dörfern umgeben, idyllisch und anmuthig wie nicht leicht ein anderer Ort der weiten Runde. Was speziell für Ihr gesch. Blatt von Jntereffe sein wird, ist zunächst die jüd. Gemeinde Sulzbürg, deren Geschichte bedeutungsvoll, deren Anfänge bis zum 16. Jahrhunderte zurückoatiren und mit der Schutzpatronatsherrschaft des Grafen zu Wolfstein zusammenhängt, ebenso auch mit dem vm aus Regensburg. Indem ich mir Vorbehalte, hierüber ein andermal ausführlich zu berichten, will ich heute konstatiren, daß in Sulzbürg für streng rituelle Kost nicht nur, sondern auch für gute Kost ausreichend gesorgt ist. Die Schechita- und alle anderen so wichtigen religiösen Institutionen unterstehen der Aufsicht des dortselbst amtirenden Herrn Rabb. Dr. Weinberg und ermöglichen den Aufenthalt für jeden n kt unbedenklich. Diese, durch den dortigen Verschönerungsverein, dem Fremdenkehr erst seit kurzer Zeit erschlossene Perle der Oberpfalz wird bald als Luftkurort ersten Ranges zur Berühmtheit gelangen, weßhalb nicht verfehlt werden darf, auch an dieser Stelle den gesch. Leserkreis Ihres weitverbreiteten Blattes für jenes reizende Fleckchen vpnp nVina aufmerksam zu machen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. V. Berlin. Wie bekannt, ist es heute einer jüdischen Gemeinde in Preußen fast völlig unmöglich, für einen aus dem Auslande stammenden nicht naturalisirten Kultusbeamten die vom Gesetz erforderte Bestätigung der Regierung zu erhalten, und über denen, welche bereits im Amte sich befinden, schwebt beständig das Damoklesschwert der Ausweisung. So wird von verschiedenen Setten gemeldet, daß kürzlich der Kantor Lichtenstein in Posen als Ausländer ausgewiesen sei, doch soll der Minister des Innern noch in letzter Stunde diese Maßregel Wirt haben, so daß L. vorläufig im Amte bleibt. Was aber das Traurigste an der Sache ist, die Ausweisung soll infolge der Denunziation eines „deutschen Kollegen" erfolgt sein. Sollte das auf Wahrheit beruhen, so wäre kein Ausdruck der Verachtung stark genug, um ein solches Bubenstück zu brandmarken. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. R. Wien. (Ein halbes Jahrhundert.) In nicht allzuferner Zeit steht den Völkern Oesterreichs ein bedeutungsvolles Ereigniß bevor. Am 2. Dezember dieser Jahres nämlich werden es 50 Jahre, daß Kaiser Franz Josef den österreichischen Thron bestiegen hat, ein Regierungszeitraum, wie er keinem Habsburger zuvor und überhaupt wenigen Herrschern bisher beschieden war. Von den Wandlungen im politischen Leben, die sich während jenes halben Säculums vollzogen haben, blieben die österreichischen Juden am wenigsten unberührt. Die vor dreißig Jahren ins Leben gerufene Verfaffung sollte auch für sie eine Erlösung aus dem mehrhundertjährigen

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