Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 74 (20.9.1898)
- Date
- 1898-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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LXLLX. Jahrgang. Keilage M JU 74 -es JtetneHt“. Zeitungsnachrichten und Correspondeir;en Deutschland. '< Berlin. In der Katholikenversaminlung zu Krefeld halte Weihbischof Schmitz, erzählt, daß von den sieben Millionen, die der Peterspfennig jährlich einbringe, drei Millionen an einer Stelle gesichert seien, während der Nest von den schwankenden Beiträgen der einzelnen Katholiken abhänge. Diese Mittheilung gibt nun einem antisemitischen Organ „Volksfrühling", herausgegeben von dem deutsch-nationalen Jugendbund in Dortmund, Veranlaffung zu folgenden Ausführungen: „Wie wir annehmen, ist die ungenannte Stelle, (von welcher dem Papste jährlich drei Millionen Lire zur Verfügung stehen), das Haus Rothschild in Paris. Daß die rothe Internationale unter dem Oberkommando der goldenen Internationale steht, war uns längst bekannt. Daß auch hinter der Leitung der schwarzen Internationale das Oberkommando der Alliance Jsraelite auftaucht, registriren wir heute mit großem Interesse." Mit allem Rechte entgegnet die „Germania", daß offenbar der blindwüthige Haß gegen das Judenthum die Geisteskraft dieses fchriftstellernden Jungdeutschland arg getrübt haben müsse, sonst würde dieses Organ nicht den Gipfelpunkt alles tlnsinns erklommen haben. Aber die „Germania" kann auch mit sich in's Gericht gehen. Hat nicht der Katholizismus seit zwei Jahrzehnten in immer wiederholten Angriffen gegen das Judenthum alles dazu gethan, um den Boden zu bereiten, auf dem solch „blind wüthiger Haß gegen das Judenthum" gedeihen kann.? Berlin. In den freiheitlich antisemitischen Partei kracht es wieder einmal. Diese Fraktion der Judenbetzer hat schon mancherlei Verwandlungen durchgemacht, denn sie begann 1894 mit dem Triumvirat Ahlwardt, Böckel, Mosch, denen als Kapitalkraft der Kneipier Bodek sich anschloß. Nach einigen Monaten gab es einen Krach, die Zeitung des Triumvirats das deutsche Volksrecht, ging unter Hinterlassung großer Schulden ein, Ahlwardt verschwand nach Amerika, Böckel zog sich überhaupt zurück und nur Mosch blieb übrig. Dieser verlegte seinen Sitz nach Hamburg und gründete dort den Germanischen Volksbund. Als der Verein seine Mitglieder nach Hunderten zu zählen begann, verlegte Mosch den Schauplatz seiner Wirksamkeit nach Berlin und hier glückte es ihm in Prof. Förster einen neuen Helfer zu gewinnen, der gleich ih:n vom Verein bezahlt wurde. Mit großem Eifer, aber mit noch größeren Phrasen ging man an die Wahlarbeiten, aber der Ausfall dieser Wahlen brachte eine herbe Enttäuschung. Prof. Förster verlor das sichere Mandat in Neustettin, Mosch vermochte es in keinem Wahlkreis auf eine nennenswerthe Zahl von Stimmen zu bringen. Diesem Mißerfolg folgt nun die Revolution in den Reihen der „freiheitlichen Antisemiten." Der Germanische Volksbund hat sich aufgelöst, Mosch klagt gegen sechs Vorstandsmitglieder desselben wegen Verleumdung und ist gemeinsam mit Prof. Förster bemüht einen neuen Verein zu schaffen. Bisher scheinen aber die Herren keinen Erfolg damit zu haben. Auch Ahlwardt hat Grund unzufrieden zu sein, denn seine Reden tragen ihm jetzt sehr wenig ein, da das Publikum seine Lust an ihm befriedigt hat, mit seinen Geschäften hat er aber ebensowenig Glück, denn das letzte derselben ist kürzlich geschloffen worden, nachdem eine Pfändung resultatlos verlaufen ist. Vielleicht reist Ahlwardt wieder nach Amerika, oder er beglückt diesmal Kiau Tschau mit seinen Hetzereien, oder erleben wir es am Ende gar noch, daß das „M. d. R." seine trüben Erfahrungen mit den Antisemiten schriftlich niederlegt und diese dann für theures Geld an einen jüdischen Verleger verkauft! Alles schon dagewesen. U. Hamburg. Der Verein zur Unterstützung dürftiger Familien an Sabbat- und Festtagen beging vor einigen Tagen unter großer Betheiligung seiner Mitglieder und Freunde das 50jährige Stiftungsfest. Die Feier, die in der Aula der Israelitischen Töchterschule stattfand, wurde durch ein Präludium und Chorgesang eingeleilet. Der Gründer und jetzige Präses des Vereins, Herr E. Calmann, warf in seiner Begrüßungsrede einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung und Thätigkeit des Vereins, der im Jahre 4848, als eine Epidemie in unserer Stadt herrschte, gegründet wurde, nicht um Unterstützung an Geld zu gewähren, sondern dafür Sorge zu tragen, daß die Armen und Bedürftigen an den Festtagen mit kräftigen Nahrungsmitteln versorgt würden. In der eigentlichen Festrede erörterte Herr Oberrabbiner M. Hirsch die Bedeutung der gemeinsamen Wohlthätigkeit. Redner wies darauf hin, daß auf dem Gebiete des Untersiützungswefens nur dann Ersprießliches geschehen könne, wenn die einzelnen Glieder sich ju einem Ganzen, das heißt zu einem Verein verbänden, um gemeinsam helfend einzugreifen. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Dr. S. P. Nathan und dem Vortrag einiger Psalmen wurde die Feier geschlossen. Zur Feier des Jubiläums wurden 00 bedürftigen Familien Anweisungen aus Fleisch, Mehl und sonstige Lebensmittel übergeben. Am Morgen hatten sich die Vorstandsmitglieder im Hause des Herrn E. Calmann eingefunden. Nach Ueberreichung einer Blumcnspcnde