Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Orthodoxe WuderrthumÄ r^&}<asm -EM AWWM f ■ V'< .ÄW ■;••'■ .12 WiiiliiifafD / ( AR l f r e b. Eine wahre Geschichte von M. Palm.*) &*- Schimpfnamen klangen Nachmittags nach Schulschluß durch die schwach belebte Hauptstraße des Städtchens. Eine Horde wilder Buben schoß pfeilschnell hinter einem schmächtigen, etwa Zwölfjährigen her. Letzterer raste wie gehetzt, mit den Zeichen höchster Angst in die nächste, etwas abschüssige Seitengaffe. Als seine Verfolger ebenfalls um die Ecke bogen, da war von Alfred Cahn nichts mehr zu sehen. Der schwarzhaarige Judenknabe mit den träumerischen braunen Augen schien vom Erboden verschwunden zu sein. „Haha! — der feige Jude, er hält sich versteckt, wagt nicht, hervorzukommen. Das sieht ihm ähnlich. -Heraus, Du feige Memme Du!" Solche und noch viel schlimmere Schmähreden stießen die aufgeregten Bengel aus. Dabei musterten sie jedes der windschiefen, ärmlichen Häuschen, die wie aneinander geklebt in der engen Gaffe standen, von oben bis unten. „Hier in dieses ist er geflüchtet!" rief Georg, der Anführer der frechen Knaben, und deutete mit dem Stecken, den er vom nächsten Heckenzaun geriffen, nach dem zweitletzten Hause der Gaffe. „Nein, in jenes!" schrie ein anderer. „Ich hab's! Dort, hinter der halb angelehnten Hausthür sitzt er!" *) Es wird unsere Leser besonders interessiren, zu erfahren, daß die obige Erzählung aus nichtjüdischer Feder stammt. Red. d. JSr. Mit zwei Sprüngen hatte der zuletzt Redende jene Thür erreicht und stieß sie frohlockend und schadenfroh auf. Er spähte in die dämmrige Nische, aber der Gesuchte war nicht zu sehen. Enttäuscht und zornig sprang er die beiden Steinstufen, die zu jenem Hausflur führten, wieder hinab. „Wo der Kerl nur geblieben ist?" grollte er mit Zähneknirschen. „Wartet nur", tröstete Georg, „geschenkt wird ihm die Lektion nicht. Das Klatschen wollen wir ihm ein für allemal verleiden. Nicht umsonst mußten wir seinethalben nachsitzen in der Schule —" „Still — still doch! da kommt er", unterbrach ein anderer halb flüsternd. Er zeigte nach dem nächsten Hause. Dort wurde die Thüre vorsichtig, sachte von innen geöffnet. Es schien, als ob der Dahintersteckende es nicht wage, sich sehen zu laffen. Keiner der Lauschenden rührte sich. Mit ver haltenem Athem schauten sie gespannt nach der sich langsam erweiternden Spalte. Aber welche unliebsame Ueberraschung! Statt des heißersehnten Feindes schlurfte ein steinaltes, greises Mütterchen daher. Das erschrack nicht wenig, über den Anblick der drohenden Knabenschaar. „Was, wen sucht ihr hier, Kinderchen?" redete sie jene an. „Alfred, den Juden, der uns beim Lehrer verklatscht hat. Keile soll er dafür haben," erklärte