Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1898)
- Date
- 1898-05-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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746 Man fragt sich, wie unter solchen Ilmständen wohl die religiösen Institutionen in der Gemeinde bestellt sein können. Die Antwort wird nicht auffallen. Außer den philantropischen Anstalten und einem dürftigen Religionsunterricht in einigen öffentlichen (christlichen) Elementarschulen und im Gemeindehause ist alles Nichts und Tand. Kein höherer Religionsunterricht, keine religiöse Vereinigungen, kein Zusammenhang unter den Glaubensgenossen, kein Anschluß der Gemeindemitglieder unter einander, kein Gemeindeleben. Das sind die traurigen Verhältniffe der reichen Gemeinde Brüssels. Das jüngere Geschlecht wächst in Unkenntniß der Religion auf, lebt ausschließlich in christlicher Gesellschaft, verwächst mit ihr und löst sich mit ihr auf. Das Nivelliren in. religiösen Angelegenheiten ist bereits ein überwundener Standpunkt; das Assimiliren mit der Umgebung ist das Streben, nicht nur der Jungen, sondern auch der Alten, und dieses geschieht mit Aufgeben alles spezifisch Jüdischen. Die christliche Gesellschaft ist noch zurückhaltend, sonst wäre eine vollständige Verschmelzung bereits vor sich gegangen. In dieser Beziehung hat der Antisemitismus, so häßlich und ungerecht er auch ist, noch etwas Gutes. Die. Juden wollen aufgehen, die Christen schließen sich ab. Wie ist zu helfen? Die Lösung dieser schwierigen Frage möge der Gegenstand eines zweiten Artikels sein D a v i d s o h n. Amerika.? New-Uork. Der hohe Seeoffizier, der die Affaire der „Maine" des Kriegsschiffes, das vor Havanna in die Luft flog, zu untersuchen halte, Commodore Marix ist ein Jude. Er hat seinerzeit die Marineakademie besucht und gilt als einer der tüchtigsten Offiziere der Flotte. — Die hiesigen Zeitungen behandeln wieder einmal lebhaft das Thema des Antisemitismus und erfreulicherweise nehmen besonders die christlich-religiösen Zeitschriften, sowohl die evangelischen, wie die katholischen energisch Stellung gegen die Judenhetze. — Die große jüdische Freibibliothek, die Aguilar Free-Library, hat nicht weniger als 450,545 Bände in ihren vier Lokalen. Freilich ist sie auch in der Lage, jährlich ca. 100,000 Mark auszugeben. Wo finden wir in Deutschland etwas ähnliches? Brasilien.? San Francisco. In unserer Stadt ist eine ziemlich große Zahl von Juden, von denen freilich nur ein Bruchtheil den jüdischen Gemeinden angehört, während eine große Zahl ganz indifferent dem Judenthum gegenüber ist. Die Gemeinden zählen nur ca. 1000 Familien und ihre Synagogen nur 4000 Sitze. Dagegen läßt sich aus der Zahl der Todesfälle berechnen, daß die Juden in San Francisco sich auf ca. 14,000 Seelen belaufen müssen. Afrika.? Algier. Auch der Bruder des inhaftirten Max Regitz, Louis mit Vornamen, der an die Stelle seines Bruders in seiner Judenhetze getreten war, ist jetzt angeklagt worden wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten. Er ist auch am 4. Mai in Melianah verhaftet morden, als er dort in Begleitung des Candidaten Marchall Judenhetze trieb. Allein schon am 6. Mai ist er gegen Erlegung einer Caution von 2000 Frcs. auf freien Fuß gesetzt worden. Inzwischen dauern die Wahlkrawalle hier fort, in Djidjelli und in Duzerville sind arge Exzeffe vorgekommen, bei denen mehrere Personen verletzt worden sind. Drumont rühint sich nicht mit Unrecht, daß er Herr in Algier sei und wenn etwa ein Minister nach der Kolonie kommen wolle, es ganz in seiner Hand liege, ob er ihn landen laste wolle, oder nicht. Der Generalgouverneur kann nicht mehr thun, als die Ordnung nothdürftig aufrecht erhalten und schon hierzu reicht die Polizei nur mit Hille des gesammten Militärs aus. Aber gegen den Boykott und die fortgesetzten Aufstachelungen der niedrigsten Instinkte ist er ganz wehrlos. Ein großes Unglück würde es für uns Juden bedeuten, wenn der Plan einiger französischer Politiker zur Ausführung käme, der Kolonie Selbstverwaltung mit eigenen Kammern zu gewähren. Wir Juden müßten die Zeche bezahlen, denn frei von der Centrale durch die französische Regierung würden sich alle Parteien auf die Juden stürzen. Briefkasten der Expedition. S. G. in T.: M. 20.— dankend erhalten. Friedrichstadt a. Eider (Schleswigs 8. Mai. Herr Oberrabbiner Dr. Lerner '"j in Altona hielt heute in unserer Geiueinde eine Schlußprüfung ab. Die hiesige Religionsschule befindet sich in musterhaftem Zustande und sprach der Herr Oberrabbiner seine volle Zufriedenheit über Fleiß und Leistungen der Schüler aus. Ein hoher Genuß wurde uns zu Thcil, als unser hochgeehrter Oberrabbiner '"2 nach der Prüfung im Gotteshause eine sehr geistreiche, eirca eine Stunde bauernde Predigt hielt, die großen Beifall bei der ganzen Geiueinde hatte. Herr Dr. Leruer ’"J gewann sich hier alle Herzen; mögen die wohlwollenden Ermahnungen bei jedem Mitgliede unserer Gemeinde ihre gute Wirkung nicht versagen. Für den Schulvorstand: Emanuel Wolfs. 8oo1baä Harzburg, Park-Haus. Etablissement I. Ranges mit. Aufsicht Sr. Ehiw. de? Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt. Jed. Samstag Gottesdienst i Hanse . . . Pension von M. 6.5V an. . - — M Hecht. 2316)