Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1898)
- Date
- 1898-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448895--46029-2496408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXIX. Jahrgang. M 40 Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodore Zudenlhum. Begründet von Dr gemummt in Wtstnr montan, t>cn 2 3. Mai 5658 (1898). «b Eine Mnvlr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat •4 Juni *4 auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter de» Wohnorte» de» Besteller» oder bei dem betreffenden Landbrtefträger aufgegeben werden. Me GrpMIron des „Israelit". Leitender Artikel. Wie man „Mectiv" Grschlchte schreibt. Von Prof. Dr. A. Sulzbach. Unter dem Titel „Am Ende des Jahrhunderts" wird von der Verlagsbuchhandlung Siegfr. Cronbach in Berlin eine Reihe von Schriften herausgcgeben, die in „gemeinfaßlicher Form und in großen Zügen dem großen Publikum vor Augen führen sollen, was jedes Gebiet menschlichen Wirkens während des demnächst zu Ende gehenden Jahrhunderts für das Ganze geleistet hat." Als dritter Band dieser Bücherreihe liegt vor uns „Juden und Judenthum" von Dr. S. Bernfeld, du Buch, das von der Kritik nicht unberücksichtigt bleiben darf. In diesem Buche will der Verfasser „ein Gesammtbild der Geschichte der Juden und der Entwickelung des Judenthums in Deutschland während des neunzehnten Jahrhunderts bieten." Daß eine solche Geschichte sich nicht ängstlich innerhalb der angedeuteten geographischen Grenzen halten kann, daß auch hier und da über diese Grenzen hinausgegangen werden muß, liegt, namentlich wo es sich um die Kulturgeschichte der Juden handelt, auf der Hand; ebenso ist es klar, daß der verhältnißmäßig gering bemessene Raum (das Buch zählt 167 Seiten) keine ausführliche Darstellung gestattet, daß eine große Anzahl von Ereignissen und Persönlichkeiten übergangen werden mußte. Von ersteren waren nur zumeist die entscheidenden, von letzteren die im Vordertreffen stehenden, richtunggebenden zu erwähnen. Die Begebenheiten, so versichert der Verfasser, hat er objektiv erzählt, womit nicht gesagt sein soll, daß die Ereignisse nicht „durch die allerdings subjective Anschauung des Erzählers Kolorit" erhalten hätten. Es ist auch nichts anderes von einem Geschichtserzähler zu erwarten. Im strengsten Sinne objektiv kann nur ein Regestensammler schreiben, sonst giebt es keine objcctive Geschichtsschreibung im engsten Sinne des Worts. Wäre eine solche möglich, so wäre sie unnöthig, die subjektive Färbung eines Geschichtswerk ist noch keine tendenziöse, tendenziös wird sie erst, wenn zu Gunsten der eigenen Meinung, Wichtiges überschlagen. Unwichtiges in den Vordergrund gedrängt wird, wenn Thatsachen gefälscht werden oder den handelnden Personen gewaltsam Motive unterschoben werden, die eine nach Verhältnissen und Umständen unbefangen gegebene Beurtheilung nicht zulassen kann. Dieser Neigung, soviel wie möglich objektiv zu bleiben, ist es wohl auch zuzuschreiben, daß bei Vorführung von Ansichten über Entwickelung des Judeuthums, der Verfasser „nur in den seltensten Fällen sich dazu entschließen konnte, seinen abweichenden Standpunkt in Fußnoten zu erläutern." So hat sich der Vers, denn bemüht, „unbeschadet seiner persönlichen Stellung zu allen das Judenthum betreffenden Fragen, die Vergangenheit frei von jeder Voreingenommenheit zu schildern." Ob dem Verfasser dieses gelungen, dies wollen wir zu untersuchen uns jetzt erlauben.