Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 39 (18.5.1898)
- Date
- 1898-05-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448894--46016-2496394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXIX. Jahrgang. Erste Beilage )u M 39 »es „Israelit". Leitender Artikel. Die MW des Wicke«. tanien MapU) Zur Verhütung und Limlernng von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jiid. SpeLegesetze. >'ou Dr. P. Münz, pract. Arzt. Nürnberg-. Ein Blick auf die hygienischen Verhältnisse der Juden lehrt, dass die Bekenner der mosaischen Religion ein grosses (kontingent von Magenkranken stellen. Ja, es scheint fast, dass unter den Juden eine gewisse Disposition zu diesen Erkrankungen bestellt, eine in vielen Fällen nicht verkennbare Familienanlage hervortritt. Wer je Gelegenheit gehabt hat, eine Wanderung durch die Badeplätze zu machen, an welchen Magenkranke Heilung ihres Leidens suchen, dem wird die grosse Anzahl der dort weilenden jüdischen Kurgäste nicht entgangen sein. Welches sind wohl die Ursachen für diese auffallende Erscheinung? Die Ursachen dürften vor Allem in folgenden zwei Momenten zu suchen sein. Die Juden sind, infolge der im Mittelalter eingetretenen und viele Jahrhunderte hindurch dauernden Ausschliessung von jedem anderen Beruf, zum weitaus grössten Theil mit ihrem Nahrungserwerb auf Handel und Geschäft angewiesen. Das Geschäft, das von der Konjunktur abhängt und so keine feste Sicherheit für die Zukunft bietet, bringt aber seiner Natur gemäss mehr Sorgen mit sich, hält den Geist mehr in Spannung und Aufregung als ein anderer Beruf. Dazu kommt noch, dass bei den Juden, die doch bekanntlich mit einem sehr regen Familiensinn geschmückt sind. das Streben und Trachten, das Glück ihrer Familie zu begründen, die Sorge um die Zukunft für Weib und Kind besonders intensiv auftritt. So ruft bei ihnen der Kampf um das Dasein, der ihnen durch die judenfeindliche Bewegung heutzutage noch mehr erschwert wird, das ewige Hasten und Jagen auf dem Markte des Lebens eine fast dauernde Spannung des Geistes hervor. Eine solche fast *) Gemäss Abkommen mit dem Herrn Verfasser, erscheint diese Arbeit auch in Buchform und zwar als „Handbuch der Ernährung für Magenkranke“ mit lies. Berücks. d. jiid. Speiseges. Es werden schon jezt Bestellungen anf dasselbe zu einem einstweilen ermäßigten Preise, der später mitgetheilt wird, entgegengenommen. Verlag des Israelit. unausgesetzt innere Spannung und Erregung ist aber geeignet, Nervosität hervorzurufen und im Gefolge derselben die Thätigkeit des Magens, bei dem die Wirkling der Nervosität zuerst und zunächst zu Tage tritt, schädlich zu beeinflussen. Es ist ja wissenschaftlich festgestellt, dass der Magen von einem weitverzweigten Nervennetz durchzogen ist und so sehr unter dem Einflüsse der Nerven stellt, dass eine Schädigung derselben auch eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der Magenfunktion nach sich zieht. Es tritt aber noch ein zweites nicht unwesentliches Moment hinzu, dass in vielen Fällen die Gelegenheitsursaclie für Magenerkrankungen unter den Juden abgiebt. Das geschäftliche Leben der Juden ist gar oft mit einer Thätigkeit verbunden, welche eine grosse Unregelmässigkeit in der Lebensweise bedingt. Im Laufe der Woche kommen gar viele selten dazu, sich für ihre Mahlzeiten die richtige Zeit zu gönnen; sie nehmen die Mahlzeiten ein, wann und wie sie eben können, das eine Mal früher, das andere Mal später, das eine Mal mehr, das andere Mal weniger, sie gemessen die Speisen, bald warm, bald kalt, ohne sie recht zu kauen. Kaum ist die Mahlzeit beendet, so beginnt wieder die rege Thätigkeit. welche naturgemäss eine richtige Verdauung der eingenommenen Speisen hintanhält. Ueberdies bringt es das religiöse Leben der Juden mit sieb, dass zu gewissen Zeiten leicht, wenn man nieht genügend in Speise und Trank achtsam und behutsam ist. Diätfehler gemacht werden können und auch gemacht werden. Am Sabbat und an den Feiertagen, an denen eine reich geschmückt«* Tafel zu den religiösen Gebräuchen gehört, geniesst der Jude nicht selten schwei-verdauliche Speisen und dazu in grösserer Menge, während er gar oft an den Werktagen, wo er draussen auf dem Markte angestrengt tliätig ist, nur ungenügende und ungeeignete Nahrung zu sieh nimmt. Vor und nach einem Festtag wird gewöhnlich mehr als der Gesundheit zuträglich ist, dem Mayen einverleiht. Wie mancher gesetzestreue Jude muss nicht überdies, wenn eifern von seinem Heim auf der geschäftlichen Reise weilt und sieh ihm keine Gelegenheit bietet, rituell speisen zu können, für längere Zeit auf eine geniiyende und zweckentsprechende Ernährung überhaupt verzichten! Solche periodisch sieh wiederholenden Diätfehler. als deren (Juelle eine irrationelle, vernunftwidrige Lebensweise zu bezeichnen ist,