Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 39 (18.5.1898)
- Date
- 1898-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*XXIX. Jahrgang. Jfö && Ein Der Israelit Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begriindct von Dr. ITrijmanu in ntainj. Mittwoch, de« 18. Mai 5658 (1898), «üt Eine Mrrvlr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat Juni auf den „Israelit0. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Poft-ZeitungSfchalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Erpedttion des „Israelit". Leitender Artikel. Die Emanzipation der Juden in Hessen. „Ium Süjührigen Jubiläum eines Abtes -er Gerechtigkeit und Humanität." Historisch dargestellt von I. Lebermann, D a r m st a d t. (Schluß). Wir müssen es uns im Rahmen dieser Abhandlung versagen, angesichts der immerhin erfreulichen Entscheidung auf den Verlauf der hochinteressanten Berathung ausführlich einzugehen. Jedoch verdienen es insbesondere die Abgeordneten Otto, Dr. Seitz, Graf Lehrbach, Glaubrecht und Kilian, welche für völlige Emancipation der Juden warm eintraten, hervorgehoben zu werden. Gehässige Reden oder Aeußerungen, wie sie noch vor 11 Jahren in der Kammer gefallen waren, wurden jetzt von keiner Seite mehr gehört. So hatte sich der Geist der Zeiten geändert. U. A. führte der Abgeordnete Dr. Seitz aus: „Ich habe als Richter vielfach Gelegenheit gehabt, die Juden in ihrem ganzen bürgerlichen Schaffen und Wirken, Dichten und Trachten neben den Christen zu beobachten und habe gesunden, daß die Juden im allgemeinen sittlich, mäßig, nüchtern, arbeitsam und thätig von früh bis spät, dabei sparsam sind, daß Trunkenbolde und ausschweifende Menschen bei ihnen zu den Ausnahmen gehören, daß in ihren Eben Frieden herrscht und im Schooße ihrer Familien jene brutalen Mißhandlungen, wie wir sie in den unteren christlichen Volksklaffen so häufig antreffen, höchst selten Vorkommen. Man hat gesagt, die Juden arbeiteten nicht im Taglohn. Ich frage aber, welcher Christ nimmt einen Juden zum Knecht oder eine Jüdin zur Magd? Wer will einen jüdischen Taglöhner haben? Wie lange ist es, daß die evangel. theol. Fakulät einer deutschen Universität auf die Frage, ob Christinnen, unbeschadet ihres Gewissens, an den jüdischen Sabbaten und Festtagen den Juden häusliche Dienste leisten könnten, das Gutachten gab: Es heiße die christliche Religion prostituiren, es heiße die Christen bei den Andersgläubigen lächerlich machen, wenn sie durch Leistung solcher Sabbatdienste den jüdischen Aberglauben (!) zu begünstigen schienen!" Der Abg. Glaubrecht von Mainz bezieht sich in seiner Rede auf eine Adresse der badische« Rabbiner an den Landtag im Jahre 1845 und citirt au» derselben folgende Stelle: „Der Talmud, das Werk, welches am meisten Anfechtung zu erfahren hat, als beruhten feine Vorschriften nicht auf reiner sittlicher Grundlage, stellt für alle Vorhältniffe, welche die Staatsgewalt rechtlich zu entscheiden hat, den Grundsatz auf: „Staatsgewalt ist unverletzliches Recht!" Auf drei Pfeilern ruht nach der Lehre des Talmud die Welt, auf Recht, Wahrheit und Liebe. Die irdische Regierung ist ihm ein Ausfluß der himmlischen, göttlichen. — Den göttlichen Namen zu heiligen, ist