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Der Israelit · 1898-05-09 · Heft 36 (9.5.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 36 (9.5.1898)
Date
1898-05-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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673 ■'"!?;■■'T-sJt.-'M'ff'!1.« S,"T! Landtage vorzulegen, wonach die Glaubengenossen mosaischer Religion in allen bürgerlichen Verhältnissen den Glaubensgenossen christlicher Religion gleichgestellt werden, wenn sich dieselben im Besitz des Staats¬ und Ortsbürgerrechts befinden, so daß dadurch der §. 18 der Verfassung — wonach alle Hessen vor dem Gesetz gleich sind — immer mehr verwirklicht werden soll. Man sieht also, eine völlige Emancipation wurde zur Zeit auch von dem sonst sehr liberal gesinnten Abgeordneten nicht befürwortet. *) Der Antrag Schenk scheint jedoch im 2. Ausschuß, welchem er überwiesen wurde, begraben morden zu sein, denn von einer öffentlichen Berathung ist uns nichts überliefert worden. — Deßhalb erfolgte am 22. Mai 1833 eine Vorstellung und Bitte der L.mdesjudenvorsteher der Provinz Oberhessen betreffend Emancipation der Israel. Glaubensgenossen im Großherzogthum an die 2. Kammer. Doch hatte dieselbe das gleiche Schicksal, indem sie lediglich zu den Akten genommen wurde. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrderrzeri. Deutschland. W. Dresden, 2. Mai. Anläßlich der Jubelfeier des 70. Geburtstages und des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Königs wurde am 19. v. M. auch eine Beglückwünschungs-Deputation der israelitischen Gemeinden im Anschluß an die Deputationen der anderen Kirchengemeinschaften huldvollft empfangen. Die Deputation, welche eine Beglückwünschungs-Adresse überbrachte, bestand aus den Herren Rabbiner Dr. Winter und Vorsteher Sulzbach—Dresden, Rabbiner Dr. Porges und Vorsteher M a gnus—Leipzig, Rabbiner Dr. Müh l fel d er und Vorsteher Berg mann—Cbemnitz. Herr Rabbiner Dr. Winter richtete folgende Ansprache an Se. Majestät: „Unseren ehrfurchtsvollen Dank für die allerhöchste Gnade, vor Ew. Majestät geheiligter Person erscheinen zu dürfen, kleiden wir in die uralten Worte der religiösen Benedeiung: ..Gepriesen seiest Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du den Abglanz Deiner Majestät gelegt hast auf das Haupt eines Sterblichen." Als Vertreter der Israeliten unseres theuren Vaterlandes bringen wir aus freu- *) Zweifellos waren cs dieser und die folgenden Anträge des Jahres, welche die Anfangs unserer Abhandlung besprochene ausgesprochene Polemik in der Oeffentlichkeit hervorgerufen hatten, -j big bewegten Herzen in tiefster Ehrerbietung Ew. Königs. Majestät zu Allerhöchstderen Jubelfeste untertänigst unsere Segenswünsche dar und sind beglückt, auch die schriftliche Kundgebung unserer unwandelbar königstreuen und vaterländischen Gesinnung an des erhabenen Thrones Stufen niederlegcn zu dürfen. Zugleich erneuern wir das heilige Gelübde unverbrüchlicher Treue, mit der wir Ew. Königl. Majestät und Allerhöchstderen erhabenem Hause allezeit in Liebe und Ehrfurcht ergeben sein wollen. Der Allgütige, der Ew. Majestät bis zur Höhe psalmistischen Alters gnadenvoll geleitet, behütet und herrlich mit Ruhm gekrönt hat, erhalte, segne und beschütze Ew. Majestät auch fernerhin an der Seite unserer geliebten Landesmutter bis in's späteste Grcisenaltcr zum Heile und Ruhme unseres Volkes und Vaterlandes. Amen! Der König erwiderte, sehr erfreut zu sein, daß auch die israelitischen Kultusgemeinden sich an dem Jubelfeste betheiligen, dankte der Deputation für die Begrüßung, einen erneuten Beweis der Treue, den Se. Majestät Seitens der Israeliten schon wiederholt auch bei anderen Gelegenheiten erfahren habe, und ersuchte, diesen Dank auch den Gemeinden zu überbringen. Sämmtliche Mitglieder der Deputation waren auf allerhöchsten Befehl auch zur Königlichen Tafel und zur Galavorstellung am Hoftheater, Herr Bankier Salzburg auch zu dem Ball im Königlichen Schlosse eingetaden. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle, wobei die Königin Herrn Rabbiner Dr. Winter durch eine Ansprache auszeichnete und anerkennende Worte für das Wirken der Rabbiner in ihren Gemeinden zum Ausdruck brachte. Hier und in Leipzig haben zu den von den städtischen Behörden veranstalteten Festlichkeiten auch die Herren Rabbiner Einladungen erhalten. Gestern wurden in allen Synagogen des Landes Festgottesdienste abgehalten. O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. V. Lemberg. Für die im Wiener Reichsrath unlängst aufgestellte Behauptung, daß die Juden in Galizien keinerlei produktive Arbeit verrichten, stellte sich prompt ein neuer Beweis ein. Am 13. v. M. traten die hiesigen Dachdecker- und Klempner-Gesellen in Streik; es sind ihrer etwas hundert an der Zahl. Da dieses unsäglich schwere, ja lebensgefährliche Handwerk hier fast ausschließlich von Juden betrieben wird, so sind auch alle Streikenden, bis auf 6, Juden. Was für ein „Wohlleben" diese „jüdischen Blutegel" auf Kosten de Gesellschaft führen, geht daraus hervor, daß unter ihren Forderungen sich auch die Erhöhung des Wochenlohns auf 7 fl. (etwa 12 Mark) und Feststellung eines Normalarbeitstages von „nur" 14 Stunden befindet. Antisemitische Blätter fordern in ihrer stets wachen Sorge für alle Unterdrückten und Ausgebeuteten, gegen die Streikenden, die sich übrigens sehr ruhig, fast demttthig verhalten, die energischsten Maßregeln von Seiten der Behörde.

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