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Der Israelit · 1898-05-09 · Heft 36 (9.5.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 36 (9.5.1898)
Date
1898-05-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXLIL Jahrgang, Beilage M M 36 des JtatndU“. Leitender Artikel. Die Emanzipation der Juden in Hessen. ..Irrrn bvjährigen Jubiläum eines Aktes üer Gerechtigkeit und Humanität." Historisch dargestellt von I. Lebermann, D a r m ft a d t. (Fortsetzung.) Die Frage der bürgerlichen und politischen Gleichstellung der Juden mit den christlichen Mitbürgern war in der Presse mit den bisherigen Erörterungen vorläufig geschloffen, und der Verlauf der letzteren hat uns manch interessantes Bild geliefert, welches auch für gewisse moderne Kämpfe aktuellen Werth hat. Bevor wir nun auf die Behandlung der Emancipationsfrage im gesetzgebenden Körper, d. h. im Hessischen Landtag, eingehen, möchte ich Aufschluß über einige Punkte geben, welche in den bisherigen Ausführungen gestreift wurden. Vor allem werden einige Einzelheiten über den „Verein zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten" von Interesse sein. Derselbe wurde im Jahre 1833 durch Aufforderung der HH. Dr. Levi, Dr. Weil und Meyer ins Leben gerufen und unterschied sich von den gleichen örtlichen Vereinigungen, welche namentlich in Frankfurt und Mainz schon lange bestanden, dadurch, daß er für das ganze Großherzogthum Hessen gestiftet und auf eine noch weitere Verbreitung angelegt war. Er bezweckt, wie der Vorstand es ausdrückt, die sittliche, gewerbliche, innere und äußere Verbesserung des Zustandes einer Menschenklasse, welche an keinem anderen Nebel leidet, als daß sie die Eindrücke 2000jähriger, theilweise noch fortdauernder Verfolgung und Verachtung an sich trägt. Auch schließt er kein ReligionSbekenntniß von der Theilnahme aus (da die Verbesserurg des Zustandes der Israeliten ebensosehr eine Angelegenheit der Christen, als der Bekenner des jüd. Glaubens sei). Wie sehr die Idee allgemeinen Anklang fand, bewies die Zahl der Mitglieder, welche sich sofort auf 385 belief. Dieselben zeichneten zusammen einen jährlichen Beitrag, von 813 fl. 12 kr. Von den Statuten, welche am 2. April 1833 höchsten Ortes genehmigt wurden, verdient wesentlich heroorgehoben zu werden: „Die besten Mittel zur Erreichung des Zwecks der Verbesserung der Israeliten find: 1) Unbemittelte Zöglinge, weche sich dem Schulfache widmen, zwei Jahre zu unterstützen, doch müssen dieselben ein inländisches Seminar besuchen, und auch Kenntniß von Musik und Gesang besitzen. 2) Kleinen, armen isr. Gemeinden zur anständigen Besoldung eines genügend vorgebildeten Religionslehrers einen Beitrag zu gewähren. 3) Kinder unvermögender Israeliten auf Kosten des Vereins ein Handwerk erlernen zu lassen. 4) Israeliten, welche sich dem ^Ackerbau durch Selbstbearbeitung des Bodens widmen, zu unterstützen. 5) Solche Israeliten, welche fünf Jahre als Knecht oder Taglöhner in der Landwirthschaft gearbeitet haben, zu belohnen und nach 10 Jahren sogar ein Stück Land zur Benutzung zu geben, welches nach sechsjähriger ununterbrochener BearbeitungLdenselben als Eigenthum zufallen sollte." Wie man sieht, wurde also von dem Verein ein umfassendes Programm zur gewerblichen, sittlichen und intellektuellen Verbesserung der Juden, namentlich derjenigen auf dem Lande', wirksam angestrebt. Endlich sei zur Illustration der bisherigen Kämpfe ein Bericht aus Worms über die Stellung der dortigen Juden aus dem Jahre 1833 bekannt gegeben, welcher uns ein typisches Bild für die damalige Lage unserer Glaubensgenossen in Hessen liefert, wenn auch die besprochenen Verhältnisse nur lokaler Natur sind. So schreibt der Einsender von Worms vom 10. Sept. 1833: „In mancher Hinsicht ist die Erscheinung erfreulich, Haß im hiesigen Stadtrathe die Einrichtung eines neuen, allgemeinen Begräbnißplatzes und eines Leichenhauses berathen wurde, und daß man sich einstimmig dahin vereinigte, daß auch die hiesigen Israeliten daran Antheil nehmen dürften. Allein die Israeliten, hartnäckig, wie sie sind, verweigern die Theilnahme, sprechend: „Wenn wir im Leben nicht in Eurer Gesellschaft geduldet sind, wollen wir auch im Tode getrennt sein und bleiben!" Und in der Thal haben die Israeliten einige Gründe hiezu; denn um ein Spezielles zu erwähnen: Die hiesige Lesegesellschaft verweigert strikte jedem Israeliten, ohne Unterschied, die Aufnahme und doch haben wir Männer dieses Glaubens in unserer Mitte, denen man Bildung des Geistes und Herzens keineswegs absprechen kann. Ebenso spricht die Einrichtung der Rheinbäder bei H. Stallmann dahier keineswegs für Toleranz und Annäherung, indem auf besonderes Verlangen mehrerer sogenannter vornehmer Bürger

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