Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-05-09 · Heft 36 (9.5.1898) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 36 (9.5.1898)
Date
1898-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448891--45945-2496320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXIX. Jahrgang. M 8« Der Israelit. Ein Genlrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum Begründet von Dr. JTeJjtnatm in Utaini Montag, de« 9. Mai 5658 (1898). Leitender Artikel. SaölißttjcUfaung durtz KvmtaWMrsdlevfl. Gustav Levinstein auf Schloß Lichlerfelde versendet eine Broschüre „Die Forderung des Sonntag- Gottesdienstes, Antwort auf das Gutachten des Rabbinats und den Beschluß der Repräsentautenversammlung." Die Forderung des H. L., ebenso die ablehnende Antwort der Repräsentantenversammlung der Berliner Gemeinde darf als bekannt vorausgesetzt werden. Herr L. sucht nun für seine Idee Propaganda zu machen. Wir haben daher Veranlassung, uns mit seiner Forderung und Begründung derselben etwas näher zu befassen. Gehen wir auf den Cardinalpunkt ein. L. fragt: „Will Jemand es auf sich nehmen und behaupten, zu welcher Stunde, an welchem Tag der Herr Himmel und Erde schuf?" Schlankweg behauptet Herr L., es könnte Niemand sagen, ob der Sabbat, den wir feiern, der siebente Tag ist. Freilich, wenn wir das nicht wissen, dann könnte es einerlei sein, welchen Tag man feiert. Aber, Herr Levinstein, Ihre Frage ist doch recht — naiv. Sicherlich kann Niemand behaupten, daß er bei der Schöpfung zugegen gewesen und Zeugniß oblegen kann. Das ist die thörichte und unsinnige Art und Weise der Leugner der Vergangenheit. Damit kann man Alles und Jedes leugnen. Aber richtig ist es damit noch nicht und gar nicht so — g eistreich, so daß man ganz und gar nicht auf solche Frage stolz zu sein braucht und damit den erwarteten großen Beifall gewiß nicht hervorlockt. Uebrigens geben Sie sich, Herr Levinstein, vielleicht nur aus Unachtsamkeit oder aus Gedächtnißschwäche, selbst gefangen. Sie sprechen nämlich auf Seite 16 von „dem Gotte, der sich uns offenbart hat." Ebenso sagen Sie Seite 18 voll Emphase: „Oeffnet uns und öffnet unseren Kindern die Thore der Synagoge und belehret sie, daß unsere Religion die einzige Offenbarung der Gottheit ist" rc. Wenn Sie das, Herr Levinstein wirklich glauben, wenn Sie das im Ernste schreiben, dann darf man doch auch glauben, daß bei der Offenbarung am Sinai auch der Sabbat offenbart wurde. Wahrscheinlich hat dann auch Gott, der uns den Sabbat geboten und auf deffen Übertretung Todesstrafe gesetzt, uns nicht im Unklaren gelassen, welcher Tag der Sabbat ist. Ist Ihnen, Herr L., nichts davon bekannt, daß mit dem Manna zugleich der Sabbat unserem Volke bekannt wurde? Es heißt, daß sie „am sechsten Tage doppeltes Brod sammelten rc." Moscheh sprach zu ihnen: „Das ist's, was Gott verkündet heiliger Ruhetag dem Ewigen ist morgen" rc. Lesen Sie das Kapitel 16 im II. B. M. einmal durch! Aber freilich, Sie werden wieder fragen, wer kann das behaupten. . Und die „ge offenbarte Religion" unseres Gottes!? — Sie sehen, Herr L. Sie haben sich verrannt. Seite 7 Ihrer Broschüre sagen Sie „All unser Streben ist, für die Heiligung des siebenten Tages einzutreten. Wir wollen nur, daß denjenigen, denen es nicht vergönnt ist, derselben am traditionellen Tage nachzukommen, und das ist zugestandenermaßen bei der weitaus überwiegenden Mehrheit der Fall, an einem anderen Tage die Gelegenheit geboten werde mit ihren Kindern die Sab-batfei er zu begehen. Glauben Sie an die Offenbarung? Zugestandenermaßen ja. Die geoffenbarte Feier des Sabbat besteht, wie Sie nicht leugnen werden können, in der Ruhe und Enthaltung von jeder werk-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.