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Der Israelit · 1898-05-05 · Heft 35 (5.5.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 35 (5.5.1898)
Date
1898-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1XXIX. Jahrgang. M 8S Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. £*&mann in Utaini. Donnerstag, de« 5. Mai 5658 (1898). Leitender Artikel. Sefirahbetrachtungen. Von Dr. Gustav Wachenheimer, Frankfurt a. M. Es liegt ein gewisser Widerspruch in dem äußeren Gewände, das die Sefirahzeit trägt und dem inneren Gehalte, den sie uns bietet. Aeußerlich ist es die schöne herrliche Maienzeit, wo alles sproßt und grünt und blüht, wo überall die Natur draußen gehüllt in ein herrliches Blumengewand, wo es sich überall in ihr regt zu frischem und frohem Leben, und alles von den Meistern des Gesanges in der Luft bis zum kleinen Käfer herab, - dieZTHier- und die Pflanzenwelt, die bunte Erde und die milde sanfte Bläue des Himmels sich gleichsam^ vereinigt, um einen Hymnus auf den Schöpfer und seine Schöpfung anzustimmen. Innerlich ist diese Zeit) der"iSefirah für uns Israeliteneigentlich das rein lEntgegensetzte. Nicht die Zeit lebensvoller Freude und Lust ist sie uns, sondern vielmehr die Zeit düsterer Trauer, die uns zurückerinnert an all das Unglück und Ungemach, das unsere glaubenstreuen Ahnen zu wiederholten Malen gerade in den Sesirahtagen erbarmungslos heimgesucht, Tod über die Frommen, Schmach über die Gottesfürchtige» gehäuft und unzählige jüdische Familien, Greise und Kinder, Wittwen und Waisen unsäglichem Elende preisgegeben. Dazu kommt noch, daß die Seftrahzeit, wie ihr Name besagt, für uns eine Zeit des Ernstes und des Nachdenkens ist, in der wir bedächtig^die Tage und Wochen zählen, die uns von unnn |m von dem Feste der Freiheit Hingeleilen zu umin jno svi, zu dem Feste der Gottesgesetzgebung auf Sinai, zu dem Feste der Willensunterwerfung unter die allweisen Satzungen unseres himmlischen Vaters. Wohl dem frommen und gläubigen Herzen, auf welches der Ernst und die Trauer der Sefirahtage auch heute noch ihre stärkende und läuternde Wirkung zu üben vermag! Denn eine doppelte Aufgabe hat für uns Israeliten diese Zeit. Einerseits soll sie im Großem und LlLg^ure rrr^n uns. Israeliten in unserer Gesammtheit die erhabene und inhaltsschwere Vergangenheit unseres Volkes seit seiner wundervollen Erlösung aus Egypten durch all die prüfungsreichen Jahrhunderte des Exils hindurch bis auf unser heutiges Geschlecht lebhaft vor Augen führen, um uns vom neuem zu begeistern für die großen und heiligen Traditionen unseres Volkes, für die es so viel schon geschmachtet und geseufzt, gelitten und geblutet. Andererseits soll sie aber auch jeden Einzelnen von uns zu ernsten Betrachtrachlungen über sein eigenes Einzelleben anregen, indem sie uns durch das Gebot, die Tage und Wochen zu zählen, auf die Kürze und enge Begrenztheit des menschlichen Lebens hinweist und uns bedeutet, daß nur der ein wahrhaftes und wirklich inhaltsreiches Leben führt, der stets mit prüfender Sorgfalt die Tage seines Lebens zu zählen und über sie genaue Rechnung zu führen weiß, ob er sie auch wirklich richtig angewandt im glaubenstreuen und opferfreudigen Dienste seines Gottes und der Menschheit. I. Das Wort des Psalmiften: imn p wo» «JiA. „Lehre uns, o Gott, unsere Tage wohl, d. h. mit dem richtigen Ernste zu zählen, oder (indem man das p auf den Inhalt des unmittelbar vorher-

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