Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1898)
- Date
- 1898-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXUX. Jahrgang. M 84 Der Israelit. Ein Aentrak-Hrgan für das orlhodore IudenLHum. Begründet von Dr. ite$mfisYK in Ütainj. 3»ontag, de« 2 Mai SV5S (1SVS). Leitender Artikel. Die Emanzipation der Juden in Hessen. „Iurn 80jährigen Zlubilüum eines Aktes der Gerechtigkeit uoü Humanität.^ Historisch dargestellt von I. Ledermann, D a r m st a d t. (Fortsetzung.) Der Kampf um die Emancipation nimmt eine neue Wendung durch da» Hereinziehen der jüdischen Religion in die Polemik. Während dieselbe bis jetzt nur von allgemeinen Gesichtspunkten der Politik, der Staat«raifon und altüberlieferter Vorurtheile ausgeführt wurde, tritt jetzt ein erbitterter Gegner der Emancipation auf den Plan, welcher nicht nur seiner judenfeindlichen Gesinnung Ausdruck gibt, sondern auch in der jüd. Religion den hindernden Eckstein aufdem Wegezur Verbesserung der Juden erblickt und in Bekämpfung der edlen Sache diese Religion mit dem angeblichen Rüstzeug seiner theologischen Bildung verfolgt. Es ist dies Pfarrer Münch in Ulfa (einem Orte in Obechessen, Kreis Schotten, mit etwas über 1000 Einwohnern). Derselbe trat in mehreren Artikeln gegen die Emancipation der Juden aus und ist einer jener Prediger, welche ganz wie bekannte Genossen der Neuzeit die Methode besitzen, da» Gift rassenfeindlicher Denkart in gleißnerischen Worten zu reichen. Ec setzt ja die schönsten und humansten Absichten bei denen voraus, welche sich für völlige Gleichstellung der Juden mit den Christen verwenden, allein — und hierin offenbart sich seine wahre Gesinnung — es komme sehr darauf an, ob da» wahrhaft Menschliche durch die Beschaffenheit sanktionirter Bildung-mittel gefördert oder niedergedrückt werden solle. Vor dem mißgestalteten Menschlichen hat man Ursache, auf der Hu: zu sein (!) „Religion feil'oor allem der Lenker und da» Ruder in allen Lebensverhältnissen." — Er kommt dann auf die jüdische Nation zu sprechen, gibt derselben zwar die Ehre, daß sie den Glauben an einen Gott schon früh als öffentlichen Grundsatz ausgesprochen habe, daß sie aber durch angebliche Anordnungen ihrer Führer wieder tief unter diesen Lichtpunkt sank, daß das sittliche Gebiet in Bildung gehemmt sei, also— man bedenke — da- Judenthum mit dem Heidenthum jetzt in naher und lehrreicher Parallele stehe. (Man sieht hieran, wie fanatische Gehässigkeit eines theologisch gebildeten ManneS zu Erwägungen kommt, welche die krasseste Unkenntniß dejüd. Glauben» verrathen.) Dann spricht Pfarrer Münch von der Last äußerer Satzungen, von dem unedlen Stolze einer begünstigten Stellung vor allen anderen Nationen, von der rohen Eroberungssucht, der flammenden Rachewuth, welche in heiligen Gesängen gefeiert wird, ferner von dem niederen Eudämonismus, welcher nur äußere Verherrlichung und solchen Nutzen als Preis der Tugend kenne und zieht sogar als Belegstellen — nach berühmtem Muster — eigens zu seinem Zweck audem Zusanunenhang gerissene Stellen der heiligen Schrift in falscher, tendenziöser Uebersetzung herbei. Kur-, Gehässigkeit spricht au» seiner ganzen Schreibart und besonders zum Schluß, wo ec erklärt, daß das Chriftenthum in entschiedenen Gegensatz zum Judenthum getreten ist, „darum muß jenes dieses bekämpfen, und sei es wider die Natur, daß beide im öffentlichen Leben sich harmonisch verbinden." Auf diese Ausführungen ergreift zur Abwehr Herr Dr. Weil, damals prakt. Arzt in Zwingenberg a. d. Bergstraße, am 8. April 1833 die Feder. Herr