Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1898)
- Date
- 1898-04-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXXX. Jahrgang. Imrite -kllage M 33 -es „IsrarM". Feuiüetsn. Klinische Susen «der Zurr» und Menlhnm. Gesammelt von A. M. 1. «in Jude wird König von Polen- „Mit dem Tode de» König» Popiel — dem sagenhaften Zeitalter angehörend — wurde der Thron Polens erledigt. Auf der Versammlung zu Kruß- »ica konnten die Wahlherren über die Wahl eine» nenen Herrscher» nicht einig werden und auf den Antrag de» Aeltesten unter ihnen wurde beschlossen, denjenigen, welcher am nächsten Morgen mit Tage«- anbruch zuerst in die Stadt kommen würde, al» König zu begrüßen. Vier Wachen wurden an den Ecken der zur Stadt führenden B-ücke ausgestellt, um zu berichten, wer zuerst in die Stadt kommen würde. Da ereignete e» sich, daß der Jude Abraham, welcher Pulver (?) nach der Stadt einführte und daher der Pulvermeifter (Prochownik) genannt wurde, mit Tagesanbruch der Stadt zueilte. Mit Jubel begrüßten ihn die Wachen und begleiteten ihn nach der Stadt, wo er zum König au«- gerufen wurde. Doch Abraham schlug die ihm angebotene Krone aus. Als er aber sah, daß die Wahlherren auf ihrem Beschluß beharrten, erbat er sich einen Tag Bedenkzeit, um im Gebete von Gott Weisheit für sich zu erflehen. Sr verbot zugleich auf» strengste, ihn in seiner Andacht zu stören. Zwei Tage und zwei Nächte waren bereits verflossen und Abraham erschien nicht. Al» er auch am Morgen des dritten Tage« sich nicht sehen ließ und die Ungeduld der harrenden Menge auf'» Höchste gestiegen war, erhob der LandmannPiart seineStimme und sprach: ^Brüder! so darf e« nicht bleiben; das Land kann ohne Haupt nicht sein, und da Abraham nicht herauskommt, so will ich ihn herausführen." Und die Axt schwingend, stürzte er auf das Haus, in welchem Abraham verschlossen war. „Polen", sprach Abraham heraustretend, „sehet ihr den Landmann Piart? ihn wählt zu eurem König. Er besitzt Verstand, denn er sah ein, daß ein Land lange ohne König nicht bleiben kann; und muthig ist Piart, denn um das Vaterland zu retten, widersetzte er sich meinem Gebot. Diesem setzet die Krone auf und ihr werdet Gott und dem Pulvermeister Abraham dafür danken," Und Piart wurde König. (Sternberg „Gesch. der Jude» in Polen", Leipzig 1878, S. 4 f.) Hieraus scheint die Sage von Saul Wahl, dem Einlagskönig in Polen entstanden zu sein, über den das Werkchen bim jta, London 1854, etwa Folgendes berichtet: „Saul Wahl war der Sohn der au«gezeichnete» Talmudisten Samuel Juda Padua. Wie allgemein bekannt ist, erhielt er den Beinamen Wahl, weil er zum König über Polen gewählt wurde, und er für seine Wahl alle Stimmen des Adels für sich hatte, (was man auf Deutsch „Wahl" nennt.) Damit verhält er sich folgendermaßen: Saul war bei dem hohen Adel sehr beliebt und angesehen, da er überau» klug war. Der König von Polen war damals gestorben. Bei dem Hochadel Polens besteht nun der Wahlmodu», daß man vorher, ehe man zur Stimmabgabe schreitet, einen Tag festsetzt, an welchem absolut eine gültige Wahl zu Stande kommen muß. Der war erschienen, e» gab große Meinungsverschiedenheiten, und man konnte sich über den Thronkandidaten nicht einigen. Der Abend rückte heran, und man sah, daß e» nicht möglich sein würde, die gesetzlichr Pflicht zur König»- wahl einzuhalten. Um gegen ein solche» Grundgesetz nicht zu verstoßen und den Tag denn doch mit einer König?wähl zu beschließen, kamen alle Fürsten überein, den Saul Wahl provisorisch für diesen Tag und die nächste Nacht zu.n König zu proklamiren. So geschah er auch. Sie huldigten Saul und riefen in ihrer Sprache: Es lebe unser Herr und König! Die ganze Nacht hindurch wurde ihm wie einem König begegnet, man übergab ihm dar Buch, in welcher jeoer Herrscher gesetzliche Bestimmungen nach seiner Einsicht einzeichnet, und Saul Wahl schrieb allerlei Bestimmungen und Privilegien zu Gunsten der Juden ein. Der andere Tag darauf führte zu einer Verständigung; Saul trat zurück und man wählte den König, auf den man sich verständigt hatte. Der Berichterstatter bemerkt hierbei, daß ihm sein Vater mehrere solcher Privilegien angegeben, er selbst wisse sich nur noch auf da» Eine zu besinnen, daß der Mörder eine» Juden nicht mit dem Lösegeld davon komme, sondern wie der Mörder eine» Adeligen am Leben gestraft werde, ein Gesetzerschutz, dessen sich selbst Christen nicht erfreuten, sobald sie nicht zum Adel gehörten. *) (PH. Bloch in Ztrhr. der hist. Gesellfch. f. d. Pr. Posen IV. 230.) *) Durch das Statut des Boldaw Pius, Herzogs von Kalisch, wurde 1254 verordnet: IO. Tödtet ein Christ einen Juden, so wird er durch eine gerechte Strafe < digno judicio) und Entziehung seines ganzen beweglichen und unbeweglichen Vermögens bestraft. Der Tod eines EdelmanneS wurde mit 130 Mark und jener eines Bauern mit 1O M. bestraft. Verschärf: wurden diese Strafen durch die Constitutionen vom Jahre 1496 und 1510. Sigismund August ließ 1588 einen Thurm für die Mörder bauen, endlich .erst im Jahre 1758 setzte man die Todesstrafe auf den Mord einet (SbeU manne». (Sternberg, Gesch. d. I. i. Polen 26 f.)