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Der Israelit · 1898-04-28 · Heft 33 (28.4.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 33 (28.4.1898)
Date
1898-04-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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617 der Gemeinde- und Schulvorstand — beide in corpore — eingefunden. Namens des erfteren rühmte Herr Sal. Ka u ffm ann die hervorragenden Berufsfähigkeiten und Charaktereigenschaften des Jubilars, fein reiches pädagogisches Talent, seine persönliche Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit. Herr Seminardirektor Dr. Knoller betonte dessen unermüdliche Pflichttreue und den von ihm im Kreise der Lehrer vielfach bethätigten Sinn für Collegialität. Im Aufträge einer großen Zahl von Gemeindemitgliedern feierte alsdann Herr Jsaac Hirsch den Jubilar in einer zu Herzen gehenden Ansprache. Herr Katzenstein dankte jedem einzelnen Redner mit bewegten, warmen Worten und wies darauf hin, daß es nur der kräftigen Unterstützung, die er stets im Lehrerkollegium gefunden habe und dem Verständnisse, welches seinen Bestrebungen seitens der Gemeinde und ihrer einzelnen Glieder zu Theil geworden, zu danken sei, wenn hie und da sein bestes Wollen zu schönen Zielen und gutem Ende geführt habe. Möge eS dem im besten Mcmnesalter stehenden allverehrten Jubilar beschieden sein, noch lange, lange Jahre seine schwierige Aufgabe in geistiger und körperlicher Frische zu erfüllen, zum Nutzen der Gemeinde und zum eigenen Heil und Segen. Frankreich. X. Paris, 22. April. In Algier wurde Jules Guorin, Redakteur der Pariser „Libre Parole" wegen öffentlicher Aufreizung verhaftet. Guörin unterstützte Drumonts Wahlagitation. Er soll an der Landungsstelle der Marseiller Dampfer mehrere zur Bekämpfung Drumonts gekommene Pariser Revublikaner als Anarchisten dem Pöbel denunzirt haben, fodaß sie der Gewalt weichend wieder abreifen mußten. L. Paris, 26. April. Der gestern in Algier wegen Aufreizung zu öffentlicher Gewalt verhaftete Jules Guerin wurde noch Abends im beschleunigten Verfahren von der Strafkammer in Algier zu acht Tagen Gefangniß verurtheilt und sofort zur Verbüßung abgeführt. Italien.? Rom. Abermals ist einer der jüdischen Helden aus dem afrikanischen Krieg vom König ausgezeichnet worden. Kapitän Supino vom 16. Regiment war in der Schlacht von Adua verwundet und als Verwundeter und schwer Kranker nach Italien zurückgebracht worden. Bei seiner Genesung hat er jetzt die silberne Medaille für vor dem Feind bewiesene Tapferkeit erhalten. — Ritter Marco Alatri, eines der Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde in Rom, ist zum Direktor der Bank von Italien ernannt worden. — Wie eifrigen Antheil die Juden an der Entwickelung der Künste in Italien nehmen, kann man auch aus der Thatsache ersehen, daß in den letzten Wochen mehrere Opern von jüdischen Componisten aufgeführt worden sind. So würde kürzlich in Rom „Gladiatore" von Orefico, welches Stück auch in Madrid zur Darstellung gelangte, und in Florenz „Max" von Frau Nissim-Roselli gegeben. — Großer Mangel herrscht hier — an geeigneten Kräften für den Rabbinerstand; trotz aller Mühe und trotz ziemlich guter Gehälter, die hier gezahlt werden, fehlt es an Bewerbern für die frei werdenden Rabbinate, übrigens auch für die Kantorenposten. Die Gemeinden haben große Roth ihre Stellen zu besetzen. Rußland.? Petersburg. Die Ergebnisse der letzten Rekrutirung werden jetzt im „Regierungsboten", dem amtlichen Organ veröffentlicht. Darnach gelangten zur Stellung 719 303 Nichtjuden und 50 460 Juden. Darnach würden die Juden 5,2 Prozent der Bevölkerung bilden, das heißt bei 106 Millionen Seelenzahl 5V2 Millionen Juden zum mindesten Während aber bei der Stellung 266 215 Nichtjuden genommen wurden d. h. 29°/0, nahm man 15 934 Juden d. h. 3172°/o- Um zu dieser Ziffer zu kommen, mußte man freilich alle gesetzlichen Befreiungen aufheben z. B. für den einzigen Sohn einer Wiltwe rc. So erpreßt man von den Juden die Blutsteuer in der ärgsten Weise. — In Polen läßt der Minister jetzt zwei offizielle Statistiken vornehmen, nämlich über die Beschäftigung der Juden in den Dörfern und über die Erwerbszweige, denen sich diejenigen Israeliten zugewendet haben, welche früher im Brantweinhandel ihren Lebensunterhalt fanden.? Sibirien. Trotz aller Verfolgungen gegeu die Juden, die deren Loos wahrlich nicht beneidenswerth machen, und trotz der strengen Strafe, die auf dem Uebertritt eines Christen zum Judenthum steht, finden solche Conversionen immer noch statt. Kürzlich wurde in Arkinotinsk einer dieser Gerim Namens Duroff mit seiner Frau zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt.? Samarkand. In der hiesigen Stadt sind alle Droschkenkutscher fromme Juden, welche am Samstag nicht arbeiten. Es giebt daher hier Samstags keine Droschken, ein Umstand, der den Stadtrath bewog, an alle Droschkenkutscher ein Mandat ergehen zu lassen, am Samstag in Zukunft ihre Wagen zu fahren. Gegen dies Mandat erhoben die Kutscher Einspruch und ihr Sachwalter berief sich auf das Deuteronomium, um nachzuweisen, daß die Juden am Samstag nicht arbeiten dürften. Die Appellinstanz hob denn auch das angefochtene Mandat auf und Samarkand hat nach wie vor am Schabbos keine Droschken.

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