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Der Israelit · 1898-04-25 · Heft 32 (25.4.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 32 (25.4.1898)
Date
1898-04-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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597 es der Widerhall echter Begeisterung war, oder daß er seine Rolle so vorzüglich spielte — ein so warmer Ton hervorgeklungen, ein so tiefverehrungsvolles Entzücken war aus ihm herauszuhören, daß daS junge Mädchen unwillkürlich einen langen, wärmeren Blick auf den jungen Mann warf, der da zu ihr gesprochen. Kurt hatte diesen Blick aufgefangen. Jetzt wußte er, daß er gesiegt hatte. Seine Begleiterin nahm mit tiefem Erschrecken wahr, daß er ihrem Blick begegnet, und sie verstummte. Endlich, als sie eine ganze Weile wortlos neben einander hergeschritten waren, sagte sie, vor einem großen Hause in der Nähe des neuen Thores stehen bleibend: „Ich bin angelangt." Da begann Kurt, indem er ihr die Hand hinftreckte und eine künstliche Wärme in den Ton seiner Worte legte : „Sie fühlen gewiß selbst, mein Fräulein, daß dieser kurze Weg uns mehr brachte, als ein zufälliges Begegnis, an dem man gleichgültig vorübergeht. Wann werde ich Sie Wiedersehen?" „Vielleicht führt uns der Zufall wieder einmal zusammen," sagte sie natürlich. Sie war ängstlich, daß man sie hier vor diesem Hause, in dem ihr Bruder wohnte und das sie oft betrat, mit einem fremden Herrn sehen möchte; daher sagte sie kurz: „Nochmals herzlichen Dank," und ehe er etwas erwidern konnte, war sie im Hausflur verschwunden. Kurt wartete noch ein paar Augenblicke, dann öffnete auch er leise die Hausthüre, ging bis zum Fuß der Treppe und lauschte. Eine Treppe hoch, auf der rechten Seite — er merkte es ganz deutlich — hörte er sie klingeln. Er hörte, wie die Thüre geöffnet und bald wieder geschlossen wurde. Dann stieg er langsam empor. Am Rahmen der rechten Eingangsthüre las er: „Auguste Köhler, Wwe." Gewiß eine Zimmervermietherin, dachte er. Und richtig, da hing mitten auf der Thüre eine weiße Visitenkarte. Kurt las: „Ludwig Schlesinger, cand. med." „Schlesinger," sprach Kurt vor sich hin, indem er die Treppe wieder hinabftieg und das Haus verlies, „dachte ich's doch, daß sie ein Judenmädel sei — was thut's? Wie singt doch gleich Altmeister Goethe in Faust: „„Ein ächter deutscher Mann, mag keinen Franzmann leiden, doch seine Weine trinkt er gern,"" das gilt mutatis mutandis auch hier-—" und ein cynischeS Lächeln flog über Kurt Hohenthal's Antlitz. 7 Er ging dann langsam zurück zum Oranienburger i Thor, bestieg dort eineWferdebahn, und fuhr wieder zu Braun. Es war inzwischen acht! Uhr geworden und Braun konnte wieder zurück sein. In der That traf Kurt den Kommilitonen vor dessen HauS, als er eben in eine benachbarte Restauration zum Abendbrot gehen wollte. Da gab es denn eine eifrige Besprechung des gestrigen Festabends und Kurt erzählte in halb humoristischer Weise die Folgen, die sich für ihn im elterlichen Hause an seine gestrige Festrede, die doch wahrlich gediegen war, geknüpft hatten. Sein heutiges Begegniß erwähnte er mit keiner Silbe. Es hielt ihn aber durchaus nicht ab, der beim Frühschoppen verabredeten Weisung folgend, mit dem Freunde Arm in Arm nach der Schumannstraße zu wandern und in Emberz's Tanzsalon die halbe Nacht in der Gesellschaft leichtfertiger Damen zu verbummeln. Als er dann — er hatte bei Braun auf der „Bude" geschlafen — am nächsten Morgen bei seinem Schwager in der Burgstraße vorsprach, hörte er erst, daß der Vater schwer erkrankt sei, und daß Niemand anders die Schuld daran trüge, als er. Die Nachricht brachte Kurt doch etwas zur Besinnung. Sein kindliches Gefühl regte sich in ihm, zumal ihm der Schwager und die Schwester versicherten, daß Sanitätsrath Ehrenberg, den man sofort habe holen lassen, ein schweres Nervenfieber prognostiziert habe. Der Arzt habe sich genau'^nach aller Vorgängen erkundigt, die zu der Katastrophe geführt hätten, und es sei peinlich genug gewesen, ihm, der selbst Jude sei, in Alles einzuweihen. Aber er habe darauf bestanden, da er im Interesse des Kranken jeden Anlaß zu weiterer Aufregung verhüten müsse. Rein geschäftsmäßig, ohne mit einer Wimper zu zucken, habe er sich das Renkontre Kurts mit dem Landgerichtsrath erzählen lassen und danach seine Anordnungen getroffen. Die erste derselben sei gewesen, daß Kurt bis auf Weiteres das elterliche HauS nicht mehr betreten solle. Es könne zufällig sich ereignen, daß der Rath Kurt sehe oder höre, und dadurch eine Verschlimmerung seines Zustandes herbeigeführt werde. Dann habe man, in der Absicht, ihm von der ärztlichen Anordnung Miltheilung zu machen, Kurt in seiner Stube aufgesucht, und sei sehr erstaunt gewesen, ihn dort nicht mehr vorzufinden. Das Mädchen habe erzählt, der junge Herr habe nicht einmal gegessen. Der Sanitätsrath war zufrieden, daß Kurt ihm ' schon zuvorgekommen war, und so solle er das väterliche Haus vorläufig meiden. Kurt begann chon diesem^Tag an^wenn nicht ein anderes Leben, so doch ein gemäßigteres.' Deräk!" bar aller Pietät war. er doch nicht, daß er, während

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