Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1898)
- Date
- 1898-04-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448886--45840-2496210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LXXIX. Jahrgang. Erste Seüage zu M 31 des „Janitür. Leitender Artikel. ♦o’ÄötDn msiy Eine wissenschaftliche Abhandlung über talmudische Systematik und Namen der bibl. Vögel von I. Gngettheim, Rabbiner in Saarunion. XII. mn' Die zurückbleibende Zehe. So verschieden und mannigfaltig sich die Gestaltung des Vogelfußes in der Natur auch zeigt, so stimmt die Anzahl der Zehen und deren Bildung bei den meisten Vögel doch überein und zwar darin, daß sie drei vordere und eine Hintere Zehe haben. Dies ist der Fall sowohl bei den Raubvögeln als auch bei den Tauben, Hühnern, Gänsen, Passerinen u. s. w. Von diesen Zehen weist die hintere Zehe die meisten Verschiedenheiten auf, sie fehlt bei zahlreichen Vögeln ganz. Nach Forbes bei folgenden Vögeln: 8taiudio, der Strauß; Rbea; Casuaridae, der Casuar; ^leiäae die Alken; Pi88a, die dreizehige Möve; Psloeanoidos; Phoenicopamis; Otitidae, den Trappen; vielen Schnepfenstrandläufern; Pemipodiidae, den Halbhühnern; 8yi-üapt68 und Jamasaleyon. Hierzu komrnen noch einige Piei, Spechte und die Ouliinarcs, Sturmvögel. Ich habe schon bemerkt, daß das Fehlen der Zehe bei dieser Reihe von Vögeln nicht als Grund anzunehmen ist, dieselbe bei den anderen Vögeln als übrig zu bezeichnen. Bei den arideren Vögeln, wo eine Hinterzehe vorhanden ist, hat dieselbe bald eine bessere Ausbildung, bald eine Reduktion; die Höhe ihrer Eingliederung ist auch verschieden. Bekanntlich bildet die bessere Ausbildung oder die Reduktion dieser Zehe nebst der Verschiedenheit ihrer Eingliederung das Haupt-Differenzmerkmal bei einigen Systematikern. Was ist einfacher nun, als diesem Winke zu folgen? Warum soll diese Verschiedenheit der Zehenformation, wenn auch in anderer Form, zur Erklärung und Bestimmung des nir!' nicht in Anwendung kommen können? Ich hatte schon Gelegenheit zu bemerken, daß "tri mit Recht vollen Werth auf den Ausdruck mw legt, und aus diesem Grunde damit die Hinterzehe, welche höher als die anderen Zehen oder höher eingegliedert ist, bezeichnet. In Wirklichkeit ist eine solche Zehe, bei all den Vögeln, wo sie höher steht, im genauesten Sinne des Wortes Übrig; denn durch das Höherstehen wurde sie zu jedem nur denkbaren Gebrauch untauglich. Nebst diesem ist die Hinterzehe eines der Glieder, die oft verkümmert Vorkommen, so daß unwillkürlich, wo sie auf solche Weise auftritt, die Frage angeregt wird, wozu solche Glie« der, die das Gepräge der Nutzlosigkeit tragen, denn vorhanden sind? Würde nun diese Zehe, wie bei Waffervögeln und bei Hühnern, in höherer Stellung und verkümmert, auch bei der Taube Vorkommen, so würden bei der Erklärung unserer Talmudstelle keine Schwierigkeiten entstanden sein. Ganz folgenrichtig hätte man die höher stehende oder die verkümmerte und. zum Gebrauch völlig untaugliche Zehe als die „übrige" bezeichnet, im Gegensatz zu der Zehe anderer Vögel, welche bis zur Erde reichte und die deßhalb als „nicht übrig" zu bezeichnen gewesen wäre. Da nun die Zehe der Taube, um die es sich hauptsächlich handelt, bis an die Erde reicht, sollte dieselbe im Sinne von Gebrauch und Nichtgebrauch nicht schließlich doch als übrige in irgend einer Weise zu bezeichnen sein? Sobald wir uns auf diesen Standpunkt stellen, ist die Frage gelöst. Die Funktion der Hinterzehe ist in Wirklichkeit bei den verschiedenen Vogelarten sehr verschieden. Während dieselbe bei Hühner-, Sumpf- und Wasservögeln durch ihre Verkümmerung außer Gebrauch gesetzt ist und mit den anderen Zehen nicht miteingreift, bedient sich der Adler, sowie alle anderen Raubvögel derselben bei dem Festhalten oder Eingreifen der Beute; der Baumläufer, der Kleiber, die Meiße, die Spechte benutzen sie zum Klettern und Anklammern. Der Porpliyrion vereinigt sie mit den Vorderzehen, um die Speise an den Mund zu führen, ebenso der Pap'gei. Der Widehopf bedarf ihr auch beim Klettern; der Kreuzschnabel, um Fichteri-Zapfen zu halten. Alle diese Vögel bedienen sich ihrer vier Zehen zugleich, es bleibt keine hiervon zurück. Bei der Taube jedoch, sowie auch bei den Rabenarten, obwohl die Hinterzehe bis an die Erde reicht, ist dieselbe doch verhindert und unfähig eines Miteingreifens. Bei der Taube fällt das Zurückbleiben, die Unthatigk.it der Hinterzehe weniger auf; doch bei dem Raben, wenn er sich seiner Fiche zum Ergreifen seiner Nahrung bedient, geht es nur mit den drei Vorderzehen; die Hinterzehe bleibt hierbei unbetheiligt, genau wie es bei den Arten mit verkümmerter Hinterzehe geschieht, wo die drei Borderzeben allein einige Zehenthätigkeit entwickeln: z. B. die Hühner bei ihrem Scharren, was nur mit den Vorderzehen geschieht.