Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1898)
- Date
- 1898-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagen wird von der Hof- und Staatsdruckerei ein umfangreiches Werk zur Ausgabe gelangen, das eine dankenswerthe Bereicherung in der Reihe der Monographien über hervorragende Mitglieder der Hauses HabSburg-Lothringen bilden wird, nämlich eine von Alfred v. L i n d h e i m unter Mithilfe mehrerer An« derer verfaßte Lebensbeschreibung des vor zwei Jahren verstorbenen Erzherzogs Karl Ludwig, eine Ar' beit, die allenthalben großes Interesse erregen wird, des Gegenstandes wegen und weil sie sich stellenweise zu einer auf reichem Quellenmateriale fußenden Darstellung allgemeiner politischer und cultureller Zeitzustände Oesterreichs ausweilet. Interessant ist ein Capitel, in welchem von dem verfönlichen Verkehr des Erzherzogs mit dem Hofschauspieler Sonnenthal die Rede ist. Der Erzherzog sagte einmal zu Sonnenthal, als im Laufe des Gespräche« die religiöse Frage berührt wurde: „Ich bin ein gläubiger Christ, sowie Sie ein gläubiger Jude sind; ich weiß es und," seine Hand wohlwollend auf Sonnenthal's Schulter legend, fügte der Erzherzog hinzu: „das achte und schätze ich an Ihnen, wie an jedem Menschen, der seinem Glauben, seiner Ueberzeugung treu bleibt." X. Stratznih. Zur Trauer seiner Familie und eines großen Kreises seiner zahlreichen Freunde und Verehrer verschied vor einigen Tagen hierorts der vormalige Bürgermeister Herr Salomon Felder im Alter von 77 Jahren. Der Verblichene, hinter dessen schlichten!, bescheidenen, äußeren Wesen ein patriotisches und - für die Interessen des Judenthums warmfühlendes Herz schlug, zeichnete sich durch seine Treue und hingebungsvolle Anhänglichkeit an dem alten Väterglauben, durch wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, durch einen glänzenden Mildthätigkeitssinn, welchen er zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit, in geradezu splendider Weise jedoch im Stillen und Verborgenen deutlich bethätigte und nicht zum Geringsten durch seinen reinen, biederen und ehrenhaften Charakter, durch seinen milden, friedliebenden Sinn in hervorragender Weise, aus. Als er in den Sechziger-Jahren als Pächter eines kaiserlichen Gutes in Straza bei Sasvar (Ungarn) wohnte — welche Gutspachtung noch heute von seinem rühmlich bekannten Sohne, dem Großgrundbesitzer Herrn Wilhelm Felber, Ritter des Franz Josef-Orden« und Besitzer des goldenen Verdienst-Kreuzes mit der Krone, Schwiegersohn des Herrn Philipp Back in Wien, verwaltet wird — zeichneten ihn seine Glaubensgenossen dadurch aus, daß der dortige, ansehnliche Wahlbezirk in Anerkennung seiner Würdigkeit mit dem hochehrenden Mandate eines Deputirten in den im Jahre 1868 in Budapest tagenden Congreß gerade ihn, den Straßnitzer (mährischen) Glaubensbruder, betraute. Von dort hieher in seine Vaterstadt zurückgekehrt, wurde er bald darauf zum Bürgermeister der hiesigen israelitischen Stadtgemeinde gewählt, welches Ehrenamt er bis Ende des Jahre 1896 ehren- und würdevoll fortführte. Die allgemeine Achtung und das hohe Ansehen, dessen sich der Hingeschiedene erfreute, bekundete sich auch bei seinem unter der spontanen Theilnahme zahlreicher Freunde und Verehrer aus Rah und Fern, der corporativen Vorstände der politischen und Cultusgemeinde, der Schuljugend, der Honoratioren und Bevölkerung unserer Stadt am 11. v. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse Die Leichenrede hielt unser ehrw. Rabbiner Herr Dr. Friedmann; in formvollendeter Rede auf das Leben und Wirken des Hingeschiedenen rückblickend, entwarf er in meisterhafter Weise ein treues Lebensbild des Entschlummerten als Mensch, Israelit, Bürgermeister, Vater und Freund, wodurch man sich des unersetzlichen Verlustes erst recht bewußt wurde. Die wirkungsvolle Rede klang in den erhebenden Trostworten au', daß Männer, wie Salomon Felber einer war, nicht lodt sind, nicht dem Grabe der Vergessenheit anheimsallen; sie leben fort durch ihre zahlreichen Werke, die sie im Dienste Gottes und der Menschheit vollbracht, und so wird auch das Andenken Salomon Felber's ein gesegnetes sein. Rußland. 8. Petersburg. Der neue Generalgouverneur von Kiew, Dragomirow, hat schon wiederholt durch seine Corps-Befehle die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, da diese Befehle sehr stark von der üblichen Schablone abwichen. Nun hat General Dragonurow gezeigt, daß er auch in nicht-.nilitärischer Beziehung frei von den gewöhnlichen Vorurtheilen so vieler Militärs und Beamten ist. Wie nämlich die „Düna-Zeitung" berichtet, hat sich General Dragomirow, als er bei seiner Rückkehr aus der Residenz von den Repräsentanten der Administration, der Justiz und des Adels empfangen wurde, an die Beamten des Justizressorts gewandt und ihnen gesagt, daß er es als seinen Beruf betrachte, für die richtige Anwendung der Gesetze Sorge zu tragen und Jeden bitte, im gegebenen Falle sich offen rmd ehrlich, ohne Zwang, direkt an ihn zu wenden. Gegenüber den Vertretern des Adels äußerte er, daß es nölhig ist, gemeinschaftlich und freundschaftlich, ohne Unterschied der nationalen Interessen und Eigenthümlichkeiten zum Nutzen des Gebietes zu arbeiten. Bei seinem Besuche in Winniza wurde dem neuen Generalgouverneur sowohl von christlicher als auch von jüdischer Seite — aber separirt — Brod und Salz dargebracht. Der General dankte liebenswürdig für diese Aufmerksamkeit, konnte aber nicht umhin, dabei zu äußern, daß es ihm viel angenehmer wäre, wenn ihm alle Stadtbürger gemeinschaftlich und nicht in Gruppen,