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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 29)
Language
German
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r">” r-» ,' ' IT' f: '•!7 TK , fflr*T 567 der Affaire Dreifuß" alle diese Juden zu naturalisiren. Die Abstimmung lieferte folgendes Rusnllal: Nur der Nichtjude erhielt die Naturalisirung: alle Gesuche der Juden wurden von der klerikalen Mehrheit abgelehnt. Nur einem Juden, dem <Schwiegersohne eines hohen klerikalen Beamten, wurde die Nationalisirung zuerkannt. Der Führer der Fortschrittspartei kündigte bereits eine Interpellation an, um die Regierung zu zwingen Farbe zu bekennen, aber an der Sache selber wird dadurch nichts geändert. Serbien. L Belgrad. Wie alljährlich, veranstaltete die jüdische Kultusgemeinde Belgrads auch dieses Jahr einen Fest- und Dankgottesdienst zur Doppelfeier der Erhebung Serbiens zum Königreiche und der Thronbesteigung König Alexanders, dem ein Adjutant in Vertretung des Königs und der Ministerpräsident Dr. Vladau Gjorgjevits, der Präfekt, der Bürgermeister von Belgrad, zwei Abgesandte des Kultusministeriums und andere angesehene Gäste beiwohnten. Die Herren waren von der Weihe und Andacht der Gebete sowie von der Festrede so ergriffen, daß der Ministerpräsident, einer spontanen Eingebung folgend, eine bedeutsame Ansprache an die Gemeinde richtete. Anknüpfend an das in der Festrede citirte schöne serbische Volkswort, „daß der Bruder lieb und theuer ist, welches Glaubens er auch sei", versicherte der Ministerpräsident die Juden Serbiens der beständigen Huld und Gnade des jungen Herrschers und seines königlichen Vaters, welchem die Juden ihre gesetzliche Gleichstellung zu danken haben; der Ministerpräsident sagte ihnen auch den Schutz unb das Wohlwollen der Regierung zu, deren Leiter er ist. Diese Rede des Premierministers an heiliger Stätte hat natürlich auf die serbischen Juden einen großen Eindruck gemacht, was mit Rücksicht auf die Lage der Juden in den anderen Donauländern, namentlich in Rumänien, sehr begreiflich ist. Amerika. * New-Uork. Trotz des ungünstigen Berichts des Komitees für Einwanderungswesen hat der Senat doch die Ernennung von Terrenee V. Powderly zum Chef des Einwanderungsdienstes bestätigt. Die Opposition machte sich in nicht genügender Weise geltend und bewegte sich hauptsächlich nur auf dem Gebiet rein politischer Natur. Davon, daß der Mann als engherziger Nativist und Fremdenhaffer gerade für seinen jetzigen Posten so ungeeignet wie möglich ist, daß seine Ernennung für das gelammte eingewanderte Element in den Ver. Staaten eine direkte Beleidigung ist und daß sie namentlich von der ganzen deutschamerikanischen Presse des Landes ohne Unterschied der Partei auf's Aeußerste bekämpft wurde, sagte kein Mensch in der Debatte ein Wort, und das stellt dem im Senat herrschenden Geist noch ein viel schlechteres Zeugniß aus, als die Bestätigung der Ernennung selbst. Die ganze Geschichte ist ein schmachvoller Skandal von Anfang bis zu Eude. Rev. Osias Hochglück. Persien. § Harnadan. Anläßlich des Puriinsestes hatten wir uns der Anwesenheit mehrerer unserer Glaubensbrüder uns dem benachbarten russischen Reiche und zwar aus dem Kaukasus und dem westlichen Ufer des kaspischen Meeres hier zu erfreuen, welche eigens die beschwerliche und auch kostspielige Reise unternommen hatten, mit dieses Fest hier am Grabe der Königin Esther und ihres unvergeßlichen Verwandten Morvechai zu begehen und hier auch die Vorlesung des Buches Esther zu vernehmen. Obwohl die Stimmung der Juden hier, sowie im ganzen Reiche in Folge der erst jüngsthin über uns hereingcbrochenen Verfolgungen eine höchst düstere ist, so wurde doch das Purimfest fröhlich gefeiert und an unserer Lustigkeit nahmen auch die aus der Ferne hier eingetroffenen Juden lebhaften Antheil. Es ist aber auch was Erhebendes, hier am Grabe jener Königin, welche dem Purimfeste sein Dasein gegeben und die bei der Abfaffung des nach ihr benannten Buches kräftig mitgewirkt, die Verlesung desselben zu vernehmen. Düster ist zwar das Häuschen, das die Gräber Mordechai's und Esther's umschließt, aber das ewige Licht, das hier am Purimfefte mit frischem Oel versehen wird, gibt demselben eine Helle, die sich auch den Herzen der zur Andacht hier Versammelten mittheilt. Diese Grabeskapelle könnte schon eine gründliche Renovirung benöthigen, zu der es den hiesigen Juden aber an dem nöthigen Geld? fehlt. vermischtes. Frankfurt «Jüdische Handwerker.) Der Verein zur Beförderung des Handwerks unter den israelitischen Glaubensgenossen batte vor einigen Tagen seine Hauptversammlung. Der Vorsitzende. Emil Sticbel, gedachte des verstorbenen Vorstandsmitgliedes L. Hcidenheimer, das zwanzig Jahren dem Vorstände angchörte. Nach dem Geschäftsbericht hat die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre an Umfang bedeutend zugenommeu Aus der Vereinskasse wurden 150 Lehrlinge unterstützt und verpflegt, von denen 111 deutscher Nationalität waren Dafür wurden zusamnren Mk 12,115 verwendet. Eingenommen wurden Mk. 13.722, denen eine Gesammtausgabe von Mk. 12,945 gegenüberstcht. Das Vereinsvermögen stieg auf Mk. 162,810. Es wurden 52 neue Mitglieder gewonnen. Die ausschcidenden Vorstandsmitglieder wurden wüdergewählt. Die wünschens» werthe Kürzung des Vereinsnamens mutz unterbleiben, da der Verein die Rechte einer juristischen Person besitzt und eine Aenderung des Namens vielen Schwierigkeiten begegnen würde.

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