Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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-jwiw"J|Iii?W«8A>>t4.WIWß i ür das Mrthodoxe MuderrthumÄ kwwösTsvH 5. April 1898*] lNr. 6. rnamm [eil den Aemhllern Deines Empels, oUtjcit preisen pe \ v^.< Aus dem Leben. So sprach ich einst in meiner jungen Zeit: „Was soll die Sprache der Hebräer mir? Was soll mir die Beschäftigung mit ihr? Sie ist ja tobt, ein unmodernes Kleid! Hin ist ihr Land, das ganze Volk zerstreut In alle Welt, als wie der Sand im Meer, Als wie im Herbst der dürre Blätter Heer, Als wie die Spreu, darob der Wind gebeut! Darin zu beten? Welch' ein krasser Hohn! Ich bin ja deutsch mit jedem Herzensschlag, Deutsch ist mein Land, deutsch Alles, was ich mag, Deutsch meine Sprache, meiner Seele Ton! Gewiß, ich glaube an den einz'gen Gott, An meiner Väter Gott mit aller Kraft; Doch zu ihm flehn', der deutsch mich hat erschafft, In fremder Sprache? Nein, das nenn' ich Spott! Jedoch der Vater sah mich zürnend an, Und sprach: „Bekelne Deinen harten Sinn, Denn thöricht bist Du, und dann gehe hin Und strenge beim Hebräischen Dich an!" So lernt' ich es, mit Widerwillen fast, So lernt' ich fleh'n im fremden Idiom Zu meinem Gott, doch der Gebete Strom Entquoll den Lippen nur in irrer Hast! Kalt blieb das Herz dabei und ungerührt, Es war als betete ein fremder Mund, Als thu' ein Anderer die Worte kund- Vom Hauch des Ew'gen Hab' ich nichts gespürt. Und wollt' ich ernstlich zum Allmächt'gen fleh'n, Mein Herz in Demuth dem Allgüt'gen weih'n, So ist es draußen oft in Wald und Hain, In meiner Heimath Lauten still geschehen. Gott erfreut ja jegliches Gebet, Die Sprache aller Völker gilt ihm gleich, Die alte Welt, die neue, Arm und Reich, Sein Ohr steht Allen offen, früh und spät, Er hat auch seinen Beistand mir gelieh'n, Hielt ungewöhnlich großes Leid mir fern, Und hat in seiner Langmuth. glaub' ich gern, Das irre Stammeln auch schon längst verzieh'n. Die Zeit verrann. Mich trug ein schlimmer Wind In's ferne unbekannte Ausland fort. Verlassen irrt' ich da, von Ort zu Ort, Und Niemand, ach, verstand das deutsche Kind! Da griff ein wildes Heimweh ihm an's Herz, Es wollt' verstehen und verstanden sein, Nicht unverstanden leben, und allein, Im fremden Land mit seinem Heimathschmerz. Und eines Tages sab ich vor mir her Vom Stamme Juda viele Menschen geh'n, Im Feierklcid, wie einst ich sie geseh'n In ferner Vaterstadt am deutschen Meer. Gemeinsam lenkten sie der Füße Schritt Und trugen schwere Bücher in der Hand, Die sah'n mich an, so sonderbar bekannt, Und zogen, wie mit Geisterhand, mich mit! Bald nahm ein kleiner Vorhof auf die Schaar, Sie schritt hindurch zu einem Kuppelbau, Der in der Sonne Licht, im ew'gen Blau Des Tropenhimmels, glänzte, wunderbar. Die Thore waren weithin aufgethan, Als winkten sie, da innen auszuruh'n, Als wie zwei Arme liebend auf sich thun, Und zagen Schrittes trat auch ich hinan. Da traf Gesang mein Ohr. Allmächt'ger Gott! Hebräersang! Der Väter Mclodie'n! Wie Seraphsklänge fühlt' ich's mich umzieh'n! Und diese Sprache traf dereinst mein Spott? Die Thränen stürzten aus den Augen mir, Laut schluchzend sank ich auf die nächste Bank, Der ich zum Tempel elend kam und krank, Fand in der Fremde ein Stück Heimath hier!