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Der Israelit · 1898-04-05 · Heft 27-28 (5.4.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 27-28 (5.4.1898)
Date
1898-04-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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. Jahrgang. Zweite SeU. M J\ß 27 & 28 des „Israelis Leitender Artikel. Das woderue Israel«. seine parlrie». (Betrachtung zum Pesach Feste) Von Rabb. H. Galandauer, Soborten (Böhmen). Es ist naturgemäß, daß man in Zeiten der Noch und Bedrängniß, wenn Verderben und Gefahr droht, auf Abhülfe, auf Befreiung und Erlösung sinnt, noch größer aber ist der Drang nach Freiheit, wenn man eine Zeit lang das erhebende und beglückende Gefühl, das dieser kostbare Gut gewährt, empfunden hat und in Gefahr kommt, dasselbe wieder ganz zu verlieren. In dieser traurigen Lage befand sich Israel am Schitfmeer, da es einige Tage zuvor erst die Sklavenfesseln mit Macht sprengte, die seinen Leib zusammenpreßten, da es ihm gegönnt war dem grausamen Druck seiner Würger sich zu entwinden und endlich die Luft der Freiheit zu athmen, und nun ihm das entsetzliche Unglück drohe, in das alte, fast unerträgliche Joch wieder gespannt zu werden. Was ist da natürlicher, als daß Israel voll Angst und Schrecken eilends und rasch entschlossen einen Ausweg aus der Bedrängniß suchte? Ein kühner Gedanke, ein gewagter Entschluß, ein geschickter Ruck, unb die Klippe Ist umsegelt und ein ganzes Volk ist dem llnheil glücklich entronnen! Es war also hier nöthig, ohne Zögern, ohne lange Erwägung rasch zu handeln. Was aber thun, angesichts der brausenden Meeresfluthen und des wilden Kriegsgeschrei's Mizrajims? Da wurden verschiedene Slimnlen und Ansichten laut, welches Nebel als das kleinere zu wählen wäre und in vier verschiedene Parteigruppen theilte sich das Volk. Die eine Partei rief: „Besser, als in die Gewalt Mizrajims zuriickzukommen, wäre, wenn wir uns in's Meer stürzten." Die zweite Partei vertrat die Ansicht, lieber nach Egypten zurückzukehren. Die dritte rieth: den Kampf mit den Egyptern aufzunehmen, während die vierte Partei vorschlug, ein großes Kriegsgeschrei zu erheben, um hierdurch den Feind einzuschüchtern. Zu denen, welche riechen in's Meer sich zu stürzen, sprach Moses: „Stehet fest und schauet die Hilfe des Herrn", denen, die da sprachen: „Lasset uns nach Mizrajim zurückgehen", rief Moses zu: „Wie Ihr heute die Egypter sehet, werdet Ihr sie nie wieder sehen." Denen, die zum Kampfe gegen Egypten aufforderten, entgegnete Moses: „Gott wird für Euch streiten," und endlich jene, die ein Geschrei erheben wollten, wurden zur Ruhe, zum Schweigen ermahnt. (Talmud Jerusch. Tract. Taanis, 3 Abschn. und Mechilta zu Beschalach). , b:a: mmx nnx , nn by wrrax wyj mro h , nan^a pov n^y: ma*x nnxi , cmsoS -mm maix mxi ,mT,n ntpa Vx a'b maixr n ,pj:a mwa rnaix nnxi ma'.xtf w ,orvm *ipx rj npa b'x onxo5? -mm mDixtr ir mix: mo:xt? lr ,aa^> cr.b' m npa b’K pcnba poj» rvtm 'L xrS'aa , rwym a*o . ppnnn onxi ntra b** ,ir\bvz Seitdem sind mehr als drei Jahrtausende in den Abgrund der Ewigkeit dahingeflossen. Gleich dem Brausen mächtiger Gewässer umtosen Israel heute noch die stürmenden Wogen des grimmigsten Hasses von allen Seilen. Im Osten bedroht vom finsteren Aberglauben, von der Nacht der Unwissenheit und Beschränktheit, im Westen von der Bestie der Rassentheorie verfolgt, im Norden von Vorurtheilen der schwärzesten Art umgeben und im Süden vom Wahne des Nationalgötzenthums, von bösen Verleumdungen, von lügenhaften Anklagen umtobt. In dieser entsetzlichen Lage sinnt Israel auf Abwehr gegen seine Widersacher, die mit elementarer Gewalt gegen eS Hereinbrechen, um es zu vernichten. Und da ist die ängstliche Ausschau nach schleuniger Hilfe, nach rascher Gegenwehr auch ganz natürlich. Haben wir doch vor wenigen Jahrzehnten erst die Sklavenfesseln abgestreist, die Jahrhunderte hindurch uns tief in's Fleisch schnitten, und nun soll wieder die Hydra der Reaktion ihr grausig Haupt erheben? Die kurze Freiheit, die wir genossen, macht uns der neu hereingebrochenen Gefahr gegenüber erbeben, wenn wir der Gräuel und Sünden gedenken, deren die civilisirtcsten Völker Israel gegenüber fähig waren, und wir haben begründete Furcht, daß sie solcher Sünden noch immer fähig sind. Und wie die Roth beim Schilfmeere, so hat das Unglück unserer Zeit, der Antisemitismus, das israelitische Volk in verschiedene Parteigruppen getheilt, welche jede ihr Heilmittel vorschlägt, wie dem Zeitübel zu begegnen wäre, wie und auf welche Weise dem Feinde die Waffen zu entwinden wären. Die eine Partei schlägt vor: „Am besten wir stürzen uns ins Meer." Gegen die Zeitströmung läßt sich nun einmal nicht schwimmen, Alles ist gegen uns, die Gebildeten wie die Ungebildeten, die Culturwie die Naturvölker, die ritterlichste Nation wie der nordische Barbar, der Autokrat wie die Republik, von Oben bis Hinunter und von Unten bis Hinauf, Alles, Alles ist gegen uns. Ist es da nicht eine Don-Quixoterie, eine Narrheit, daß wir, die Wenigen und Schwachen gegen die gewaltige Uebermacht einer großen, ganzen Welt unsere Ideale, unsere göttliche Sendung, unser Gottespriefterthum vertheidigen und

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