Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXXIX. Jahrgang. Erste Keil.;u M 27 & 28 -es „laradtf*. Leitender Artikel. Die Wissenschaft kehrt um.*) * Mainz, den 3. April. II. Eines zeigte uns vor Allem bas Buch des Herrn Isaak Halevy, daß nämlich die Quellenschriften zur Geschichte des Talmud und der Gaonim noch lange nicht mit der genügenden Aufmerksamkeit gelesen wurden, und daß wir von der vollkommenen Verwerthung derselben noch weit entfernt sind. Es werden auch nach Halevy noch Viele kommen, die mehr zu finden wissen, als er, und die das Eine oder Andere von seinen Resultaten bestreiten werden. Unserem Autor aber bleibt das unbestreitbare Verdienst, nach langer Zeit wieder mit offenem Auge auf dem Gebiete der talmudischen Zeitgeschichte gesehen und gelesen zu haben. Und weil sein Blick scharf und nicht durch Vorurtheile getrübt ist, darum sah und fand er kostbare Schätze an Orten, an welchen Andere oftmals achtlos vorübergegangen waren. Wenn man die Reichthümer mustert, welche durch das Werk Dorot Harischonim an's Tageslicht gefördert wurden und welche den früheren Arbeitern auf diesem Gebiete verborgen geblieben waren, so möchte man viele derselben fast beschuldigen, daß sie wohl oft die Bergmannskittel angezogen haben, um den Schein zu erwecken, als arbeiteten sie in dem Edelmetall bergenden Schacht, daß sie aber nur selten richtig heruntergestiegen seien. In den Augen vieler Männer unserer sogenannten jüdischen Wissenschaft scheint auch die Aufgabe der jüdischen Geschichtsforschung und literarischen Kritik in erster Linie die gewesen zu sein, sich als getreue Dienerin und Helferin der Reformbestrebungen zu erweisen. Es gab eine Zeit, wo man Aller aufbot, um die Autorität unseres heiligen Gesetzes zu erschüttern, um den Abfall in immer ^weitere Kreise tragen zu können. Diese Zeit jubelte nicht denen zu, welche die wahre Geschichte der Tanaim und Amoraim förderten. Was lag den Umstürzlern an Rabbi Josua und Rabbi Akiba, an Rab und Samuel? Wer aber bei den Biographien dieser Männer Scheinbeweise aus dem Wirker: dieser Männer für die Unverbind- *) Dorot Haristbonim, Geschichte der jüdischen Literatur vom Abschluß des Talmud bis zu den letzten Gaonen, von Isaak Halevy. Preßburg 1898. Selbstverlag. In Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann. lichkeit des Talmud vorbrachte, dem wurde der Lorbeer gereicht, dem wurde jede Unehrlichkeit und jederLeichtsinn verziehen und ihm auf seine schmale Stirne die Krone des Geschichtsschreibers gesetzt. Wie natürlich ist es, daß eine solche Zeit ihrer würdige Forscher hervorbrachte. Darf es da Wunder nehmen, daß sich der Ehrgeiz der jüdischen Historiker nicht auf die Darstellung der Thatsachen, wie sie waren, richtete, sondern auf die Zeichnung derselben in der Weise, in welcher sie der Reform möglichst genehm wären? Tage kamen, in welchen, wie Herr Halevy treffend sagt, nur diejenigen kritisirt wurden, die aufbauen wollten, in welcher man jedoch von den Einreißern Alles hinnahm. Wie in dem Buche Dorot Harischonim an vielen Stellen Grätz, Weiß und auch Anderen unwiderleglich ihr umstürzlicheres Bestreben nachgewiesen wird, und wie vor aller Welt gezeigt wird, in welchem Maße sie mit dem uns Heiligsten spielen, das möge Jeder, der Hebräisch versteht, selbst Nachlesen. Sollte einer sich versucht fühlen, eine Ver theidigungsschrift für diese ehemaligen Heroen der jüdischen Geschichtswissenschaft zu schreiben, so thue er es nur. Wir meinen, Herr Halevy hat nicht nöthig, sich zu fürchten, und wir glauben sogar, daß man auch ohne selbst ein Halevy zu sein, mit seinem Buche in der Hand etwaige Angriffe gegen dieser: Meister leicht wird zurückweisen können. Was den reichen Inhalt des Dorot Harischonim betrifft, so werden wir nur einen ganz kleinen Theil davon hier miltheilen können. In den ersten Abhandlungei: des Buches wird auf überraschende Weise die Unklarheit beseitigt, die in Bezug auf die späterer: Amoraim und die Saboraim herrscht, welche die Redaktion des Talmud zum Abschluß brachten. Der bekannte, aber so oft mißverstandene uralte Satz kwa nw* 2^ nsin Pj*D wird vor Allem in überzeugender Weise erläutert. Es gab zwei Rabina. Der Eine war College Rab Aschi's und starb vor ihm, der Andere war ein jüngerer Zeitgenosse Rab Aschi's der kurz nach deffen Tode schon ein Richteramt bekleidete 8221) und ihn lange überlebte. Rabina der Jüngere war ein Neffe Rabina des Aelteren, ein Sohn des Rab Hunna, welcher starb, als Rabina II. noch sehr jung war. Wie sein Vater in zweifelhaften Fällen das Gesetz übte, darüber erfuhr Rabina II. durch Lehrer, ältere College» und besonders durch - seine Mutter ex %b rras). Rabina der Jüngere starb zuletzt von den gelehrten Zeitgenoffen des Rab Aschi. Der Satz nx-c.n nnii 21 sagt uns, Rab Aschi und Rabina (der Aeltere) mit den sie überlebenden Zeitgenoffen bilden das Ende der Horoa (des Zeitalters der Amoraim). Mit