Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1898)
- Date
- 1898-03-31
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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waren seiner inneren Natur zuwider. Und dieser Idealismus, verbunden mit einem einfachen, unerschütterlichen Gottvertrauen, gab ihm die Kraft der Noth zu trotzen, seine Würde zu bewahren und sich niemals vor den Reichen zu demüthigen. Am Abende desselben Tages langten von Reb Pinchas zwölf mächtige Folianten an und mit ihnen kehrte in unser Haus Licht und Hoffnung ein. In der Stacht unterhandelten Vater und Mutter abermals über meine Stiefel. Die Mutter willigte nicht ein, und bewies, daß zunächst die beiden älteren Mädchen Kleider haben müßten, dann wolle man sehen. Der Vater gab nach. Eine Woche später wurde er zum Postinspektor gerufen, der ihm ebenfalls Arbeit gab. Die Stiefelfrage kam wieder auf's Tapet, aber nach allen Berechnungen stellte es sich heraus, daß die sämmtlichen Einnahmen kaum für Peßach ausreichen würden, die Kleider für die Mädchen nicht eingerechnet. Ich war wie von einem Pfeil getroffen. Aber zu meinem Glücke ereignete sich etwas, was keiner von uns gehofft Seit zwei Jahren lagen auf unserem Boden etwa fünfzehn Bücher herum, die ein junger Mann, wahrscheinlich Lehrer in einer der deutschen Kolonieen, einige Werst weit, zurückgelaffen hatte. Mein Vater hatte bereits die Hoffnung aufgegeben, daß diese Bücher jemals behoben würden. Aber da erschien eines Tages ein hübscher deutscher Wagen vor unserer Hausthür, hielt an, und ihm entstieg ein elegant gekleideter Mann. Sofort versammelten sich ringsum eine Menge Weiber und Kinder, um die seltene Erscheinung zu bewundern. Ich wurde auf den Boden geschickt, um die Bücher herunterzuholen und abzustäuben. Der Deutsche nahm die Bücher in Empfang und hinterließ an Arbeitslobn vier und einen halben Rubel. Das Geld kam uns rein wie vom Himmel heruntergcfallen. „Nun gcb ich, um Stoffe für die Kleider zu kaufen!" sagte die Mutter. „Und Stiefel für Leibele?" fragte der Vater. „Gott im Himmel! Immer wieder mit diesen Stiefeln. Was ist das für eine neue Mode. Wollen wir nicht lieber ein Paar Sandalen kaufen, wie bisher?" „So! Sandalen, die er zwei Wochen anhat, bis sie unheilbar zerfetzt sind und er dann wieder barfuß umhcrläuft. Du vergißt, daß der Knabe, mit Gottes Hilfe, bald Bar-Mizwoh wird. Paßt es Dir, daß er barfuß umherläuft? Willst Du, daß er etwa barfuß zur Thora aufgerufen wird?" Diesem Argumente konnte meine Mutter nicht mehr widerstehen. „Ach, weh' ist mir! Um Gotteswillen! Das Hab' ich ganz vergeffen. Der Knabe wird Bar- Mizwah und ich habe keinen Augenblick daran gedacht. Die Noth und das Elend verwirren mir so den Sinn, daß ich mich selbst vergesse." Nach langer Unterhandlung wurde beschlossen, drei Rubel den Kleidern meiner Schwestern zu widmen, und den Rest für meine Stiefel zu verausgaben. Zwar würde das Geld weder für das eine noch für das andere ausreichen, aber man konnte wohl bei Reb Pinchas, in der Tuchhandlung, als auch Reb Jtzig, dem Schuster, einen Theil schuldig bleiben. Auf diesen Ausweg einigte sich der ganze Familienrath. Aber am Abend erschien Reb Mendel Melamed, bei dem mein kleiner Bruder Unterricht genoß. „Guten Abend, Reb Beinisch! Guten Abend, Rachel," sagte Reb Mendel, offenbar sehr gut gelaunt. Zu seinen Ohren war die Kunde von dem Deutschen, der vor unserer Hausthür gehalten, in bedeutend vergrößertem Maßstabe gedrungen. „Guten Abend", ei widerte mem Vater, der die Presse mit den Büchern in der Hand hielt und die Ränoer beschnitt. Die Mutter bot dem Gast einen Seffel an und der Vater wandte sich an ihn, ohne die Arbeit zu unterbrechen. „Was gibts Neues, Neb Mendel?" „Neues? Was für Neues kann es vor den Feiertagen geben? Gelo ist nöthig. . (Fortsetzung folgt.) WM- E n j e i ö Für bcn folgenden Theil ist die Red action nicht verantwortlich. En aroH l-mg* En *ro8 en detail j /V ly J en detail tlmpien'e mito t-n Colonialwaaren, sst Dürrobst Honig, Hamb Clirnbchen, Chocolabe Cacao Ma» cronen, Consect, Taseloel rc. re. Altes la. Q.alnät u billigte P'.i'e, (1809 I.eo Haas, Mainz, Betzelsgaffe 3, I. St. Daß He>, A nas von hier in '."ewg auf nntSO der von ihm off rirten Waar^n volles Vertrauen vei dient, bezeugt gern Dr. Bondi. HDD Dampfkaffecbrennerei nos Sp zwli'äk in an-r^nnt I». gebr. Perljava Sammtl'che Colonialwaaren, geschälte Kastanie« und Aleischextract empfiehlt (2098 S. I. Winter, Köln, Apernstr. 24. Referenz: Gr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Plato, Köln.