Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1898)
- Date
- 1898-03-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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490 gam's Geheimniß bleiben müsse, und so war es gekommen, vaß Clara Weick die Frau Julius Hohenthal« geworden war, ohne zu ahnen, daß sie einem geborenen Juden die Hand reichte. Zwei Kinder, eine Tochter und ein Sohn gingen aus dieser Verbindung hervor. Alice, das ältere Kind, reichte dem Premieurlieutenant v. Kettler die Hand, der durch die reiche Heirath seine stark derangirten Verhältniffe in Ordnung brachte, Kurt folgte dem Beispiel des Vaters und gab sich dem Studium der Jurisprudenz hin. Es war gerade zu der Zeit, als Hohenthal Landgerichtsrath in Berlin wurde, da hatte Kurt das Abiturium gemacht und in Berlin sein erste» Semester angetreten. Julius Hohenthal selbst führte lange Jahre hindurch an der Seite seiner Gattin ein ruhiges, zufriedenes Leben. Er hatte sich längst an den Gedanken gewöhnt, der ihm allerdings manche bange Stunde bereitere, daß er mit einer Unaufrichtigkeit gegen seine Frau in die Ehe getreten war. Allmählich redete er sich ein, daß er seine Frau, die ja genau in dem frommen, piestitischen Geiste ihres Vaters erzogen war, sich zu seiner — Julius' — Abstammung gewiß -ebenso verhalten würde, wie jener. Auch sie würde es gewiß gerade mit Freuden begrüßen, einen Bekehrten ihren Gatten zu nennen. Sein Uebertritt selbst erschien Hohenthal, je älter er wurde, in stet» hellerem Lichte, als ein wahrer Glanzpunkt in seinem Leben. Hatte er ihm doch erst das Dasein eröffnet, in dem er sich wohl fühlte und glücklich war. Er hatte längst alle Fühlung mit seinen ehemaligen Glaubensgenoffen verloren, er wußte und erfuhr nichts von ihren Leiden und Freuden; Jugend, Heimath und Freunde waren vergessen, verdrängt von oer neuen, der frommen, I christlichen Umgebung, die ihn in seinem eigenen Hause in ihre Kreise zog. Es schien Christ unter Christen. Aber er schien es nur. Es zeigte sich an diesem Manne, daß Religion, wenn sie wahr ist, nicht mit einem Mantel verglichen werden kann, den man ablegt oder anbehält, je nach der Bequemlichteit! Sie erwies sich vielmehr gerade an ihm als ein Tiefinnerliches, das mit dem Menschen selbst aufs engste verwächst und, wo e» gewaltsam von ihm getrennt wird, blutende Wunden zurückläßt und brennende Schmerzen bereitet. Was Julius Hohenthal als Kind im elterlichen Hause empfunden und gefühlt hatte, das war echte Religion gewesen, das waren himmliche Töne, die wohl zeitweilig übertön 1 werden konnten vom Leben und seinen Leidenschaften, die aber dennoch fest im Innern dieses Menschen ruhten, bis daß sie von den Ereigniffen zu neuem Klingen geweckt wurden. Die Bilder des Elternhauses hatten das Gemüth des Knaben ausgefüllt, wie nichts anderes in seinem Leben, nicht die verblendete Erziehung des Onkels, nicht der drängende Ehrgeiz nach der Carriere hin, nicht die Liebe zu Frau und Kind, alles fiel allmählich selbst in sich zusammen, verlor von seinem Glanze, ernüchterte, brachte Verdruß und trübe Stunden: Das Fünkchen Religion jedoch, das Vater und Mutter in des Kindes Herz gesenkt, barg echte Feuerkraft und wartete nur des rechten Luftzuges, um zur lodernden Flamme emporzuleuchten und alles zu überstrahlen, was in diesem Leben groß und schön und begehrenöwerth zu sein schien. (Fortsetzung folgt.) Der Kalender für das Peßachfest befindet sich Erste Beilage Seite 493 Der -Israelis erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zmei Vogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. 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