Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1898)
- Date
- 1898-03-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448883--45733-2496043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
487 religiösen Kultus, wenden. Denn — und in diese Ansicht lege ich den Schwerpunkt meiner Erörterung — es bedeutet eine schreiende Ungerechtigkeit, orthodoxen Juden zuzumuthen, sich mit einem Gebrauch zurecht zu finden, der — gleichviel aus welchen Gründen — ihr religiöses Empfinden verletzt. Andererseits kann von einer Verletzung der religiösen Empfindungen für die halb- und ganzliberalen Juden durch Nichteinführung der Orgel auf keinen Fall die Rede sein. Ihre Theilnahme am Gottesdienst ist nicht abhängig von Aeußerlichkeiten, für welche sie — die liberalen Juden — die Orgel doch unbedingt halten müssen. Auch nur einem orthodoxen Juden in einer liberalen Gemeinde den Besuch des Gotteshauses durch Einführung einer Orgel unmöglich machen, hieße eine Intoleranz an den Tag legen, wie sie ungerechter kaum gedacht werden kann. — Diesen, meinen Erwägungen habe ich nur noch wenig hinzuzusügen: Einen Mahnruf nach beiden Seiten hin! Hoch gehen die Wogen des Antisemitismus, und Einigkeit stände uns Juden — orthodoxen, liberalen und abseits des confessionellen Judenthums Stehenden — sehr gut. Auf alle Fälle aber müßten, da wo nur eine Synagoge vorhanden ist, in dieser Frage — der Orgelfrage — die Liberalen den Orthodoxen nachgeben! -a- Stratzburg i. E., 15. März. Daß das Wort jtwi hier sra zu den außer Kurs gerathenen Fremdwörtern gehört, daß unter den hiesigen Einwohnern, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses Friede und Eintracht in der wahrsten Bedeutung des Wortes herrscht, daß die hiesige nichtjüdischen Bürger die Verdienste ihrer jüdischen Mitbürger zu würdigen, schätzen und zu belehren wissen, davon habe ich mich auf meiner Durchreise durch Schlettstadt mit eigenen Augen überzeugt. Am 13. März feierten die Mitglieder des Vogefenclubs dar Fest des 25jährigen Bestehens der hiesigen Sektion. Die Feier fand im Gasthof „zum goldenen Lamm" statt, wo sich eine stattliche Anzahl von Vogesenfreunden versammelt hatte. Der Sektionsvorsitzende, Herr Forstmeister Gumbel, begrüßte die Anwesenden und entwarf darauf ein anziehendes Bild der Thätigkeit der Sektion von ihrer Gründung bis auf den heutigen Tag, bei welcher Gelegenheit er die hohen Verdienste unseres Glaubensgenossen, des jetzigen Kassirers, Herrn Kaufmann Sriber, der dieses Ehrenamt seit 18 Jahren bekleidet, mit großer Anerkennung hervorhob. Herr Sriber, so ungefähr lauteten die Worte des Vorsitzenden, hat sich während einer langen Reihe von Jahren, um die Sektion außerordentlich verdient gemacht, auf Grund dessen die letzte General-Versammlung beschlossen hat, dem verdienten Herrn ein Zeichen der Anerkennung zu geben. Dieses Zeichen der Anerkennung besteht in einer da» Vereinsabzeichen des Vogesenclubs darstellende Vorstecksuadel, die ich Ihrem Herrn Sriber im Namen der hiesigen Section feierlichst überreiche. Nachdem Herr Sriber mit bewegten Worten für die ihm zu Theil gewordene hohe Auszeichnug gedankt hatte, brachte der hiesige Gymnasialdirektor, Herr Dr. Hüttemann in gebundener Rede, ein von der ganzen Versammlung mit allgemeinem Beifall aufgenommenes Hoch auf Herrn Sriber und Herrn Justizrath Meyer aus. Letzterer ist einer der Mitbegründer der Section. Herr Sriber hat sich auch um das Gemeinwesen der hiesigen jüdischen Gemeinde, deren langjähriger Vorsteher er war, große Verdienste erworben. Oester r.-U n g a r. M o n a r ch i e. R. Budapest. Frau Johann a Bischitz de H ev es, die Präsidentin des Pesther israelitischen Frauenvereins, die sich durch ihre hingebungsvolle Antheilnahme an dem Geschicke der Armen und Elenden die Liebe und Verehrung Ungezählter errungen, beging am 8. März ihren 70. Geburtstag. Zu Ehren dieses bedeutsamen Zeitabschnittes hat der Pesther Israelitische Frauenverein in seiner jüngsten Ausschußsitzung einhellig beschlossen, in Würdigung der großen undunvergänglichen Verdienste, welche sich Frau von Bischitz als Präsidentin um das Emporblühen des Vereins erworben hat, zur Erinnerung an diesen Tag, aus dem Vereinsvermögen eine Stiftung im Betrage von 20,000 Kronen zu errichten, welche alle Zeiten den Namen Johanna v. Bischitz-Ausstattungs-Stiftung tragen unv deren jährliche Zinsen ausschließlich als Heiralhsbeiträge für in Budapest geborene, würdige arme Bräute verwendet werden sollen. Der Stiftungsbrief wird der Präsidentin erst nach ihrer Genesung überreicht werden. Herrn Salomon Sternthal, Districtspräsident in Temesvar, war dieser Tage Gegenstand einer begeisterten und imposanten Ovation. Als Se. Majestät anläßlich der feierlichen Eröffnung des „Eisernen Thores" die Deputation des 23., auf die Eomitate Temes, Arad, Krasso-SzörLny sich erstreckenden israelitischen Gemeinde-DiftricteS empfing, die Herr Sternthal anführte, da beschlossen die 45 Mitglieder derselben in dankbarer Erinnerung an diese glanzvollen Tage, dem Anführer und Redner der Deputation ihre Porträts in einem Gruppenbilde anfertigen zu lassen. Dieser Tage erschienen daher zahlreiche Mitglieder der Deputation und des Districtes, und zwar die Herren Salamon Biedl (Bekas) Simon Brasch, (Buziasudvar) Israel Löwinger (Lugos) Simon Bruck, M. Frommer, David Herzl, Alexander Kohn, Simon Schwimmer, Max Schwimmer und Armin Kümmelheim, der verdienstvolle Secretär, der Temes-