Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1898)
- Date
- 1898-03-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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442 Stätte seiner heiligsten Gefühle kennen zu lernen. Wie könne ein fruchtbringender Geschichtsunterricht erlheilt werden, wenn ihm die Grundlage der Geographie fehle! Hauptsache sei indeß der geistbildende Einfluß, den der geographische Unterricht bei richtigem Betriebe auf die Jugend auszuüben im Stande sei. Die Beobachtungsgabe werde angeregt, die Aufmerksamkeit gespannt, der Verstand geschärft, das Gedächtniß gestärkt, die Liebe zum Lande gefördert und die religiöse Anlage entwickelt. Ueber den Beginn des Unterrichts führt Res. aus, daß im Religionsunterrichte, beim Unterrichte in der biblischen Geschichte, selbst beim Bibel- und Gebetüberfetzen sich in den ersten Schuljahren schon Gelegenheit biete, grundlegend auf den in späteren systematisch zu betreibenden Geographieunterricht Bedacht zu nehmen. Das Pesachfest, an welchem das erste Gcrstenopfer und das Schobuothfest, an welchem das erste Weizenopter dargebracht wurden, geben Anlaß zum Hinweis auf die Verschiedenartigkeil der klimatischen Verhältuiffe zwischen unserem religiösen Heimathlande und unserem Wohnorte. Das Chanukkahfest führe uns mit seinen Wundern nach Jerusalem in den Tempel. Der eigentliche Unterricht in der Geographie von Palästina dürfe erst beginnen, wenn das Kind genügend Kcnntniß in der Heimathkunde, in der Kunde des engeren und weiteren Vaterlandes besitze, sich überhaupt die wichtigsten geographischen Gruudbegrisfe durch unmittelbare Wahrnehmung der heimathlichen Verhältnisse angeeignet habe. Ueber das „Wie" sagte der Vortragende, daß es durch Zusammenstellung und Vergleichung mit Bekanntem und durch Anreihung an klar Angeschautes und richtig Verstandenes geschehen müsse. So könne die Bevölkerung Palänina's mit der Bayerns in Vergleich gebracht werden, der Jordan in Bezug auf seinen Lauf mit dem Main, in Bezug auf Mün- I düng und Seenbildung mit der Donau, das todle Meer in Bezug auf seine Größenverhültnisse mit dem Bodensee, Jerusalem mit irgend einer ähnlich großen, den Schülern bekannten Stadt. Da cs sich in dem Geographieunterrichte um Aneignung von äußerlich Gegebenem handle, so fei die vorherrschende Lehrform der Vortrag. Jedoch müsse auch die Frageform angewendet werden und zwar nicht nur beim Wiederholen, sondern aitch um den Schüler zu veranlassen, aus anschaulich erkannten geographischen Verhältnissen Folgerungen zu ziehen. Leben und Jntereffe komme in den geographischen Unterricht hauptsächlich durch die Sicherheit, womit der Lehrer den geographischen Stoff zu seinent Eigcnihum gemacht habe, durch die Lebendigkeit der Vorstellung, durch die Einflechtung von geschichtlichen Begebenheiten, durch in der Geschichte erzählte Reisen rc. Für einen gedeihlichen geographischen Unterricht sei ferner nöthig, die Kinder zur selbständigen Reproduktion des Angeschauten und Verstandenen anzuleiten und für ein anständiges Kartenlesen zu sorgen, welche pädagogische Forderungen Ref. des Näheren erörtert. Bei der Vielseitigkeit der Unterrichtsgegenstände in der israelitischen Rcligionsschule fordert Res., daß alle 14 Tage eine Stunde oder bester jede Woche eine halbe Stunde dem Unterrichtsstoff zugemessen werde, wobei derselbe in den letzten drei Schuljahren erledigt werden könnte. In der Auswahl des Unterrichtsstoffes gelte der Grundsatz: Wähle, was zum Verständniß der biblischen Geschichte nöthig ist. Alles Unnöthige und Nebensächliche sei auszuscheiden. Der Lehrer sorge für feste Einprägung des Verstandenen und für vielseitige Wiederholung des Dagcwesenen. Der Unterricht erfolge nach einer festen Disposition, in welcher die einzelne Theilc in einem organischen Zusammenhänge stehen und auf- und zueinander hinleiten. Bei Repetitionen sei das Verwandte zu concentrieren. Dem Kinde muffe für den häuslichen Fl.iß eine Karte und einen Leitfaden in die Hand gegeben werden. Letzterer dürfe nur das Unerläßliche in übersichtlicher Darstellung enthalten. Der Schüler benützt ihn zur Wiederholung des vom Lehrer in freiem Vorträge Geschilderten. Im Leitfaden werde nur das, was er lernen und für imnrer merken soll, kurz, übersichtlich und bestimmt bei einander haben und davor bewahrt bleiben, daß er vor Bäumen den Wald nicht sieht. Von diesem Standpunkte aus ließe sich Ref. bei Adfaffung seines Werkchens: „Leitfaden für den Unterricht in der Geographie von Palästina" leiten, auf welches er die Kollegen besonders aufmerksam macht. Ref. schließt mit dein Wunsche, der Lohn und I die Anerkennung seiner Arbeit möge darin bestehen, daß der geographische Unterricht P. in der israel. Religionsschule, wo es nicht schon bereits geschehen, eingeführt werde, um damit einen wichtigen Baustein zu liefern zur formvollendeten religiösen Durchbildung unserer Jugend, zur Förderung von Liebe und Anhänglichkeit zum religiösen Stammlande, auf daß fürder die Jugend und das Alter verstehen lerne, innig und herzlich und nicht nur mit den Lippen, ohne Gefühl und Gedanken zu sprechen und zu beten: ewo p'art» "j-nr2 uw nrtnm. (Beifall). Unter den üblichen Dankesworten an die Gäste und Referenten schloß der Vorsitzende die Versammlung. Als nächster Versammlungsort wurde Würzburg gewählt. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J o h. Wirt h'säu'n Hofburbdruckeret-Actien-Geiellschaft in Mainz.