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Der Israelit · 1898-03-21 · Heft 23 (21.3.1898) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 23 (21.3.1898)
Date
1898-03-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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I 434 Juden aus Mostaganem, welche am 22. März den bekannten Krawall mit den Radfahrern von Oran hatten, bei dem einer der letzteren verwundet wurde. Dieser Krawall wurde dann der Ausgangspunkt für die antisemitischen Exzesse in der Provinz Algier. Die sieben Angeklagten werden beschuldigt mit Messern und Knütteln vorsätzlich zwei Radfahrer mißhandelt zu haben, der Hauptangeklagte oes Mordversuches. Alle leugnen den Vorsatz und behaupten sich in der Rothwehr befunden zu haben. Obwohl die Bcweisaufmahme zu Gunsten der Beschuldigten ausfiel und diese von sieben Anwälten ersten Ranges, darunter Maitre Decori aus Paris glänzend vertheidigt wurden, bejahten die Geschworenen alle Schulsfragen, wonach dann folgende Strafen verhängt wurden: Jsaac Sarfati fünf Jahr Zuchthaus, Simon Sarfati 10 Monat Gefängniß, Ben Haim, Mahlouf uns Cohen je drei Monat, Chabat und Koupi je fünf Tage Gefängniß. Dagegen fetzte der Gerichtshof die Entschädigung für die verletzten Radfahrer auf nur 50 Francs fest, um damit seiner Auffassung, daß riese den Krawall begonnen, Ausdruck zu geben. Sehr bemerkenswerth ist, daß auch in diesem Prozeß t a» Publikum im Saal fortwährend alle antisemitischen Stellen in den verschiedenen Zeugenaussagen stürmisch 'pplaudirte, überhaupt förmlich in die Verhandlung eingriff, als fei man im Zolavrozeß. Rußland. M. Peter-bnrg Es hat den Anschein, als wären die russischen Behörden von zwei verschiedenen Strömungen beeinflußt, in ihrer Art die jüdische Frage zu beurtheilen. Bald siht man sie humanvoll und gerecht, ein Umstand, welcher vor dem Jahre ]8ö0 die Lage der Israeliten wenigstens erträglich g macht hatte; bald nehmen sie die quälendsten Maßnahmen vor und zeigen sich in ungerechtfertigter Weise übelwollend. Wenn man die Sache genau betrachtet, so erkennt man, daß die Polizei ihr System von Gewaltthätigkeiten und Nörgeleien, das seit 1? Jahren so viel Elend und Rain hervorgerufen, fortsitzt, b..ß aber verschiedene Ministerien, so namentlich dasjenige de» Innern, denjenigen Fragen, welche die Juden insbesondere betreffen, mehr Gerechtigkeit und nrehr Menschlichkeit entgegenzubringen scheinen. Letzte Nachrichten. gd Wieliezka, 14. März. (Antisemitische Exzesse.) Hier haben Freitag und gestern Exzesse gegen die Juden stattgefunden, die, Dank dem energischen Aitftreten de- Bezirkshauptmannes Szezerbinski darauf beschränkt blieben, daß an der Synagoge und einigen Häusern jüdischer Einwohnern die Fensterscheiben zertrümmert wurden. Schon seit einigen Wochen gährte es in der Bevölkerung und zwar seitdem durch den hierher versetzten Reichsraths-Abgeordneten P. Szponder Broschüren vertheilt und colportirt wurden, durch welche die bekannten Ammenmärchen gegen die Juden in die unteren Schichten der Bevölkerung getragen wurden. Im Laufe der vergangenen Woche wurde von Seiten der antisemitischen Agitatoren das Gerücht verbreitet, daß sechs als Bauern verkleidete und bewaffnete Juden dem P. Szponder bei seiner Rückkehr aus Krakau aufgepaßt hätten, nm ihn zu erschlagen. Dieses Gerücht wurde zwar sofort von competenter Stelle dementirt, fand aber bei der ausgestachelten Menge Glauben, und die Folgen zeigten sich Freitag Abends. Aus allen Straßen rotteten sich Leute zusammen, die jedem vorübergehenden Juden Drohungen und Beschimpfungen zuriesen. Gegen Abend vergrößerten sich diese Ansammlungen, und ein Zug von ungefähr 300 Menschen, darunter auch Knaben, zog zur Synagoge. Hier wurde Halt gemacht und ein Steinbombardement gegen die Fenster der Synagoge und die nebenan liegenden Häuser jüdischer Bürger eröffnet. Nicht eine Fensterscheibe blieb unversehrt. Die im Tempel zum Gottesdienst versammelten Juden waren durch diesen unerwarteten Angriff in die größte Angst und Gefahr versetzt und konnten das Gotteshaus nicht verlassen. Erst nachdem es gelungen war, auf Umwegen einen Boten zum Bezirkshauptmann zu entsenden unb dieser in Begleitung von Gendarmen erschien, zerstreute sich die Menge und die Juden vermochten ihre Wohnungen aufzusuchen. Die Belagerung der Synagoge hatte etwa anderthalb Stunden gedauert. Am nächsten Tage machte eine Deputation der angesehensten jüdischen Bürger Vorstellungen beim Bürgermeister und sodann beim Bezirkshauptmann Szezerbinski, welch Letzterer versprach, die Gendarmerie zu verstärken und nöthigenfalls Militär aus Krakau zu requiriren. In Folge des energischen Auftretens des Bezirkshauptmannes blieb die Ruhe Samstag ungestört. Am Sonntag rotteten sich, durch Zuzug aus der Umgegend verstärkt, wieder größere Maffen zusammen und der Rummel fing von Neuem an; es wurden wieder Fensterscheiben eingeschlageu. Die jüdischen Bewohner sind in große Angst versetzt. 6 Niet. Frühjahrsu. Sommer- Stoff für M. 1.80 Pfj. -U- Muster auf Verlangen franco ins Hans. Modebiider gratis. C Meter Waschstoff zum Kleid für M. 1.08 6 „ Sonuner-Nouveaute „ „ „ 2.10 6 „ ,, clop.hr „ „ 2.70 0 „ Loden, vorzgl. Qu., dop.br. „ ,, 3.90 Mod. Kleidero. Blousenstoife in grösster Auswahl versenden in einzelnen Metern franco ins Haus Oettinger u. Co-, Frankfurt a. M. Versandthaus Separat-Abtheilung / Stoff z. g. Anzug M. 8.75 f. Herrenstoffe: 1 Cheviot „ „ „ b.8°

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