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Der Israelit · 1898-03-21 · Heft 23 (21.3.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 23 (21.3.1898)
Date
1898-03-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. M »8. Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Ireljmtuw in M»inz Montag, den 21. Marz 5658 (1898). Da mit dem 1. April 1898 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1898 eingetragen unter Nr. 3684. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhallen unser Blatt bis Ende März gratis._ Leitender Artikel. Mnimn'r Johimer nnn!>as f&trlintr TWvM. Von G. Frankfurter, Wesel. Es ist eine traurige Thatsache, daß das Judenthum und sein erhabener Lehrinhalt von Andersgläubigen nicht nur wenig gekannt, sondern sogar verkannt und gelcbmäht wird. Obschon unsere heilige Thora es ist, welche den erhabenen Grundsatz der Nächstenliebe aufstellt, den der weise Hillel für das AFidamental- Gesetz des ganzen Lehrgebäudes gellen 'lassen will; obschon ferner unsere heilige Thora uns die höchste Toleranz, selbst dem Feinde gegenüber, empfiehlt in den Worten II. Buch Mosel), Cap. 2H, V. 45 und 46: „Wenn du antriffst den Ochsen deines Feindes oder seinen Esel herumirrend, so sollst du ihn jenem zurückgeben. Wenn du den Esel deines Hassers erliegen stehst unter seiner Last, so hüte dich, ihn zu verlassen, hilf ihm vielmehr abpacken;" hat man dennoch das Judenthum und seine erhabene Lehre zu mystificiren und Ansichten zu verbreiten gesucht, die unsere Religion als eine Religion des Haffes und der Rache darftellen sollten. Wenn solche Jrrthümer von unseren Gegnern verbreitet werden, so ist dies, wenn auch zu bedauern, so aber doch erklärlich, daß aber diejenigen Verleger, welche für liberal gehalten werden, ja sogar selbst Blätter herausgegeben. die angeblich „Organe für alles jüdische Interesse" bilden sollen, derartige Entstellungen verbreiten helfen, das ist doch gar zu traurig. Zu dieser Betrachtung hat uns nämlich eine von Theodor Kappstein verfaßte Artikel-Reihe der Montags-Beilage des Berliner Tageblatts, „Der Zeitgeist" (Nr. 6, 7, 8 d. Bl.) Veranlassung gegeben. Jena Abhandlung ist nämlich, wie die Ueberschrift derselben besagt, zum Verständniß des (Drama's) „Johannes" von Sudermann verfaßt und soll eine Charakteristik des palästinensischen Volkslebens zur Zeit der Handlung genannten Stückes geben. Sudermann's „Johannes" nun fußt, wie im Hinblick auf den Verfasser, uns erklärlich ist, auf dem Grund des Neuen Testaments, und würden wir keinen Grund gefunden haben, uns mit demselben rechtend zu beschäftigen. Wir legten dem Stücke in Bezug auf historische Thatsachen und Charakteristik keinen größer« oder cmdern Werth bei, als anderen Dramen, bei denen ebenfalls die licentia poötica und dichterische Subjectivität vorwalten. Wenn aber über dieses Drama in einem liberalen Blatte eine „wissenschaftliche" Arbeit erscheint^ welche die Ansichten des Dichters als historisch beglaubigt gelten läßt und seinen Worten und den von ihm dargestellten Personen Autorität beimißt, so können wir es nicht unterlassen, unter den obwaltenden Umständen dagegen Beschwerde zu erheben. Denn Herr Kappstein läßt im Anschluß an seinen Gewährsmann Sudermann, sowohl unsere Schriftgelehrten, die so oft und mit Unrecht verleumdeten Pharisäer, wie überhaupt das Judenthum in einem falschen Lichte erscheinen und schiebt demselben Grundsätze unter, welche der Wahrheit schnurstracks entgegen sind. Was

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