Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1898)
- Date
- 1898-03-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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370 stört. Dafür mußten die armen Juden in Persien schwer büßen. Diese, welche von dem damaligen Anlisemitenführer Haman allesammt vernichtet werden sollten, haben sich nach den Worten des Redners (relata refero) dafür gerächt, daß sie in Persien 75 000 Christen gelödtel. Man denke: 420 Jahre vor der Geburt des Stifters der christl. Religion wurden Tausende Christen von den Inden ermordet! Das sind die Consequenzen, wenn ein Handwerker, der vielleicht über die besten Anstreicherfarben sachgemäß zu urtheilen vermag, über die Bibel zu Gericht sitzt! Wir sind begierig, was der Malermeister Bindewald nächstens über das jüd. Pesachfest und Neujahr zum Besten geben wird. Frankreich. ** Paris, 6. März. Zola über den Antisemitismus in Frankreich.) Emil Zola hat eine Reihe seiner kritischen Aufsätze, die im „Figaro" erschienen waren, gesammelt und 1896 unter dem Titel „Nouvelle campag-ne“ als Buch erscheinen lasten. Einer dieser Aufsätze führt die Ueberschrift „Pour les juifs“ und enthält auf elf Druckseiten durchaus zutreffende Betrachtungen, wenn der berühmte Romanschriftsteller auch das „gute" Pariser Volk der Judenhetze, die von einer „Handvoll Narren, Dumm- oder Schlauköpfen" (nne poignäe de fous, d’imb6cilles ou d’habilles) ausgehe, noch ganz unzugänglich wähnt, was bekanntlich heute nicht mehr gesagt werden könnte. Der Aufsatz beginnt mit den Worten: „Depuis quelques annees, je suis la Campagne qu’on essay de faire en France contre les Juifs, avec une surprise et un d£gout croissants. Cela rn'a 1’air d’une monstruositG, j’entends une chose en dehors de tout bonsens, de toute v£rite et de toute justice, une chose sötte et aveugle pui nous ramenerait k des siecles en arriöre, une chose enfin qui aboutirait k la pire des abominations, une persecution re* ligieuse, ensanglantant toutes les patries.“ (Seit einigen Jahren verfolge ich die Judenhetze, welche man io Frankreich anzustiften versucht, mit wachsender Ueberraschung und wachsendem Ekel. Die Geschichte macht auf mich den Eindruck einer Ungeheuerlichkeit, ich sehe darin etwas, was außerhalb des gesunden Sinnes, außerhalb jeder Wahrheit und Gerechtigkeit liegt, etwas Dummes und Blindes, das uns um Jahrhunderte zurückbringen würde zu der schrecklichsten Verirrung einer religiösen Verfolgung, die alles unter Blut setzt.") Holland. ** Amsterdam, 1. März. Da Esterhazy, wie man weiß, dieser Tage den frommen Wunsch ausgesprochen hat, mit 1000 Juden allein in einem Saale eingeschlosten zu werden, damit er sie bis auf den letzten Mann mit einem Knüppel todtschlagen könne, so hat ein hiesiger jüdischer Turner, der in allen Waffen, Stock, Degen, Säbel und Pistole, das Meisterdiplom erworben hat, ihm eine schriftliche Herausforderung geschickt, sich mit ihm an der französischen Grenze, gleichgiltig auf welche Waffe, zu schlagen. Die Echtheit des Schreibens wurde auf dem Stadthause vom Bürgermeister beurkundet; Esterhazy wird in dem Brief ein elender Feigling genannt, wenn er sich nicht stelle und zur verabredeten Stunde sich an der vereinbarten Stelle befinde. Am Freitag reiste der betreffende Turner mit zwei Zeugen nach der französischen Grenze ab. Thatsache ist übrigens, daß verschiedene jüdische Familien von Paris und anderen französischen Städten in hiesige Stadt übersiedeln und in der Sarphatiftraße bereits Wohnungen gemiethet haben. Eine der größten Diamantfirmen der Welt, die Gebrüder Boas in Paris, wird ihr Geschäft ebenfalls nach Amsterdam verlegen. vermischtes. Trier. Am 12. v. M. starb Hierselbst Herr Rentner Moses Hirsch im Alter von 88 Jahren; derselbe war bis zu srinen letzten Tagen noch körperlich und geistig frisch. Der Verstorbene erfreute sich wegen seiner Frömmigkeit, seines biederen Charakters und seines WohlthätigkeitSsinnes, der keinen konfessionellen Unterschied kannte, der größten Achtung in allen Kreisen. Budapest. Hierselbst hat sich der Beamte der Firma Neuschloß, Moritz Nemes, erschossen. Nemes, der sich erst vorige Woche mit einer jungen Dame kotholischer Religion verloht hatte, war Israelit, und da seine Eltern gegen die Verbindung waren, machte er seinem Leben ein Ende. Briefkasten der Expedition. L. Rin Lauterburg r Annonce kostet M. 2 50. E. S. 232: Betrag von M. IO dankend empfangen. E. I. in Wieu: Wir bitten um nähere Angabe Ihrer Adresse, da das für Sie bestimmte Exemplar des „Israelit" stets mit dem Vermerk „unauffindbar" zurückkommt. 6 Met. Frühjahrsu. Sommer- Stoff fötM. 1.80 Pig. —m— Muster auf Verlangen franco ins Hans. 6 Meter Waschstoff zum Kleid für M. 1.08 6 „ Sommer-Vouveaute' „ „ „ 8.10 ß „ „ dop.br „ „ S.V« 6 „ Coden, vorzgl. Qu., dop.br. „ „ 3.00 Mod. Kleideru. Blousenstoffe in grösster Auswahl versenden in einzelnen Metern franco ins Haus Oettinger u. Co., Frankfurt a. V. Versandthaus Modebilder gratis. Separat-Abtheilung \ Stoff z. g. Anzug M. 3.75 f. Herrenstoffe: / Cheviot „ „ „ 5,8