Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1898)
- Date
- 1898-03-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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336 Gottes nicht erfüllt, die Menschheit also durch das machtvolle Beispiel Israels nicht veredelt werden kann, dann tilgt Gott das Andenken Amaleks, d. h. dann läßt der Allgütige die Menschheit durch allmählige Entwickelung sich veredeln, und da auf dem Wege der natürlichen Entwickelung oft Rückfälle eintreten, so schreitet die Menschheit nur langsam fort, rn-ia* nno. Erfüllt aber Israel den Willen Gottes, äußert sich in seinem ganzen Leben der volle Geist der Thora, steht cs als G o t t e s o o l k da, dessen alle Bestrebungen und Thaten vom göttlichen Geiste durchdrungen sind, dann tilgt Israel mit einemmale nnvn das Andenken Amaleks, dann schwindet, durch Israel belehrt, aus dem Herzen der Menschheit die niedere Gesinnung, welche Amalek kennzeichnet, und aus der Geschichte der Völker — da- Culturdeficit. „Wenn Gott Dir Ruhe verschafft haben wird, von allen Deinen Feinden umher, so sollst Du das Andenken Amaleks tilgen unter dem Himmel, vergiß es nicht." Das will uns sagen: Vergiß Dich nicht! Vergiß nicht Deine göttliche Bestimmung, den Völkern voranzuleuchten. Je mehr die Völker die idealen Güter verleugnen, desto mehr pflege Du sie mit Ernst und Liebe. Und je größer das Culturdeficit der Völker ist, desto mehr bestrebe Du Dich sie durch Dein leuchtendes Beispiel zu erheben zur wahrhaften Cultur, zur Höhe der echten, jüdischen Gesittung. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin, 28. Febr. (Antisemitische Blutbeschuldigun g en!) Ein antisemitisches pommersches Blättchen hatte kürzlich eine mysteriöse Geschichte gemeldet, nach der in Bromberg zwei jüdische Männer aus Berlin verhaftet worden sein sollten, tveil man bei ihnen eine Kiste fand, in der ein an Händen und Füßen gebundenes Mädchen, welchem man einen Schwamm in den Mund gesteckt hatte, gefunden wurde. Diese Mordgeschichte entpuppt sich jetzt als ein plumper Schwindel. Auf eine Anfrage an das Polizeipräsidium in Bromberg über diese Angelegenheit wurde nämlich folgende Antwort ertheilt: „Urschriftlich mit dem Bemerken ergebenst zurückgesandt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Daß cs ein schlechter antisemitischer Scherz gewesen ist, ist wohl nicht anzunehmen, da an dem Tage, wo hier die Sache bekannt wurde, Liebermann v. S. (Sonnenberg D. Red.) sprach, die Sache aber gar nicht erwähnt wurde. Die Vermuthung hätte nahe gelegen, daß die Geschichte in die Welt gesetzt worden, um in dieser Versammlung daraus Kapital zu schlagen. Eher liegt der Verdacht nahe, daß es ein Wahlpolitikmanöver gewesen ist, wenn nicht überhaupt ein schlechter Scherz. Bromberg, 21. II. 98. Städtische Polizei-Verwaltung. Wolfs." Wann werden die Antisemiten wohl endlich einsehen, daß man ihnen solchen Blödsinn nicht mehr glaubt V O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. ** Budapest, 28. Febr. Folgender Ministerial- Erlaß in Angelegenheit der Preßburger Jeschiba wird veröffentlicht: „Infolge der am 13. August 1896 unterbreiteten Vorlage in Angelegenheit der im Interesse der ungarischen Cultur gelegenen Ergänzung der Organisation der Preßburger Jeschiba bringe ich Ihnen behufs weiterer Amtshandlung Folgendes zur Kenntnis: Die Rabbiner-Ausbildung ist das ausschließliche Recht der israelitischen Confession, die auf autonomem Wege den Lehrstoff für die Jeschiba festzustellen hat. Es muß aber auch berücksichtigt werden, daß die Jeschiba nicht ausschließlich zur Ausbildung von Rabbinern dient, sondern daß ihre Hauptaufgabe zugleich der Talmudunterricht ist. Ich finde cs daher nicht angemessen, anzuordnen, daß in der Jeschiba irgend welcher profaner Lehrgegenstand unterrichtet werde — weil ich mich der Erkenntniß dessen nicht verschließen kann, daß die Jeschiba im Allgemeinen und die mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene Preßburger Jeschiba infolge ihres eigenthümlichen konfessionellen Charakters nur zu Vorträgen über rein konfessionelle Lehrgegenstände geeignet sind. Nachdem cs aber wünfchenswerth ist, daß die Rabbiner, welche die Preßburger Jeschiba absoloirt haben, in der ungarischen Sprache und Literatur, sowie in der Geschichte Ungarns bewandert sein rnögen, und da ihnen zur Aneignung solcher Kenntnisse auf der Jeschcha keine Gelegenheit geboten ist, ferner weil im Sinne des bestehenden Gesetzes und der Verordnungen Rabbiner nur der sein kann, der ungarischer Staatsbürger ist und außer der an der Jeschiba erworbenen und in dem durch Allerhöchste Entschließung bestätigten Organisationsstatut umschriebenen Qualification noch vier Klassen der Mittel- oder Bürgerschule absolvirt hat, erachte ich es für angemessen, ohne die autonomen Rechte der jüdischen Confession verletzen zu wollen, anzuordnen, daß die Zöglinge der Preßburger Jeschiba, die sich der Rabbinerlaufbahn widmen, verpflichtet werden, in der von der Preßburger-Cultusgemeinde unterhaltenen Bürgerschule wöchentlich wenigstens zwei Stunden Vorträge über ungarische Sprache und Literatur, sowie über die Geschichte