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Der Israelit · 1898-02-28 · Heft 17 (28.2.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 17 (28.2.1898)
Date
1898-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX 7 Jahrgang. M 17. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orlhodore Zudenthum. Begründet von Dr. in HHainj Morrtag, de« 2 8 F^^rnar Z6Z8 (1898). Leitender Artikel. Die moderne <Lultur. Von Rabbiner Dr. M. Jung, Ung. Brod. Ein tieferschütterndes Drama hat sich vor unseren Augen abgespielt. Nicht die Phantasie eines Dichters, der böse Geist eines Volkes hat eS erzeugt, und wir sehen es nicht auf einer Bühne von Brettern, sondern auf der Bühne des Lebens. Der Ort der Handlung ist ein Land von blühender, hochentwickelter Cultur und die Darsteller sind ungewöhnliche Erscheinungen. Neben den im Hintergründe der Bühne stehenden Souffleuren fesseln besonders die beiden Helden des Stückes unsere volle Aufmerksamkeit, Vereine ist Jude, der seit langer Zeit bereits Märtyrer ist, der andere ein Nichtjude, der es eben geworden, ein Nichtjude, der aber beseelt ist, von echter Liebe zur Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschheit. Wenn die Gesammtmenschheit mit athemloser und in freudig-banger Spannung der Entwickelung des Dramas entgegengesehen hat, so galt dies weniger dem jüdischen, als dem nichtjüdischen Märtyrer, der für jenen mit wahrem Heroismus eingetreten ist. Die Lage Zola's und seiner Gesinnungsgenossen gleicht auffallend derjenigen, die Israel seit Jahrtausenden unter der Menschheit einnimmt. Pyhsisch klein und ohnmächtig, geistig aber groß und gewaltig kämpft Israel, seitdem es zum Volke geworden, gegen die Gesammtmenschheit aus Liebe zur Wahrheit der ihm geoffenbarten Thora. Dieses kühne, muthvolle und opferfreudige Eintreten Israels für die Wahrheit brachte ihm stets den Haß der Völker und eine Fülle unsäglicher Leiden. Allein Israel vertheidigt dennoch mit dem Einsätze alles dessen, was dem Menschen lieb und theuer ist, seine Wahrheit gegen diejenigen, die es verachten und verfolgen, anstatt, daß sie mit Bewunderung zu ihm emporblicken sollten, zu ihm, das für sie kämpft und blutet, da seine Wahrheit auch ihnen, den Völkern, zum Heile gereichen wird. Ergeht es diesen Rittern vom Geiste nicht ebenso! Ein Einzelner ist Zola, aber ein Geistesheros, der der Menschheit zum Ruhme, seiner Nation zur Zierde gereicht und der auf dem Gebiete der modernen Literatur neue Bahnen eröffnet, nimmt den Kampf gegen sein Volk auf, aus Liebe zur Wahrheit. Dieses muthvolle Auftreten raubt ihm die VolkSthümlichkeit, die schönste Frucht seiner literarischen Thätigkeit, verwandelt die Hochachtung, die dar „Volk" bis vor kurzem für ihn gehegt, in Verachtung, in Hohn, aber Zola kämpft fort, er ist bereit alles zu opfern aus Liebe zur Wahrheit. Die schäumenden Wellen des Volkshasses drohen ihn zu verschlingen, er ist seines Lebens nicht sicher, Zola bleibt unerschütterlich in seiner Liebe zur Wahrheit und blickt gleichJSrael von seinerHöhe lächelnd auf die tief unter ihm Stehenden, die in ihrer Verblendung nicht wissen oder nicht wissen wollen, daß er durch sein opferfreudiges Eintreten für die Wahrheit, für sie, die Verblendeten, kämpft und ringt. Je schöner und herzgewinnender der Charakter Zola's ist, desto häßlicher und abstoßender sind die Charaktere derer, die neben ihm in jenem Drama auftreten. Welche die Menschheit entwürdigende Szenen spielen sich da ab! Hier liegt ein Halbentseelter, um ihn herum stehen menschenähnliche Wesen, die auf dessen Athemzüge mit Spannung lauschen; werden sie stärker, lassen sie vermuthen, daß noch kraftvolles Leben vorhanden ist, dann verdüstern sich die Mienen der Umstehenden und nehmen finstern und drohenden Ausdruck an. Werden aber die Athemzüge schwächer, künden sie die -nahe bevor-

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