Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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Orthodoxe «MuderrthumM \OM O S E Sv.'izvsMN?' i'«<» K -<&*« Warnevcil und Murim. Eine MrraL'ete. Von Alexander Baum. Schon oft ist dieser oder jener in die Versuchung gekommen, den Purim mit dem europäischen Carneval zu vergleichen, um verwandte Beziehungen zwischen beiden zu entdecken, ja vielleicht aus ähnlichem Ursprung herzuleiten. Man kam wohl deshalb auf den Gedanken, weil der Purim verschiedentlich der „Carneval der Juden" genannt wurde, doch mag es dahingestellt sein, ob die erwähnten Forschungen von Erfolg gekrönt waren oder nicht, jedenfalls ist es interessant genug, der Sache ein klein wenig näher zu treten. Zwar darf man dabei nicht nur an den heutigen Carneval denken, der am meisten blos von seiner heiteren und tollen Seite bekannt ist, wir wollen ihn auch von seiner ernsten Seite betrachten, wobei es ja gleich auffällt, daß unser Purim eine weit ernstere, ja traurige Vorgeschichte in sich birgt, die durchaus nichts mit dem Mummenschanz des Carnevals zu thun hat, den sich hier und dort unsere Kleinen am Purim leisten. Ich schicke bei meiner kleinen Betrachtung voraus, daß ich durchaus keine ausführliche Geschichte des Purims oder des Carnevals zu schreiben gedenke, mir ist es lediglich darum zu thun, den Leser durch meine Parallele ein klein wenig zu unterhalten und zu weiterem Forschen anzuregen. Gehen wir etwas näher aus die Geschichte des Carnevals ein, so sehen wir, daß er schon sehr alt ist, der lustige Geselle, denn man muß ihn schon entschieden vor Thesyi's gekannt haben, wo man sich bekanntlich Masken aus Weinhefe gemacht hat. Das eigentliche i Nachdruck verboten ) Heimathlaud des Carnevals aber ist Italien, wo er sich aus den altrömischen Saturnalien entwickelt hat. Es sei hier nur kurz erwähnt, daß das Fest der alten Latiner der Sage nach zum Andenken an den glücklichett Naturzustand der Menschen in Freiheit und Gleichheit zur Zeit der Negierung des Satnrnus eingesetzt wurde. Während der Feftdauer waren öffentliche und Privatgeschäfte eingestellt, die Arbeit ruhte allenthalben, und Wettrennen und Gladiatorengesechte wechselten mit dem Mummenschanz der Menge ab. Die Kirche war später nicht mächtig genug, das im Volke tief eingewurzelte Fest zu beseitigen, und so sah ne sich gezwungen, es bestehen zu lassen und aus eine passende Zeit zu verlegen. Von den maßlosen Ansschweisungen der früheren Carnevale ist heute allerdings nichts mehr zu sehen, wie man denn auch erstere schon vor der Nesormation durch Verordnungen einzuschränken gesucht hat, und seit der Kirchenverbesserung unterdriickte man in den meisten protestantischen Ländern die Volksbelustigung des Carnevals mit Strenge. Ueber die Bedeutung des Wortes Carneval, italienisch carnevale, ist man wohl nicht im Unklaren. Nach der gewöhnlichen Annahme wird es aus der Zusammensetzung von carne und vale hergeleitet, was so viel als: „Fleisch leb wohl" heißt; denn, wenn der Carneval da ist, sind die Fasten nicht mehr weit. Sehr wesentlich wird diese Meinung auch dadurch unterstützt, daß die Spanier statt Carneval, earne^to-li6n(1a8 sagen, was bestimmt aus carne8