Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIi; Jahrgang. M 1«. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. ITeJjtncutw in Wlsinz Mittwoch, den 23. Februar 5658 (1898). Kür Eine Mnekr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat W März, W aus den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrtefträger ausgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Kin Wort zur Weyerzigrmg für das yerannayende Wurimfest. Mainz, 23. Febr. Als vor Jahrtausenden unsere Voreltern durch den Schutz der göttlichen Vorsehung dem entsetzlichen Mordanschlage Haman'S entronnen waren, setzten die Weisen der damaligen Zeit einen Denktag, einFreudenfest ein für ewige Zeiten, und dieses Freudenfest wird noch heute mit voller Innigkeit gefeiert. Unsere Voreltern lebten damals zerstreut in den 127 Provinzen des großen persischen Reiches; das heilige Land aber lag verödet da, der heilige Tempel war zerstört und die Städte Palästina'S waren nichts als unbewohnte Trümmerhaufen — aber sie waren nicht vergessen von den Söhnen Israels. Inmitten der Freude erinnerten sie sich der alten Heimath und dachten sie zu ehren. Deßhalb wurde die für die Stadt Schuschan eigenthümliche Feier auf die zerstörten Städte des heiligen Landes ausgedehnt, da man ihren baldigen Wiederaufbau erhoffte; denn nur die Städte Palästina's hatte man im Auge, als man bei der Bestimmung jener Feier bis zu den Zeiten Josua'S, des Schnes Nun'S, zurückgriff. (Siehe Talmud Jeruschalmi, Maßechet Megillah, am Anfänge; ferner MaimonideS Jad Chasakab, Hilchoth Magillah und Chanukkah o. 1, §. 5.) Auch wir leben fern von den heimathlichen Stätten der Väter. Wie unseren Voreltern in Persien zu Mordechai's Zeilen ergeht es uns nach Ueberwindung von mancherlei antisemitischen Angriffen vsrhältnißmäßig gut in den Ländern, die von der Sonne der Civilisation erwärmt, uns Menschen- und Bürgerrechte gewährt haben. Ahmen wir dem Beispiele unserer Väter in Persien nach; vergessen wir die alte Heimath nicht! Fast zagen wir, den geehrten Lesern dieses Blattes das mitzutheilen, was wir doch nicht verschweigen können, nicht verschweigen dürfen. Es sind in jüngster Zeit so mannigfache Ansprüche an die jüdische Wohlthätigkeit gestellt worden und haben glänzende Erfolge gehabt; allein das jüdische Herz ermüdet nicht im Wohlthun und so wollen wir denn getrost uns an dasselbe wenden. Wir erhalten traurige Nachrichten aus dem heiligen Lande: es herrscht dort großesElend. Von Herrn Groß-Rabb iner Elyaschar, sowie von Herrn Nissim Behar erhalten wir folgendes Telegramm: Strenger Winter, Epidemien, Masern, Armuth groß, bitte schleunige Abhilfe. Mit diesem Telegramm stimmen eine Menge Privatnachrichten, die wir erhalten, überein. Der Winter ist diesmal außergewöhnlich hart in Palästina. Am 91. Dezember fiel Schnee im ganzen Lande, auch in Galiläa und sogar in Jaffa, wo die jüngere Generation sich nicht entsinnen kann, jemals Schnee gesehen zu haben. Ta indessen der Winter sehr früh und sehr schwer eingesetzt hat, so