Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1898)
- Date
- 1898-09-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1315 israelitischen Friedhofe statt, wo der ruhelose Vorkämpfer der deutschen Socialdemokratte in dem Erbbegräbnisse seiner Familie die letzte Ruhestätte gefunden hat. Wie alljährlich, so werden auch dieses Mal wieder gewisse jüdische Blätter nicht umhin können, ihren Lesern „von einem aus diesem Anlaß abgehaltenen Gedenkgottesdienste zu berichten, bei dem Herr Rabbiner Dr. Guttmann die Gedenkrede gehalten haben soll.." Demgegenüber halten mir es angebracht, festzustellen, daß die hiesige jüdische Gemeinde noch nie daran gedacht hat, eine besondere Gedenkfeier für Ferdinand Lasalle zu veranstalten, sondern daß einfach, da zu diesem Zweck ein Legat der Familie Lasalles vorhanden ist, die üblichen Jahrzeitsgebete gesprochen werden, wie dies bei allen Legatoren der Fall ist. — Es wird gewiß jeden Ihrer Leser interessieren zu erfahren, daß die etwas übereifrig betriebenen Sammlungen für ein BiSmarkdenkmal wieder von Neuem beit maßgebenden Kreisen zu Bewußtsein gebracht haben, wie beschämend es für uns Schlesier ist, daß wir noch immer kein Erinnerungszeichen besitzen an unseren hochherzigen, unvergeßlichen Kaiser Friedrich. Auf Anregung einer Glaubensgenossin, der wohlbekannten Frau Regina Schlesinger, hat sich nämlich ein Komitee gebildet, das demnächst mit den Sammlungen für ein solches beginnen will. — Ueber die Befreiung jüdischer Schüler, welche christliche Volksschulen besuchen, vom Schulbesuch an jüdischen Feiertagen hat, wie Sie bereits meldeten, die Schuldeputation zu Breslau in Einverständnis mit dem Vorstände der hiesigen Synagogen-Gemeinde neue zum Theil erweiterte Bestimmungen getroffen. Wie gefällt Ihnen, das in dieser Beziehung genannte „jüdische Osterfest" oder das noch viel schönere „jüdische Pfingstfest"? Wäre es nicht angängig gewesen, daß der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Breslau in seiner Information der Schuldeputation anstatt dieser lächerlichen Aisimilationsworte die zum Mindesten ebenso schön klingende und doch gewiß sinngemäßere Bezeichnung als „Passah- und Wochenfest" gebraucht hätte! Wenn man sich beim „Laubhüttenfest" vergeblich nach seinem christlichen Analogon umgesehen hat und das Kind beim rechten Namen nennen mußte, warum drückt man sich „beim jüdischen Oster- und Pfingstfest" herum um die richtige Bezeichnung? Aus Schlesien und den Nachbarorten. Der israelitische Krankenpflege- und Leichenbestaltungsverein in Ostrowo hielt dieser Tage behufs Abänderung der Statuten eine Generalversammlung ab, in der beschlosien wurde, ausnahmslos alle Vereinsmilglieder zur Krankenpflege heranzuziehen. Ferner wurde beschlosien, die Mitgliederbeiträge zu erhöhen und einen anderweitigen Tarif für sämmtliche Begräbnisgebühren sestzustellen. Derselbe soll stets auf den Einkommensteuersatz der Betheiligten Rücksicht nehmen. Zur Durchführung resp. Fassung der Paragraphen der zu ändernden Statuten wurde eine fünfgliedrige Commission gewählt. Der Verein zählt über 150 Mitglieder, besitzt ein Vermögen von etwa 6000 Mark und besteht bereits über 80 Jahre. Holland.? Amsterdam. Die Krönung der Königin Wilhelmine von Holland fand am Mittwoch den 7. September statt. In allen Synagogen fand natürlich Festgottesdienst statt. Um aber auch den armen Juden Amsterdams die Möglichkeit zu geben, die Festwoche sorgenlos ihre Arbeit ruhen zu lassen, sind von jüdischer Seite genügende Fonds gesammelt, die am Montag zur Vertheilung gelangten. Es ist gewiß ein schöner Gedanke, daß auch die Aermsten der Armen an der allgemeinen Festfreude theilnehmen können. vermischtes. Johannesburg. In der hiesigen orthodoxen Synagoge fand ein feierliches Hesped für Rabbiner Mohilewer statt. Die Synagoge war überfüllt und die Feier nahm den würdigsten Verlauf. , Letzte Nachrichten. ^ürth, 7. Sept. Zum Direktor unserer israelitischen Bürgerschule ist der bekannte Historiker Dr. Moritz Stern, bisher Prediger und Schuldirigent der israelitischen Gemeinde in Kiel, einstimmig vom Kuratorium gewählt worden. Die auf dem Boden des traditionellen JudenthnmS stehende Bürgerschule, 1862 begründet von Herrn Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt) und seit 1872 geleitet von dem verdienten bisherigen- Direktor Dr. Dessau, besteht aus einer vierklassigen Volksschule und einer sechsklassigen Realschule. Die Reifezeugnisse der obersten Realschulklasse berechtigen zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. Auf die Pflege der Religion und des Hebräischen einschließlich Mischna und Talmud wird besonderer Werth gelegt. Zum Lehrerkollegium gehören 18 staatlich geprüfte Lehrkräfte. Dem Wirken des neuen Realschuldirektors, dem ein vorzüglicher schriftstellerischer und pädagogischer Ruf vorangeht, wird mit hochgespannten Erwartungen entgegengesehen. Seiner wartet hier bei der Jugend, wie bei den Erwachsenen ein großes Arbeitsfeld. Herr Direktor Dr. Stern, ein Reffe des Begründers der Hamburger Talmud-Thora Realschule, des verstorbenen Hamburger Oberrabbiners Ascher Stern *n, erhielt seine rabbinische Ausbildung am Hildesheimer'schen Rabbinerseminar zu Berlin.