Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 14-15 (17.2.1898)
- Date
- 1898-02-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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für bas gi lMrthodoxe «MuderrthumÄ 17 Febr. 1898.^ MT-IT mt<s WKL. «SSf >11M Die alten Wtsthen Sitten und Gedrönche und ihr poefienoller Inhalt. An Scenen aus dem alljüdischen Leben geschildert von --»»Simon Frankfurter, Wesel. .K...^r.. (Fortsetzung und Schluß au? Nr. 6.) (Nachdruck verboten.] Wir setzen unsere Betrachtung fort! Der Peßach ist beendet, die Omer-Zeit kommt heran. Ernst und still werden die Tage begangen, in denen einst manches Herbe unseren Ahnen widerfahren, und allsabbatlich werden in den Synagogen Trauer- Hymnen ob der verlorenen Herrlichkeit vom Vorbeter angestimmt. Aber an einem Tage, es ist der 33. im Omer w r1?, da herrscht wieder Fröhlichkeit und der Schmerz wird vergessen. Einst, sagt nämlich der Talmud, waren die Schüler des Rabbi Akiba uneinig unter einander geworden, und Feindschaft, erzeugt durch Neid und Mißgunst, war unter ihnen ausgebrochen. Der Herr der Heerschaaren aber, der nur durch den gegenseitigen Frieden die großen Weltkörper in ihren Bahnen erhält, der nur durch Frieden das All regiert, er will, daß diejenigen, welche berufen sind, seinen Namen zu verkünden, durch Frieden der Welt ein leuchtendes Beispiel geben. Darum ließ er ob der Uneinigkeit der Schüler eine Pest unter ihnen ausbrechen. Am Lag beomer nun, da hörte jenes Sterben auf, und daher wurde dieser Tag zum Freudenfest in Israel bestimmt. An diesem Tage feierten daher besonders die Schüler unter Aufsicht ihrer Lehrer. Da wurden auch Hochzeiten abgehalten, und froh gings bei diesen her. Da sprudelte der Witz der sogenannten Marschälke, und der echt jüdische, kernige Humor entwickelte sich bei solchen Festen. Kurze Zeit nach Lag beomer, da ist das SchowuauS-Fest, die Synagoge ist auf das prachtvollste mit Blumen geziert. Es ist der Tag der Gesetzgebung auf dem grünbekleideten Berge, und das Andenken an jenen von Gott auserwählten großen Tag wird gar sinnig gefeiert. Das Gotteshaus gleicht in seinem Schmucke einem duftenden Garten. Dieses Thorafest erinnert uns an die Feier der Thora, das mit dem Namen „Barmizwah" bezeichnet wird. Die meisten der Mizwaus. die nach der Schemone-Esre verkauft werden, gelangen an die Angehörigen einer Familie. Die heilige Lade wird geöffnet, ein Knabe tritt auf den Almemar und liest die ganze Parascha in dem uralten „Trop" in einer Weise, die durch ihre Lieblichkeit und Herzlichkeit alle Gemüther bewegt. Die Mutterschaut zwischen den GitternderFrauenabtheilung auf ihren holden Knaben herab, und Helle Thränen erglänzen in ihren Augen, als sie denselben die heilige Worte mit so deutlicher Betonung verlesen hört. Und alles drängt sich heran, den Vater zu beglückwünschen. Auch ein Kindlein von erst wenigen Jahren bringt man zur „Schul'" herein. Es ist das jüngste Brüderchen des Bar Mizwoh. In weißem Kleidchen, weißem, mit bunten Bändern verzierten Häubchen, einem frisch rothwangigen Gesichtchen mit zwei Aeuglein, die gleich funkelnden Kohlen glühen, ist es anzuschauen, wie ein Engel Gottes, der eine glücklichere, neue Zeit verkündet. Es wird nach beendeter Vorlesung zur Thora getragen und bringt seine „Mappe", das Tuch, auf welchem es einst bei der Beschneidung gelegen, zur Weihe und Ein-