Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 14-15 (17.2.1898)
- Date
- 1898-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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259 Appell auch sofort bei mehreren Herren seine Wirkung erzielte. — Herrn Dr. Lange ''2 aber ruft die gen. Chebra im allgemeinen und Schreiber dieses insbesondere auch hier nochmals ein herzliches ns v zu. Dcfterr. * Ungar. Monarchie. Prag, im Februar. Eine tiefbetrübende Mittheilung habe ich Ihnen heute zu machen. Die Gattin Ihres treuen Freundes und langjährigen Mitarbeiters, des meisterhaften Schilderers jüdischen Lebens, des Herrn S. Kohn, ist nachdem sie nahezu ein halbes Jahrhundert in inniger Liebe mit ihrem Gatten vereint gelebt, am 1. Febr. von hinnen geschieden. Frau Regina Kohn entstammte der uralten edlen Familie Jeitteles, welcher so viele bedeutende Männer, Philantropen, Gelehrte, Schriftsteller, Aerzte angehörten. Sie war eine fromme, würdige Frau und als Gattin die edelste, hingebendste Lebensgefährtin, geradezu ein unerreichbares Ideal! Am 3. Februar, Donnerstags, Nachmittags wurde ihre irdische Hülle unter allgemeiner Beteiligung zu Grabe getragen. Es waren zur Leicheubegleitung alle Rabbiner Prags und der Umgebung, fast alle Gemeindevertreter, Abordnungen des Schriftstellervereins Concordia, der Studentenschaft, zahlreiche Universitätsprofessoren, die hervorragendsten Männer der Gemeinde erschienen. In der Leichenhalle am Friedhofe widmete ihr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld einen die Verewigte hochehrenden Nachruf und auch der treue Gatte fühlte sich mit unwiderstehlicher Kraft dazu gedrängt am Sarge der unvergeßlichen, langjährigen, unschilderbar treuen Lebensgefährtin einige Worte zu sprechen, die — aus dem Herzen kamen — und in das Herz der Zuhörer drangen. Möge der Allerbarmer den theuren Mann, der heute noch wie vor einem halben Jahrhundert mit jugendlicher Begeisterung seinem erhabenen Berufe als gottbegnadeter Künstler obliegt, die reichste Fülle seines Trostes zu Theil werden lassen.. vermischtes. Berlin. Wir entnehmen der amtlichen statistischen Korrespondenz einige Zahlen über die Häufigkeit der Ehescheidungen. Es kamen auf 100 000 stehende Ehen im Jahre Ehescheidungen durchschnittlich vor: rein jüdische Ehen: 64,5; rein evangelische Ehen: 72,3; rein katholische Ehen: 54,1. Dagegen bei Mischehen: evangelisch-jüdisch: 103,1; katholisch-jüdisch 158,80; dissidentisch-jüdisch: 551,6. Man ersieht auch aus dieser Statistik, daß von den Mischehen ein viel höherer Prozentsatz geschieden werden mutz als von den Ehen, bei denen beide Theile einer Religion angehören. Diese Statistik bestätigt übrigens nur eine längst bekannte Thatsache. Rastatt, 6. Februar. Eine schöne Feier, die hier abgehalten wurde, verdient es, öffentlich bekannt zu werden. Am heutigen Tage feierte Eantor Mayersohn seine silberne Hochzeit, in Verbindung mit seinem 30jährigen Dienst- Jubiläum als Lehrer und Eantor. Schon gestern wurde ihm von Seiten der Gemeinde viele Gratulationen dargebracht; heute Vormittag begab sich die ganze Schuljugend in die Wohnung ihres Lehrers, überbrechten ein schönes Geschenk mit prachtvoll ausgeführter Adresse der Schüler, wobei eine Schülerin ein passendes Gedicht für daS Jubelpaar vorgetragen, das alle Anwesende sehr rübrte. Das Jubelpaar dankte in bewegten Worten. Beredte? Zeugniß von der Bclicbthett des Jubilars, legen die vielen kostbaren Geschenke ab, mit welchen er von Seiten seiner Gemeinde beehrt wurde. Mittags fand in festlich decori-rtem Schulsaale in engerem Familienkreise ein Festessen statt und waren einige Bekannte und Verwandte von der Nähe und Ferne anwesend. Bei dem Mahle unterhielt man sich mit mm nm. Bezirksrabbiner Herr Dr. Mayer aus Bühl traf auch während des Mahles ein, und hielt eine schöne, schwungvolle Rede über die Bedeutung der zweifachen Feier, die großen Beifall fand. Verschiedene Toaste wurden ausgebracht und hat Herr Dr. Mayer besonders hervo gehoben welche Verdi nste das Jubelpaar sich erworben, da sie selbst ohne Kinder, ein fremdes Kind angenommen und dasselbe bisher so musterhaft erzogen; ferner betonte Herr Nachmann von hier, daß schon vor 5 Jahren die Gemeinde die Verdienste ihres Cantors anerkannte, indem sie ihm aus Achtung und Liebe einen prachtvollen silbernen Pokal widmete. Es war nur zu bedauern, daß die schönen Stunden so schnell verschwanden, aber sicher werden sie alle Theilnehmer in stets freudiger Erinnerung bleiben. Herr Mayersohn ist schon 15 Jahre hier, und möge es ihm auch gegönnt sein, sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum und goldene Hochzeit zu feiern. Die Anhänglichkeit der Schüler und Gemeinde zu ihrem Lehrer müssen jeden Eollegen angenehm berühren. Ahlen. Am nzitt starb im 91. Lebensjahre Frau Adelheid Elsberg ohne jede vorherige Krankheit. Wer die Verstorbene gekannt hat, der weiß, daß utwn mvp ,1721. Sie war nicht nur die Krone ihrer Familie, sie wurde von der ganzen Gemeinde wegen ihrer Frömmigkeit und ihres Wohlthuns als Zierde verehrt. Eine selbstlosere Frau, die stets aus orttf und auf das Wohlergehen Anderer bedacht, kann man sich kaum denken. Sie hatte die .TDT, eine Urenkelin und zwei Urenkel zu besitzen. Am Dienstag. 1"2 rüD, fand die Beerdigung statt; eine solche m7 ist in Ahlen noch nicht gesehen worden. In trefflichen Worten schilderte Herr Lehrer Kaufmann die Verdienste und Tugenden der Entschlafenen. .iY'asun Aus Baden Den Mitgliedern des „Landesvereins der israelitischen ReligionSlehrer in Baden" werden die von seiten der Behörde bereits genehmigten Statuten demnächst zugehen. In Vorbereitung befindet sich eine Petition an den Großh. Oberrath und an die im Laufe dieses Jahres zusammentretende Synode; Gegenstand der Petition werden die auf der Landesversammlung ausgesprochenen Wünsche der Lehrerschaft sein. Die diesjährige Generalversammlung wird jedenfalls v o r dem Zusammentritte der Synode stattfinden. Strasburg (Westpreußen), 3. Febr.''Heute fandenkdie Wahlen der hiesigen Synagogen-Gemeinde statt. Gewählt wurden zu Repräsentanten auf sechs Jahre die Herren Kaufleute Isidor I tz i g s o hn , Louis E o h n , Isidor »F erber, Rentier S i m o n s o h n, zu Stellvertretern auf drei Jahre die Herren Kaufleute Ludwig Cohn, Philipp Jakobsohn und Lehmann Jakobsohn. Laudon, 6. Febr. Wie die „Jewish World" berichtet, hat der Ehacham der Portugiesischen Gemeinde, der-gelehrte Herr Dr. Gaster, eine Schreibmaschine vrlter) für die hebräische — gleichviel ab Quadratschrift mit Accenten und Vokalzeichen oder „jüdisch-deutsche" Schrift — erfunden.