Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 14-15 (17.2.1898)
- Date
- 1898-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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251 Amtsgerichtsrath Kramer, bemerkte im übrigen: Bezüglich der Strafbemessung habe der Gerichtshof geglaubt, aus den begleitenden Umständen die Strafe etwas scharf bemessen zu niüssen. Wenn heutzutage eine ganze Partei von Juden nicht kaufen wolle, so sei dies immerhin folgerichtig. Wenn aber jemand selbst bei Juden kaufe und selbst von jüdischen Eltern abstamme, so sei es ein mehr als eigenthümlicher Charakterzug, sich in so beleidigenden antisemitschen Redensarten zu ergehen. Als strafschärfend müsse ferner die Vertheidigungsweise des Angeklagten in Betracht kommen. Der Angeklagte wurde §n einer Geldstrafe von 60 Mk. oder 20 Tagen Gefängniß verurtheilt. Da der Privatkläger in einer früheren Verhandlung eine Beleidigung gegen den Angeklagten ausgeftoßen hatte, so traf ihn hierfür im Wege der Widerklage eine Geldstrafe von fünf Mark. Aschaffenburg, 10. Febr. Als ein großer Mangel wurde es bisher hier empfunden, daß in hiesiger Gemeinde, welche ca. 100 Mitglieder zählt, eine nv"-ip rriIn nicht bestand. Auf Anregung der isr. Cultusverwaltung wurde im vorigen Jahre bereits ernstlich daran gearbeitet, eine solche ins Leben zu rufen, was von unserem fei. Distriktsrabbiner freudigst begrüßt worden war. Es ist nunmehr gelungen, in Verbindung mit dem seit 1852 bestehenden a,!r- ^--Verein eine p”r. unter dem Namen cncn jift’s; 2-d:n npr ssrnp .rcn zu begründen. Herr Saloinon Bamberger, Sohn des erw. hies. Distriktsrabbiners ^"*7 hat gelegentlich seiner Bearbeitung der geschichtlichen Nachrichten über die Juden der Stadt bezw. des Fürstenthums Aschaffenburg, gefunden, daß eine solche xixrr bereits 1719 hier errichtet worden war, welche bis 1838 bestand. Unter Zugrundlegung der Statuten dieses Vereins, welche mit der Genehmigung des Kurmainzer Landrabbiners ps:n ^-xt 722'L" rnno p«:n p en» btns: versehen sind, wurden nun die Statuten von einer Kommission ausgearbeitet und nachdem sie die Zustimmung eines anerkannten bayrischen n n gefunden, von der Generalversammlung mit unwesentlichen Abänderungen einstimmig angenommen. So wurden die Statuten p-w rro festgesetzt und für die Leitung des Vereins in gleichem Sinne gesorgt, indem der ganz besonders seiner opferwilligen Thätigkeit für n® wx hier so sehr hochgeachtete Herr Nathan Mayer als Vorstand und Herr S. Goldschmidt, Mitglied der isr. Cultusverwaltung, als stellvertretender Vorstand und Cassier gewählt wurden. Besonders verdient gernacht um das Zustandekommen der Sache hat sich auch Herr A. Hamburger, Vorsitzender der isr. Cultusverwaltung. Letzerer hat vonseiten der Gemeinde dem Verein einen jährlichen Beitrag bewilligt. Der neugegründete Verein zählt bereits über 70 Mitglieder. Möge er der hiesigen Gemeinde zum Segen gereichen und zur Weckung religiösen Gefühls und religiösen Sinnes innerhalb desselben beitragen! ** Posen, 16. Febr. Der israelitische Armen- Hilfs-Verein konstatirt in seinem Jahresbericht pro 1897 zunächst, daß die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder innerhalb zehn Jahren um .1800 M. zurückgegangen sind. In Anbetracht des guten Zweckes, den der Verein verfolgt, bittet der Vorstand die Mitglieder der Gemeinde um reichlichere Zuwendung von Mitteln zur Erhaltung des Vereins. Der Letztere hat den Zweck, arme Familien und Personen, die durch hohes Alter, Gebrechlichkeit oder Fehlen des Ernährers vorübergehend oder für längere Zeit in Nolh gerathen sind, durch fortlaufende monatliche Gaben zu unterstützen, auswärtigen durchreisenden Bedürftigen durch mäßige Gaben zur Weiterreise zu verhelfen, würdige Familie nach genauer Prüfung der Verhältnisie durch einmalige Gaben vor wirthschaftlichem Verfall zu schützen. Für diese Zwecke hat der Verein in diesem JahreinSgesammtM.12,745,35 aufgewandt. Ferner konnten durch letztwillige Legate und Spenden 527,50 an würdige Nothleidende, an, von den Wohlthätern bestimmten Tagen vertheilt werden. Die Einnahmen bestehen aus den laufenden Beiträgen der Mitglieder mit M. 5329.50, aus Spenden M. 6757,00, aus Sammelbüchsen M. 718,45, aus dem Verkauf von Pfandbriefen aus dem Reservefonds im Betrage von M. 2400,00. Gezahlt wurden an die Vereinspensionäre 5943,25 M., Unterstützungen an Durchreisende 1517,40 M., außerordentliche Unterstützungen 5284,70 M., Geschenke an verschämte Bedürftige 405 M. Am Jahresschluß verblieb ein Baarbestand von 3074,96 M. und an Fonds 13,000 M. Der Mitgliederbestand beträgt 5! 3. ** München, 14. Februar. (Der „Fall Dreyfus" im Jahre 1840.) Die Münchener Fr. Pr. theilt aus Band III, Dr. Paul Bernstein mit: Am 5. Februar des Jahres 1810 verschwanden in der asiatischen Stadt Damaskus der Guardian eines dortigen Kapuzinerklosters und sein Diener. Bei den Sicherheitsverhältnisien damaliger Zeit war das gar nicht auffallend. Es hieß auch, der Pater und sein Diener seien das Opfer eines fanatischen Muselmanen geworden, dessen Glauben der erstere beschimpft haben sollte, was bei der unanständigen Lebensweise des verschwundenen Kapuziners höchst wahrscheinlich klang. Der französische Konsul in Damaskus, Ratti-Menton, eine übelbeleumundete Persönlichkeit, hielt es jedoch für gerathener, den Verdacht auf die Juden zu lenken, da der Mord ja vyr den jüdischen Osterfeiertagen stattgefunden hatte. Die Provinz Syrien war damals mit dem egyptischen Reiche unter der Regierung des kriegslustigen Mohanred Ali vereinigt; letzterer wurde in seinen Angriffen auf die Türkei von Frankreich gegen die