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Der Israelit · 1898-02-07 · Heft 11 (7.2.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 11 (7.2.1898)
Date
1898-02-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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206 den Systematikern die größten Schwierigkeiten. Unter dem Namen Thier wollte der Mensch nicht systematisirt werden und das Thier gleichsam als Mensch zu classtficieren ging noch weniger. Da man auf die aristotelische Bezeichnung „Lebend gebärend" nicht zurückgreifen konnte als zuviel umfassend, da es auch lebendgebärende Fische, Amphipien, Reptilien und Saurier gilt, so wurde die Bezeichnung „Mammalia" geschaffen. Diese Bezeichnung war gelungen, denn Mensch und Thier werden hiermit genau präzisirt. Doch war hieraus die nothwendige Folgerung, daß unter diese Bestimmungssormel weitere Thierarten eingereiht werden mußten. So entdeckte Linnaeus, daß der Formel wegen, die Fledermaus, obgleich bis dahin Vogel, als Säugethier anzureihen sei; Curvier fügte auch den Wal bei. Nur die neu entdeckte Formel „Mammalia" war maßgebend. Dieser Punkt, weil die allgemeine systematische Bestimmungsformel für Mensch und Thier auf die Bezeichnung „Mammalia" fiel, ist die einzige Ursache, daß man auf den Gedanken kommen mußte, die beiden Thierarten, Fledermaus und Wal ihrer bisherigen Stellung als Fisch und Vogel zu entkleiden. Hätte man für die besprochene Vereinigung von Mensch und höherem Thiere einen anderen Namen erfunden, so wäre die Fledermaus noch weiter Vogel, der Wal noch weiter Fisch geblieben. Vgl. V. Carus, Geschichte der Zoologie. Thatsächlich haben die beiden ungeachtet ihrer Ähnlichkeit mit den Säugethieren noch viele Punkte, in welchen die Fledermaus dem Vogel, der Wal dem Fisch gleicht. (C. Claus, Grundzüge der Zoologie bei diesen beiden Arten.) Arist. stellte die Fledermaus als Uebergangsgruppe, Verbindungsglied zwischen Vogel und Vierfüßlern auf. Die Bibel erkennt ihr Vogelstellung zu, der Talmud geht noch einen Schritt weiter und stellt den Galeopethikus Flattermaki als äußere Grenze zwischen Vogel und Landthier. Deshalb die nothwendig gewordene Bestimmung bzb pjws p nn nrnrm ... „Der Flattermaki ist in jeder Beziehung als Vogel zu beachten," bei der talmudischen Classification. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts verblieb, wie wir gesehen, die Fledermaus in der Vogelklasse, seither erst wird sie in die neugeschaffene Classe der „Mammalia" eingereiht. In Wirklichkeit richtet sich die Stellung der Fledermaus und auch des Wals bis zu einem gewissen Grade nach Zweckmäßigkeitsgründen und hängt gewissermaßen von der Launenhaftigkeit der vorherrschenden Neigung ab. Ob die Fledermaus ein Vogel nach den Früheren, ob sie Mittelding nach Aristot. oder ob sie als Säugethier zu bezeichnen sei, bleibt eine Geschmacksache und richtet sich einfach nach einer mehr oder weniger willkürlichen Aufstellung der zu bestimmenden Thierklaffen. In der heutigen Systematik lautet das Schema bei Vögeln: eierlegende befiederte Warmblüter u. s. w. Würde bei der Redaktion dieses Schema, die Bezeichnung „eierlegende" befiederte" weggeblieben sein und hätte man eine andere redaktionelle Formel gewählt, so wäre die Fledermaus ein Vogel geblieben. Im Bibeltert konlmt keine Säugethiergruppe unter dem Namen „Mammalia" oder einem anderen Beinamen nicht vor. Als Vogelbezeichnung aber liegt im Bibeltexte nur das Wott ohne einschränkende Nebenbestimmung vor. py ist von „fliegen" abgeleitet, folglich wird hiermit das Fliegen als Grundbestimmung dieser Klasse gegeben. Bei der ungemeinen Genauigkeit und Bestimmtheit, mit welcher die Bibel in ihren Klassen und Gruppenbestimmungen übrigens vorgeht, giebt es daselbst keine einzige andere Gruppe, in welche die Fledermaus hätte können eingereiht werden. Die biblischen Gruppen sind alle in dem Maße sachgemäß umschrieben, daß eine etwaige Versetzung der Fledermaus in eine andere Gruppe eine Anomalie wäre. Die Systenlatik, in ihrer genauesten Bestimmung, ist nur eine Katalogisirung der Gesammtheit der Wesen. Ihre Aufgabe und ihr Zweck das Aufstellen und Zusammenreihen derselben nach einem bestimmten Typus. Durch das Zusammentragen aller Thiergruppen von gleicher Organisation ungeachtet der Verschiedenheit ihres Auftretens, hat sie ihre Aufgabe erfüllt. Durch sie werden wir belehrt, was für verschiedenartige Gestaltungen nach einheitlicher Organisation geschaffen wurden. Für die Bibel jedoch, als ein Buch fürs praktische Leben, wäre eine solche Zusammenstellung werthlos. Ihr kann nur die Aufgabe zufallen die Wesen in ihrer Wirklichkeit nach Gestalt und Thätigkeit aufzufassen, die Gruppen von gleichartiger Haltung und Lebensweise zu vereinigen, die Ungleichen zu trennen. Eine Zusammenstellung von Elephant, Spitzmaus, Wal und Fledermaus ist für die Systenlatik typisch, für die Bibel wäre sie undenkbar. Daher die Stellung der Fledermaus und des Flattermaki in der Reihe der biblischen Vögeln; dies ist mit ebensoviel Berechtigung übrigens geschehen als auch der Wal sich unter die biblischen Fische reihen ließ. B'02 "w>x ^30 &rxn m dx. Lev. 11. 9. Die Fledermaus als ppy Flieger, der Wal als Wasserbewohner wurden beide den natürlichsten Gruppen zugetheiit, die Fledermaus den Vögeln wie derZ Wal den Fischen. Die einzig mögliche und zweckmäßige Anordnung, die Unreinheit und Reinheit Bestimmungen betreffend, bleibt die biblische.

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