Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1898)
- Date
- 1898-02-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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miX. Jahrgang, Beilage M JtS 11 des Jferntüt“. Leitender Artikel. ♦D’SDDI niDlJ? Eine wissenschaftliche Abhandlung über talnmdische Systematik und Namen der bibl. Vögel von I Gttgenheim, Rabbiner in Saarunion. IX. Die systematische Stellung der Fledermaus in der Vogelorduung der Bidet. Es giebt Weniges in der Bibel, was den Modernen so viel Anlaß zur Kritik bietet, als die Einreihung der Fledermaus unter die Vögel. Da von der Stellung der Fledermaus die ganze systematische Bestimmung des Galeopithecus abhängt und dieser im gleichen Maaße in die Reihe der unreinen Vögel aufzunehmen ist, so tritt das gleiche Verhältniß auch für ihn ein. Säugethiere unter den Vögeln!. — Als den Säugethieren angehörend, sollten diese Thiere in einer anderen Gruppe eingereiht sein, als eine solche unangebrachte Vereinigung mit den Vögeln. So tritt die allgemeine moderne Ansicht hervor. Wäre diese sich breit machende Kritik nicht eine allgemeine, so wäre die hier aufgeworfene Frage kaum der Beachtung werth, da dieselbe durchaus nicht auf Wissenschaftlichkeit beruht. Jedes Eingehen, jede Untersuchung auf das Entstehen der modernen Systematik incl. Fledermaus, jede genauere Untersuchung über das Werthverhältniß der heutigen Stellung gegen die frühere, wird bald den Beweis gebracht haben, daß diese hervortretende Ansicht eine falsche ist, und daß die ganze Vorzüglichkeit der jetzigen Stellung der Fledermaus in der Systematik der früheren gegenüber, nichts weiter als ein relativer Begriff ist. Doch liegt dieser, obgleich allgemeinen Kritik, so wenig ernsthafte Wissenschaftlichkeit zu Grunde, daß ich mir gestatte, das Thema in leichterem Tone zu besprechen. Ein französisches Blatt brachte vor einigen Tagen aus der Feder eines der bedeutendsten Gelehrten daselbst einen Aufsatz, in welchem unter anderem das Wort Wal vorkam; doch zufällig oder absichtlich war diesem das Prädikat „Fisch" beigelegt worden. Ein in französischer Sprache erscheinendes Provinzialblatt unseres engeren Landes griff diesen Artikel auf und mit Verachtung auf den Gelehrten herabsehend/, fragt es, ob der Verfasser des Artikels sich einen Scherz erlaube oder ob er vielleicht die Naturkunde nicht gelernt habe, da er nicht zu wissen scheine, daß der Wal kein Fisch, vielmehr ein Säugethier sei. Als ich diesen Angriff las, legte ich mit Unwillen das Blatt aus der Hand, indem ich mir die umgekehrte Frage vorlegte: Ist denn der Wal kein Fisch? Ohne Zweifel säugt der Wal seine Jungen und ist von Cuvier den Säugethieren angereiht worden; kann man ihn deswegen nicht doch als Fisch bezeichnen? Hat nun der Gelehrte, der ihm das Beiwort Fisch beilegte, den Spott verdient? Genau dasselbe trifft auch bei der Fledermaus zu; sie fliegt, demnach hat sie, abgesehen von der systematischen Einreihung durch Linnaeus, das volle Recht als Vogel betrachtet zu werden. Der Wal und die Fledermaus sind in der Geschichte ihrer systematischen Aufstellung so eng verbunden, daß es durchaus unmöglich ist, auf das eine einzugehen, ohne das andere zu berühren. Geben wir also die systematische Einstellungsgcschichte der beiden Species unter dem Namen: Der Wal und die Fledermaus. Tausende von Jahren hindurch, bis Mitte des letzten Jahrhunderts, galten diese beiden Thiere, der erste als Fisch, die zweite als Vogel. Der Wal als Fisch befand sich in der von ihm eingenommenen Stellung so glücklich wie ein Fisch im Waffer, der Fledermaus als Vogel war es so wohl, wie einem Vogel in der Luft. Sie thaten auch in diesem Stande ihre Pflicht und Schuldigkeit, der Wal als säugender Fisch, die Fledermaus als säugender Vogel. Einwendungen gab es deswegen von keiner Seite, selbst nicht von Wissenschaftlichkeit wegen. Thatsächlich fand man bis in das 17. Jahrhundert an der systematischen Stellung dieser beiden Gattungen nichts auszusetzen. Die Ursache dieser abgeänderten Zutheilung kam ganz von einer anderen Seite und zwar war es die systematische Stellung des Menschen, welche hierin ausschlaggebend wurde. Bei den früheren Eintheilungen empfand man immer eine gcwiffe Scheu den Menschen mit Thicren in eine gleiche Klaffe zu vereinigen. Entweder ließ man den Menschen außerhalb der Classification oder vereinigte ihn höchstens mit dem Affen als specielle Thierklasse. Allgemein war die Ansicht maßgebend, daß der Mensch einem besonderen Naturreich angehöre. Doch mit der Zeit wurden die Schäden der Alleinstellung des Menschen, ckibcr und außerhalb des Thierreichs auf's Tiefste empfunden und' inan suchte ' einen Vereinigungspünkt mit der übrigen Thierwelt, speciell mit den höheren Ordnungen der Säugethiere. Für diese Vereinigung von Mensch und Thier den geeigneten Namen zu finden, bot