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Der Israelit · 1898-02-07 · Heft 11 (7.2.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 11 (7.2.1898)
Date
1898-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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3LXXIX. Jahrgang. JU 11 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. ITe&mftun in HHaitt]. Montag, de« 7. Fedrrrar 5658 (1888). Leitender Artikel. Der Dekalog! Eine rrligiös-pliüagogijche Srlrachtung von Rabbiner Dr. E. Pletzner—O str owo. Der dieSwöchentliche Thoraabschnitt: „Jitro", versetzt uns bei seiner alljährlichen Wiederkehr an den Fuß des Sinai, und wir vernehmen im Geiste die allgewaltige Donnerstimme des Herrn der Heerschaaren, wie sie die „Zehn-Gebote" unter zuckenden Blitzen, sprühenden Funken und düsterem Gewölk, weithin in Gegenwart unserer Vorfahren verkündet. Denn, wenn unsere Weisen so sinnreich lehren: „An jedem Tage ertönt ein Weck« und Mahnruf heute noch und zu allen Zeiten vom Choreb, ein „Wehe!" über Abtrünnige aus rufend", so ergreift uns die herrlichs Paraphrase von diesem „Sinai-Echo" indem Augenblicke wohl am mächtigsten, in welchem die andächtige Beterschaar der Vorlesung der Zehn-Gebote aus der heilige Gesetzesrolle, in gehobener Stimmung lauscht! Und wo auf dem weiten Erdenrunde Juden wohnen, da schmücken sie zum Gesetzgebungsfeste ihre Gotteshäuser und verwandeln sie in Blumengärten, den König aller Könige feierlichst zu empfangen, der uns unsere VerfaffungSurkunde einst als das köstlichste Geschenk verlieh! Glimmt nur noch ein Fünkchen in dem Herzen eines Jehudi, so sind ihm die „Zehn-Gebote" der Kerngedanke vieler Mizwoth, eine Grundidee des jüdischen Geistes. Doch was soll das heißen, wenn wir von den Zehn-Geboten als von einer „Grundidee des jüdischen Geistes" sprechen? Sind die „Zehn- Gebote" nicht auch geistiges Eigenthum de» herrschenden Völkerglaubens? „Empfangen nicht „israelitische Kindlein beiderlei Geschlechts", im zarten Lebensalter von 6—8 Jahren, in Spiel- und Vorschulen, deren Charakter durch christliche Vorsteher oder Vorsteherinnen ein specifisch christlicher ist, die Lehre der „Zehn- Gebote" aus dem Munde christlicher Lehrer und Lehrerinnen, in Gemeinschaft mit christlichen Mitschülern und christlichen Mitschülerinnen? Eben weil Judenthum und Christenthum sich in Bezug auf die „Zehn-Gebote" harmonisch die Hände reichen? „Ob altes oder neuer Testament, ob auch der Israelit 613 Gebote von seinem Gotte durch Moses erhalten hat" — so heißt es allgemein — die „Z ehn-Gebote" sind Gemeingut, sind weltbürgerlich geworden! Sie sind der Vereinigungspunkt aller Eon fession en, in ihnen schlägt das Herz aller Religionsgenoss ensch aften! Was hierin der Verstand des schon reiferen jüdisch n Knaben durch die hebräischen Texte im zweiten und fünften Buche Mosis erfahren soll, da» ist dem kleinen Kinde längst durch den „kleinen Katechismus von Dr. Martin Luther bekannt und eingeschärft! Es ist Thatsache, daß viele, viele der lieben Kleinen unserer Stammesgenoflenschaft, in solchen Privatmstiiuten an dem allgemeinen Religionsunterrichte theilnehmen, ur,o daß es hierin sehr traurig mit der Gesinnung der Eltern und Erzieher ausschaut, denen die Wacht an den kindlichen Herzen ihrer zarten Sprößlinge anvertraut ist! Wie wahr in seinem ganzen Umfange ist doch

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