Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1898)
- Date
- 1898-02-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIX. Jahrgang. Iwetle Seilllste )u J)ß 10 ats „iBtnelif Zeitungsnachrichten und Correfponvenzen: Deutschland. Berlin, 1. Febr. Am 25. v. M. hat im Saale „Cassel's Hotel" die erste ordentliche General- Versammlung des vor etwa Jahresfrist begründeten „Palästiua"-Verein zur Unterstützung jüdischer Bauern, stattgefunden, in welcher der Vorsitzende Herr Wilhelm Goldschmidt über das Resultat des verflossenen Jahres Bericht erstattete. Wir entnehmen demselben, daß sich der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens eine sehr stattliche Mitgliederzahl erworben hat und daß er bereits über viele Orte Deutschlands ausgebreitet ist. Trotzdem im ernen Jahre seiner Wirksamkeit zu seiner Einführung naturgenläß größere Ausgaben nothwendig waren, beliefen sich die Gesammtkosten aus nur Mk. 199.03, da Kosten für die Verwaltung vollständig erspart blieben. Die Einnahmen betrugen Mk. 811.59, sodaß ein Kassabestand von Mk. 612.56 vorhanden ist. In diesem Jahre sind bereits eine ganze Anzahl neuer Mitglieder hinzugetreten, ferner hat ein bekannter süddeutscher Rabbiner größere Beträge, über welche er die Verfügung für Kolonisationszwecke hat, dem Vereine zugesichert. Beitrittserklärung wolle man gefl. an den Schriftführer des Vereins Herrn Willy Steinberg, Berlin, Kaiser-Wilhelmstraße 18 p. richten. ** Burgpreppach. Dem zweiundzwanzigsten Rechenschaftsbericht über die Jsr. Präparanden-Schule „Talmud-Thora" zu Burgpreppach, für das Jahr 1896 97 entnehmen wir: Die Lehrer unserer Schule, die in gewissenhafter Hingebung an ihren Beruf, z. T. seit einer langen Reihe von Jahren, unausgesetzt ihr Bestes zu leisten bemüht sind, und an welche keine geringeren Anforderungen gestellt werden als an ihre im Staatsdienste wirkenden Kollegen, sind gegenüber diesen Standesgenoffen insofern wesentlich im Nachtheil, als für die Sicherstellung ihrer Zukunft und die einstige Versorgung ihrer Relikten bisher keinerlei Fürsorge getroffen war. Wir haben uns, nachdem die Anstalt materiell genügend fundiert erscheint, und in der Hoffnung, daß die regelmäßigen Beitragszuwendungen uns wie bisher auch in Zukunft zutheilwerden mögen, dazu entschlossen, einen Theil der Jahreseinnahmen zur Begründung eines Pensionsfonds auszuscheiden, der selbstständig verwaltet und über den getrennt von dem übrigen Stiftungsvermögen Rechnung abgelegt werden soll. Wir hofften, daß sich dieser Fonds während einer großen Anzahl von Jahren durch Zugänge vermehren könnte, um dann in ferner Zeit seiner Bestimmung zu dienen. Leider hat sich diese Hoffnung nicht verwirklicht, und wir sehen uns schon jetzt dazu veranlaßt, die Pfficht der Fürsorge für die Hinterbliebenen eines treuen Mitarbeiters zu übernehmen. — Unser lieber Kollege, der allseitig verehrte Herr Lehrer Plaut wurde uns unerwartet nach zehnjähriger Wirksamkeit an unserer Anstatt durch einen plötzlichen Tod entrissen. (Wir haben s. Z. ausführlich hierüber berichtet. Red.) Unsere Schule verliert an ihm einen Manu, der mit außerordentlicher Begabung eine seltene Arbeitsfreude und mannigfaltige Kenntnisse verband, dessen Lehrthätigkeit durch die Vereinigung dieser Vorzüge ganz außergewöhnliche Erfolge erzielen mußte, und dessen Persönlichkeit schon für seine Schüler eine unausgesetzte Mahnung zur Arbeit und Pflichttreue war. Am Schluß des Wintersemesters trat ein! Schüler des Oberkurses in die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover ein, mit Ende des Schuljahres verließen sechs Schüler unsere Anstalt, um ihre Ausbildung an den israelitischen Lehrerbildungsanstalten zu Würzburg (3) und Köln (2), resp. an dem Lehrerseminar zu Eßlingen (1) fortzusetzen. Die gesammte Schülerzahl ist der des vergangenen Schuljahres gleichgeblieben; eine Steigerung konnte aus Rücksicht auf den verfügbaren Platz trotz weiteren Anmeldungen nicht stattfinden. — Die Anforderungen, die die Unterstützung bedürftiger Schüler an unsere Kasse stellt, wachsen von Jahr zu Jahr, wir haben wiederum die für diesen Zweck verausgabte Summe um 500 Mark erhöht, ohne indes alle als berechtigt anerkannten Gesuche um Erhöhung einzelner Subventionen bewilligen zu können. Insbesondere könnten unsere ehemaligen Schüler, die, der hier empfangenen Wohlthaten eingedenk, den Mitgliedern ihrer Gemeindete unsere Anstalt zur Ausbildung ihrer Söhne empfehlen, auch insofern sich der Stätte ihrer Vorbildung erinnern und dankbar erweisen, als sie in ihrem Kreise Interesse für unsere Bestrebungen erweckten und die Zuwendung von regelmäßigen Beiträgen oder von Spenden bei besonderen Anlässen anregten. — Die gleiche Bitte, nanientlich bei freudigen Gelegenheiten unser zu gedenken, richten wir an alle unsere Freunde in der Nähe und in der Ferne; insbesondere aber empfehlen wir ihrem Wohlwollen angelegentlichst unseren neubegründeten Pensionsfonds, der nur dann Lebensfähigkeit erlangen kann, wenn er in den ersten Jahren durch ansehnliche Zuwendungen bis zu einer gewissen Höhe anwächst.