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Der Israelit · 1898-01-31 · Heft 9 (31.1.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 9 (31.1.1898)
Date
1898-01-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXLX. Jahrgang, Settage?u M 9 -es „Israelit". Leitender Artikel. llnööi öuiiiurl Keil Hüieiii!, f4- > Verfasser des Pptrn tpstc. *■**>*> Von ^Itabb. Dr. Gustav Löwy, Sürbogärd (Ung.) il. Im Tractat Sinhedron 73 d heißt es: Als was erscheint der aen in den Allgen des pxn cy? Zuerst erscheint er ihm als ein goldener Becher, hat er aber mit ihm gesprochen (so nach der Lesart des -p in Pesachim III. '21 *22) so sieht er in ihnl einen silbernen Becher. Gewöhnlich nimmt man diese Stelle so, daß die Verehrung für den Gelehrtell bei dem Amhaarez nach gepflogener Unterhaltung abnehme. Allein — erklärt N. Samuel Kell Halewy — ails dieser Stelle ist nach reiflicher Ueberlegung gerade das Gegentheil zu entnehmen. Welche Vorstellungen hat doch der r,y von einem aer "!2\"? Der n*n sei gewiß verehrungswürdig — meint auch der -y; wie könnte man die Achtung einem Manne versagen, der sein Leben der Erforschung des heiligen Gotteswortcs geweiht hat? Aber ein solches Leben ist wohl schön und ideal und doch nicht empfehleuswerth, oder, wie wir heute sageli wiirden, nicht zeitgemäß, nicht praktisch, nicht produktiv. Der sei ein Idealist, der sich in höheren Regionen bewegt, deil realen Boden unter sich verliert und ist darum für die Bedürfnisse des Lebens blind, für die Anforderimgen der Zeit taub, kurz: "2: cniy rr,z 22; rmr gleich Bileam möchte auch der r.y ft erb e n den Tod der Gerechten, nicht aber wie jene leben, nicht ihren Lebenslauf annehmen. Der rrr. kommt ihm vor wie ein goldener Becher, der zur Parade unb zum Zierath dient, aber zum täglichem Gebrauch zu kostspielig und deßhalb nicht geeignet ist und weil er ails lauterem Golde besteht, nicht in gangbare Münzen umgeprägt werden kann. (Vgl. Tr. Baba Mezia Anfang:rm p-e.) Verfolgen wir diesen Gedankengang etwas weiter, so haben wir eine Apologetik des — Plebejerthums, der rohen Unwissenheit. Ist aber der Amhaarez dem Talmidchacham etwas näher getreten, hat er sich mit ihm unterhalten, sofort werden die falschen Vorstellungen getrennt, fortan steigert sich in ihm die Verehrung, denn er gewinnt die Ueberzeugung, daß der wahre, aus der Höhe seiner Aufgabe stehende arn -rePn auch für „praktische Artikel" genügendes Verständniß besitzt, denn die heilige Thora soll ihm ja Lehre, Leiterin und Führerin sein durch alle Verhältnisse seines Lebens. Nunmehr ist der rrn für den Amhaarez ein silberne r Becher, der allerdings auch keinen Schmutz auf sich duldet, vornehm in seinem ganzen Wesen ist, aber I wenn es die Verhältnisse erfordern, in gangbare Münzen umgeprägt und verwerthet werden kann. Und wie warm schlug das Herz unseres R. Samuel für das Wohl und Wehe seiner Mitmenschen! Oft sah man N. Samuel zu Kranken eilen, um ihnen Trost zu spenden und Hoffnung einzuflößen, unb war der Kranke ein Dürftiger, so besorgte er selbst die nöthigen Medicamente und -[-td zufließende Unterstützung versetzte er den Armen in die Lage, daß er die ärztlich vorgeschriebene Diät einhalten konnte, während N. Samuel selbst zum himmlischen Vater seine Gebete emporsandte für das Wohl seiner Mitmenschen. Hub wie inbrünstig betete er! Nach verrichtetem Gebete sah man oft seinen Betpult befeuchtet, seine Kleider durchnäßt von dem Strom der Thränen, die er während des Betens vergoß, llnd doch war dieser heilige Mann Zeit seines Lebens voller Angst, daß er seiner jüdischmenschlichen Pflicht nicht Genüge geleistet hätte und fürchtete, wie einst der Prophet Samuel das Gottesgericht. (S. Chagiga 4 b.) In seiner Vorrede zum bpv'n itxrts giebt er dieser seiner Furcht rührenden Ausdruck. Zn seinen LiebeSpflichten gehörte auch, daß er stimmtliche nnm nee, die in Boskowitz benutzt wurden, einer eingehenden Eorrectur unterzog; überdies hat er iebeu rav my die Sidrah in jener n*vn *iec dnrchgestben, aus der am darauffolgenden rct? öffentlich in der Synagoge vorgelesen (geleint) wurde, um so einer nPee5 nr-c oder "n minn vorzubeugen. Auch war er ein vielbeschäftigter Mohel, welches Amt er dazu benutzte, die Zedokohpflicht in feinsinnigster Weise auszuübcn. Sv und ähnlich wirkte 9t. Samuel etwa sechzig Jahre in Boskowitz und seinem rastlosen Wirken konnte nur der Tod ein Ende machen, der ,22 m des Jahres 5566 erfolgte. Er wurde im Boskowitzer rropr» zur ewigen Ruhe beigesetzt. Sein großes Wisset! wurde vielleicht noch überragt von seiner allzugroßen Bescheidenheit, die seiner Zeit geradezu sprichwörtlich wurde. cb> 'rbrt oipes 7T;;r;y *nra nnx. Aus purer Bescheidenheit glaubte der große Mann, er sei unwürdig eine Nabbinerstelle zu bekleiden und so blieb er sein Lebenlang Kaufmann. Als seiner Zeit die Preßburger Gemeinde ihm das Nabbinat übertragen wollte, erwiederte er, als „Schulklopfer" (Tempeldiener) möchte er hingehen, zum Rabbiner gingen ihm die nöthigen Kenntnisse und Fähigkeiten ab. Die Preßburger Gemeinde wußte aber sehr wohl, was für ein Mann in den Mauern Boskowitz's weile, und wiederholte ihren ehrenden Antrag. Sie machte ihm Vorstellungen von den Vorzügen eines Preßburger Rabbinats, erinnerte, er könnte in Preßburg dem Thoraftudium

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