Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1898)
- Date
- 1898-01-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448865--45335-2495592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
»WW^K^MMBA'M^MWffWWWWWWWWWDWWWWWWWWWWWW 131 guten Sache und die sorgfältige Erledigung der umfangreichen Verbandsgeschäfte und ersucht die Versammlung, ihren Dank durch Erheben von den Sitzen auszudrücken. Die Schriftführer: Herbst. G old schmidt. ZeituttgSnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. ** Berlin Der „rothe" Crem er, wie man ihn zum Unterschiede von seinem Namensvetter und ehemaligen Fraktionsgenoffen, dem „schwarzen" Cremer, nannte, ist in Schöneberg gestorben. Es sind nur wenige Jahre dahingcschwunden, daß Cremer nicht mehr preußischer Landtagsabgeordneter war; allein die kurze Zeitspanne genügte vollständig, um den ehemaligen Tageshelden dem Gedächtniß der Mitmenschen auszulöschen. Doch hat er einmal Lärm genug von sich im Abgeordnetenhause gemacht. Er war eine Zeit lang wohl dem Fraktionsverbande des Centrums angehörig; indessen ist er von Anfang an das snkant terridle dieser Partei gewesen und geblieben. Schließlich wurde er zum Austritte aus denl Centrum gezwungen. Der Verstorbene darf den wenig beneidenswerthen Ruhm für sich in Anspruch nehmen, der Vater jenes Radauparlamentarismus geworden zu sein, der ja leider so üppige Früchte auch bei uns hat reifen lassen. Vom Centrum ausgeschlossen, fand Josef Cremer freundlichste Aufnahme bei den Conservativen, die selbst die ungesalzensten Spässe dieses Ueberläufers aus dem klerikalen Lager mit wahrhaftem Beifallsgewieher zu begleiten pflegten. Wie Ahlwardt und andere dieses Schlages gehörte auch Josef Cremer zu den charakteristischen Erzeugnissen der antisemitischen Hetzbewegung. Er hat nicht wenig dazu beigetragen, um die parlamentarische Debatte in ihrem Gehaben herabzudrücken. Unvergeßlich bleibt Josef Crcmers Auftreten im preußischen Landtage zu Gunsten des spanischen Thronprätendenten Don Carlos, an dessen Freischärlerkämpfen auch der abenteuernde preußische Legitimist Antheil genommen hatte. Von dieser seiner spanischen Episode her war Cremer der Name Don Cristobal geblieben. 8. Rawitsch. Wiederum hat eine von den verschiedenen wohlthätigen Stiftungen hiesiger Gemeinde Freude und Behagen in viele arme Herzen getragen. Das Kuratorium der Margolis-Stiftung zur Bekleidung armer Kinder, welche jährlich für diesen ihren Zweck eine ganz erhebliche Summe (über 500 Mk.) zur Verfügung stellt, hatte die Vertheilung der Winterkleider am vorletzten ns^n-Tage durch einen feierlichen Akt geweiht. Im Sitzungssaale, wo die Sachen zur Ansicht ausgelegt waren, hatten sich der Herr Rabbiner, die Gemeindebehörden und die armen Kinder eingefunden. Nachdem der betreffende Dezernent mit den anwesenden Herren eine Besichtigung der recht praktisch gearbeiteten Sachen vorgenommen, hielt der Herr Rabbiner eine angemessene, herzgewinnende und dem kindlichen Verständniß faßbare Ansprache an die armen Kleinen, worauf die Uebergabe der Kleider stattfand. Mit dem stillen Gelöbniß, den Ermahnungen des Herrn Rabbiners zu folgen und so das Andenken des edlen Margolis zu ehren, zogen die Beschenkten heim. b-n. Rußland. ** Kiew, 2. Jan. Die Enthebung de» Grafen Jgnatiew, de» Urheber» der bekannten Gesetze vom Mai 1882 von dem Posten de» General-Gouverneur» von Kiew, welche der russische „Regierungsbote" publicirt, dürfte in weiten Kreisen der russischen Ges llschast große Genugthuung Hervorrufen. Graf Alexet Pawlowitsch Jgnatiew, der gegenwärtig erst im 55. Lebensjahre steht, war eine der Hauptstützen der Politik Alexander» III. Bereit» als General-Gouverneur von Ostsibirien bekundete Graf Jgnatiew eine beispiellose Strenge gegen politische Verbrecher. Auch auf dem Posten de» Adlatu» im Ministerium de» Innern, welchen Graf Jgnatiew im Jahre 1889 bekleidete, erwies er sich als gehorsames Werkzeug der reaktionären Partei, deren Bestrebungen er eifrig unterstützte. Seine rückschrittlichen Gesinnungen bekundete aber Graf Jgnatiew mit größtem Nachdrucke als General-Gouverneur von Kiew. Er verfolgte die Nichtorthodoxen de» Gebietes, Juden, Deutsche und Polen, unterdrückte jede freiheitliche Regung unter den Studenten der Kiewer Universität und wies die Gesuche der ihm unterstehenden Semstwo» um Erweiterung der Volksbildung geringschätzig zurück. > Vermischtes Karlsruhe I. V. Im hiesigen Der. in für jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Hermann Zivi, Oberkantor in Düsseldorf, einen Vortrag über altjüdische Musik, Redner verbreitete sich eingehend über den vokalen wie über den instrumentalen Theil des Themas und wies durch Bicbelstellen nach, daß sich das Judeathum schon in den frühesten Zeiten des grauen Alterthumv in den Dienst der musikalischen Kunst stellte. Besonders interessant waren die Mittheilungen über die altjüdischen Tempelinstrumente, namentlich die verschiedenen Harfen Redner war in der Lage, die ethymologischmusikalische Beteutung der verschiedenen Instrumente nachzuweisen und hat in feinen 1'/, stündige interessanten Vortrag den Beweis geliefert, daß er eingehende Fachstudien besitzt, die ihn berufen erscheinen lassen, mit deren Ergebniß belehrend von die Oeffentlichkeit zrr treten. Der Vortrag wurde dem auch mit gebührcndenr Beifall ausgenommen.