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Der Israelit · 1898-01-20 · Heft 6 (20.1.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 6 (20.1.1898)
Date
1898-01-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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103 Feuilleton. Der Znefchores. - Von I. Potapenko. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von L. Mrirachina. 9) sAlle Rechte Vorbehalten, j Die Obristin nickte zustimmend. „Aber bitte, gnädige Frau Obristin, wenn Sie wieder mit Mowscha Kapsul Zusammenkommen, und das werden Sie ganz gewiß, denn Kapsul ist der erste Damenschneider und kein anderer kann vornehmen Damen so feine Kleider machen wie er . . . also, wenn Sie ihn wieder sehen, sagen Sie ihm nichts vom Journal." „Schön, schön . . . Lause aber jetzt rasch zum Schneider Blumenstein, weißt Du?" „Blumenstein? Ist mein Schwager." „So? Freut mich. Sage ihm also, er solle gleich zu mir kommen; ich will ihm Arbeit geben. Sage nur, er müsie sich recht ordentlich Mühe geben ..." „O, wird sich schon bemühen.' So eine Ehre, für die gnädige Frau Obristin zu arbeiten . . . wird vor Freuden aus der Haut fahren." „Nun, das wäre nicht wünscheuswertb, Jzka. Von Blumenftein spring auf den Heumarkt und erfahre, wie die Heupreise stehen, ob sie nicht in die Höhe gehen, verstehst Du? Ich habe viel Heu zu verkaufen. Das darfst Du aber nicht sagen . . . Nun, Du bist ja ein seiner Geschäftsmann und ich brauche Dich nicht zu belehren. Dann gehst Du in eine gute Fischbude und bestellst wir geräucherten Stör, so etwa fünfzehn oder zwanzig Pfund. Da hast Du Geld dazu. Paß nur auf, daß der Stör gut durchgeräuchert ist .... Du weißt ja schon, wie ich es liebe; gehe nun. Wenn Du zurückkommst, gebe ich Dir noch andere Aufträge." Jzka begann vor Freude ordentlich zu glänzen. So eine Praxis! Fünfzehn bis zwanzig Pfund S:or baar zu bezahlen — da kann man von jedem Pfund wenistens drei Kopeken verdienen! Fünfundvierzig bis sechzig Kopeken mit einemmal, das ist ein glänzendes Geschäft. „O!" rief er entzückt aus, „ich werde der gnädigen Frau Obristin solchen geräucherten Stör kaufen, wie der Gouverneur ihn nicht bester haben kann." Der Gouverneur war für Jzka der Inbegriff des allervornehmsten, reichsten und besten, was er sich nur vorstellen konnte. Nachdem Jzka das empfangene Geld sorgfältig in der Busenlasche seines Kaftans verborgen hatte, ging ^er hinaus. Boruch saß noch immer auf dem Kasten, ganz in sich zusammen gesunken, das Gestcht mit den Händen bedeckt — ein Häufchen Elend und Verzweiflung. Sein Anblick schnitt dem Jzka wieder ins Herz. Wenn man mit einem Menschen dreißig Jahre kameradschaftlich eine und dieselbe Sitzgelegenheit benutzt und aus einer und derselben Pfeife wenigstens drei Pud Knaster geraucht hat, so findet man sich beinahe wie verwandt. Jzka trat an Boruch heran und sagte: „Laß ab Boruch, von dem Grämen. Was vorbei ist, muß vergeffen werden. Denke nicht mehr daran." Boruch ließ die Hände sinken und erhob sich. „Jzka! Ich bin der schlechteste Mensch auf dem ganzen Erdboden ... der schlechteste. Ich bin schlechter wie der reudigfte Hund ... bin gegen meinen eigenen Genoffen gegangen!" stöhnte er und schlug sich mit der knöcherigen Faust an die Brust. „Nun ja, Meschores gegen Meschores!" sagte Jzka weich. „Das ist wohl schlecht . . . aber Boruch, Du thatest es doch nur aus Verzweiflung. Ich weiß das ja und bin nicht böse auf D'ch . . . wahrlich nicht, Boruch. Du kannst mir glauben, daß ich Dir nichts Nachträgen werde . . . Komm zu Dir, Boruch, ich will Dir eine kleine Praxis geben." „Jzka!" rief Boruch, erstaunt über die Großmuth seines, so schändlich von ihm verleumdeten Genosten. „Ja, ich will Dir Praxis geben . . . nicht viel, aber immer doch einen kleinen Verdienst. Geh' auf den Heumarkt und suche unter der Hand zu erfahren, wie die Preise stehen, aber nur unter der Hand, verstehst Du? Hast Du dort Bekannte?" „Ja wohl, ein Vetter von mir dient bei einem Heuhändler." „Desto bester. Gehe nun und thue, was ich Dir gesagt." „Ach, Jzka!" kam es aus der Tiefe der Brust des erschütterten Mannes. Mehr konnte er nicht Hervorbringen. Seine Augen wurden wieder naß und seine Lippen bebten. Er schlug nur mit der Hand in die Luft, fetzte seine alte schmutzige Mütze auf und entfernte sich rasch. Jzka sah sich um und bemerkte Srul, der am Fenster stand und gewiß alles mit angehört hatte. Srul schüttelte mißbilligend den krausen rothen Kopf. Seiner Aufmerksamkeit und, wenn man will, auch seiner Neugierde entging nichts, was nicht nur im ganzen Gasthaus, sondern auch in der ganzen Stadt vorftel, und so wußte er natürlich auch schon, was sich in Nummer 8 zugetragen hatte. „Ich hätte mich ganz anders gegen ihn benommen," sagte Srul. „Boruch ist ein nichtsnutziger Geselle." „O, Srul, das verstehst Du nicht und kannst

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