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Der Israelit · 1898-01-17 · Heft 5 (17.1.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 5 (17.1.1898)
Date
1898-01-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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91 Oeft err.-Ungar. M onarch i e. ** Wien, 12. Jan. Eine erfreuliche Nachricht für die Gemeinvemitglieder hat die letzte Vcrstandssitzung gebracht: Das Gemeinde-Defizit hat sich ansehnlich verringert. Die Gesammteinnahmen betrugen im letzten Jchre 765,913 Gulden, die Gesammtausgaben 796,319 Gulden, der Fehlbetrag 30,406 Gulden, das unbedeckte Defizit 38,754 Gulden. Den Grundstock der Einnahmen bilden die Kultussteuern. Sie sind veranschlagt mit 350,000 Gulden. Für 13,000 Steuerzahler und bei einer Quote von 10—3000 Gulden bildet diese Summe noch lange nicht das gerechte, geschweige denn höchste Ausmaß im Verhältniß zur Leistungsfähigkeit der Steuerträger. Die Rechnung ist klar. Wien hat keinen gesunden jüdischen Mittelstand; aber es hat über 100 jüdische Millionäre. Die Besteuerung derselben mit dem HöchstauSmaß würde schon allein über 300,000 Gulden einbringen, und dann blieben noch über 12,000 Steuerträger, die das Defizit aus der Welt schaffen könnten. — Die österreichische Statistik für das Jahr 1894, die eben erschienen, bringt den erfreulichen Nachweis, daß die Quote der an Verbrechen betheiligten Jud^n wiederum zurückgegangen, wenn auch ibre Zabl absolut ein wenig, nämlich um 29 Personen (von 1012 auf 1041), gestiegen ist. Die Stufenleiter dieser Quote stellt sich wie folgt, wobei immer berücksichtigt werden muß, daß der Prozentsatz der Juden iu den Ländern der österreichischen Krone sich auf 4,8 pCt. stellt: 1885: 4,0, 1886: 4,2, 1887: 1,2, 1888: 3,9, 1889: 3,5, 1890: 3,6,1891: 3,6, 1ö92: 3,8, 1893: 3,6, 1894: 3,4, hat also jetzt den niedrigsten Stand seit Bestehen der Statistik erreicht. Mit anderen Worten heißt dies: Während des Jahres 1894 sind in Oesterreich verurtheilt worden 30,133 Verbrecher, da der Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung 4,8 pCt. ist, so durfte man erwarten, daß die Zahl der jüdischen Verbrecher 1446 betrügt, es sind aber nur 104 i, also fast ein Drittel weniger. Die ständig fallende Quote spricht somit sehr zu Gunsten unserer Glaubensgenoffen in Oesterreich. Besonders bemerkt zu werden verdient, daß in dem Sprengel Ostgalizien 493, in Westgalizien 181 Verurthetlungen von Juden Vorkommen, zusamtnen also 674 oder 65 pCt. sämmtlicher bei den österreichischen Israeliten bestraften Delikte, während auf die Juden dieser beiden Provinzen 68 pCt. der Gesammtziffer der Juden in Oesterreich entfallen. Die Juden Galiziens, diese viel verschrieenen, unter den denkbar traurigsten ökonomischen Verhältnissen lebenden Proletarier, sind demnach besser als ihr Ruf, ja besser als ihre Glaubensgenossen im übrigen Oesterreich, namentlich als die Wiener Juden. In dem Gerichtssprengel Niederösterreich wohnen 128,784, also 11,2 pCt. der in der österreichischen Monarchie überhaupt ansässigen Juden. Demnach kämen von den 1041 Bestrafungen von Juden auf sie 117, cs sind aber in Wirklichkeit 160, also fast 2o p&t. mehr als der Durchschnitt. Freilich wirkt hierbei der Einfluß der großen Stadt mit, und zur Ehre unserer Glaubensgenossen fei es gesagt, sie erreichen noch lange nicht die Ziffer der Nichtjuven, denn bei diesen kommt auf 729 Seelen eine Bestrafung wegen Verbrechens, bei den Juden derselben Provinz aber nur auf 805 Seelen. England. ** London Die hiesigen Zeitungen beschäftigen sich mit der Lage der Juden in Persien, auf die die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung durch einen Artikel des Generals Sir Thomas Gordon gelenkt worden ist. „Jewifh Chronicle" hat darauf den General interviewen lassen und veröffentlicht das Gespräch. Der tapfere General schilderte die Lage der persischen Juden, die immer und immer wieder trotz aller Versprechungen des Schah und seiner Minister bald in der einen, bald in der anderen Stadt den schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt sind. Er schlug vor, es solle sich eine Mission von hervorragenden westeuropäischen Juden nach Teheran begeben, um für ihre Glaubensgenossen zu interveniren. Gordon zweifelt nicht am Erfolge einer solchen Mission, wie ja auch die indischen Perser zu Gunsten ihrer Stammesgenoffen in Persien durch dieses Mittel ebenfalls viel Gutes erreicht hätten. Freilich müßten dann ständige Vertreter in Teheran und besonders in Hamadar, Jspahan, und Schiras eingesetzt werden, die als Fürsprecher der persischen Juden bei den Gouverneuren und der Centralregierung in Therean fungiren könnten. Der General wirft den reichen Juden in Europa vor, daß sie nicht genug für die Armen der Aermsten in Persien thun. Mit Männern wie Poljakoff im Norden, den Sassoons im Süden, müsse es ein Leichtes sein, große Resultate zu erzielen. Als ihm der Interviewer entgegenhielt, daß die Alliance beabsichtige, in Teheran, eine Schule zu errichten, deren Director auch als Vermittler zwischen der Regierung und den Juden in Persien fungiren könne, antwortete ihm der General: Es ist ein Fehler, die Schule in Teheran zu errichten, denn hier unter den Augen der europäischen Gesandten geht es den Juden verhältnismäßig gut. Aber in den anderen Städten Irans sind sie weit schlimmer daran, jedem fanatischen Mollah preisgegeben und hier wäre Aufsicht durch europäische Beamte sehr nöthig. Gefragt, was es mit den 400 jüdischen Familien auf sich hätte, die 1892 angeblich nach Jerusalem ausgewandert seien, von deren Ankunft man doch aber gar nichts gehört habe, antwortete Gordon, daß ihm der Gouverneur von Schiras die Geschichte erzählt habe, dieselbe sei vielleicht nach

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